Embraer Jubiläum - 50 Jahre Embraer

50 Jahre Embraer und Taufe in einem – Jubiläum und Joint Ventures

Reiner Hertl
13.08.2019
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4 Minuten

Während die brasilianischen E-Jet-Produzenten auf der Pariser Air Show für Furore sorgten und dann ihre Birthday Candles ausbliesen, weht für den großen Flugzeugbauer wohl bald ein anderer Wind. Die Traditionsmarke Embraer gliedert ihren Geschäftszweig mit großen Passagierflugzeugen neu. Dieses Joint Venture mit Boeing soll, so heißt es, „Boeing Brasil – Commercial“ heißen. Der Markenname Embraer wird in dieser Sparte nicht beibehalten.

Erst Airbus und Bombardier, jetzt Boeing und Embraer

Das Segment der Passagierflugzeuge war lukrativ für Embraer – zurück bleiben bei der Empresa Brasileira de Aeronáutica S.A. die Einheiten Militär, Business-Jets und Innovation. Im neuen Joint Venture „Boeing Brasil – Commercial“ sollen 80 Prozent Boeing gehören, 20 Prozent den Brasilianern. Mit dieser neuen Allianz und nach der Airbus-Beteiligung an Bombardier teilt sich für kleinere Passagierflugzeuge der vormals viergeteilte Himmel fast in zwei Hälften.

Rang und Namen, Waagschale und Wortführer

John Slattery, Chef der künftigen „Boeing Brasil – Commercial“, findet den neuen Namen „organisch entstanden“. In Brasilien selbst gab es Turbulenzen, als verlautbar wurde, dass „Embraer“ in der Passagierluftfahrt als Marke so nicht mehr mitfliegen wird. Wenigstens wird „Brasil“ nicht als amerikanisches „Brazil“ geschrieben. Ein Entgegenkommen.

Ob hingegen die Flugzeugflotte selbst auch umbenannt wird, scheint noch offen (Airbus hatte diesbezüglich ja schon vorgelegt, als die C-Serie von Bombardier nach Übernahme der Mehrheit auch einen neuen „A“-Titel bekam). Wie die Joint-Venture-Jets der Boeing Brasil also heißen werden, hängt noch in der Luft. Und wird auch wieder von den Proportionen im Joint Venture 4/5 und 1/5 abhängig sein. Die Perspektive des deutlich größeren Partners:

Diese strategische globale Partnerschaft wird auf der langjährigen Zusammenarbeit von Boeing und Embraer aufbauen, unseren Kunden zugute kommen und unser zukünftiges Wachstum beschleunigen.

Boeing-Präsident Dennis Muilenburg

Interaktive Ausstellung zum Jubiläum

Der Jubilar Embraer, der auf dem Flughafen Le Bourget anlässlich seines 50-jährigen Bestehens auch eine große Ausstellung präsentierte, war auf der internationalen Paris Air Show schon 22 Mal dabei (hier findet ihr die Highlights der Paris Air Show 2019). Was auch die lange Historie des namhaften Flugzeugbauers illustriert.

Wenn ihr euch nachträglich noch unter die Pariser Geburtstagsgäste mischen und diese Show besuchen wollt, könnt ihr euch hier in diese „Bilder einer Ausstellung“ einklinken.

Zum Geburtstag einen kurzen Lebenslauf

Gegründet als Technisches Zentrum für Luftfahrt, wurde Embraer 1969 zur staatlichen Flugzeugfabrik – der ursprüngliche Geburtstag also. Zuvor hatten unter anderem auch deutsche Ingenieure wie der Hubschrauberpionier Henrich Focke an Entwicklungen mitgearbeitet. Angefangen mit einer Belegschaft von 500 Mitarbeitern, hat die Embraer S.A. heute weltweit über 20.000 Beschäftigte und sitzt im brasilianischen São José dos Campos. Mit der Privatisierung 1994 machte sich die börsennotierte Embraer auf, nach einem veritablen Sinkflug 1990 als viertgrößter internationaler Flugzeugbauer abzuheben.

Den hierzu nötigen Auftrieb brachte auch die Embraer-Regional-Jet Baureihe, die arrivierten E-Jets. Dann punkteten die E2-Jets. Jetzt im Pariser Spotlight war damit der Regionaljet E195-E2 in aufmerksamkeitsstarker Sonderlackierung. Hier ein Video des E195-E2 auf der diesjährigen Pairs Air Show:

Die Profit-Hunter-Serie. Dass Gewinn natürlich quasi gejagt wird, zeigt auch auf, dass Embraer zum Anfang ihres Jubiläumsjahrs 2019 eingeladen wurde, im Januar die Closing Bell an der New Yorker Stock Exchange zu läuten. Zu dieser bedeutenden Tradition, den Hammer zu schlagen und Tagesgeschäfte und Parketthandel zu schließen, werden nur große Unternehmen und Organisationen berufen:

Mit Glockenschlag wurde das 50. Jahr eingeläutet

Derweil der brasilianische Staat eine sogenannte Goldene Aktie an Embraer hält, mit der er mitentscheiden kann, standen zu diesem Embraer-Day in NY Führungskräfte wie der Embraer-Präsident und CEO Paulo Cesar de Souza e Silva und Michael Amalfitano, Präsident und CEO von Embraer Executive Jets auf der Bühne an der Börse. Diese Executive Jets, Geschäftsreiseflugzeuge mit Passagierplätzen im niedrigen zweistelligen Bereich, spielen wie beispielsweise die „Phenom“ und die „Legacy“ bei den zivilen Modell-Reihen eine wichtige Rolle.

Im militärischen Segment übernimmt eine wichtige Rolle partiell auch hier ein weiteres Joint Venture von Boeing und Embraer. Dieses wurde für das KC-390-Programm gegründet. Welchen Namen es für dieses taktische Transportflugzeug, ein Schulterdecker, tragen wird, ist ebenfalls noch offen. Aber „coming soon“ wurde jetzt auch wieder in Paris signalisiert. Wo für Embraer relativ wenig neue Orders zusammenkamen. Und wo auch die KC-390 stieg.

Wie Boeing und Embraer genau zukünftig für die 90-150-Sitzer bei Boeing Brasil – Commercial zusammenkommen? Manches, z. B. kartellrechtlich, ist noch in der Klärung, soll aber vor 2020 in trockenen Tüchern sein. Am Rande der IATA-Hauptversammlung ebenfalls im Juni sah John Slattery in einem Interview keine Auswirkungen der Krise um die Boeing Max 737 auf die strategische Partnerschaft von Boeing und Embraer. Joint Venture-Details zwischen dem über 100-jährigen und dem 50-jährigen Partner sind noch in der Schwebe.

In die Schwebe kommen wird dabei sicher bald das erste E-Flugtaxi von Embraer:

Ein Zukunftsmodell könnte auch in Hybrid-Elektroflugzeugen liegen

Die Innovationssparte Embraer X hat ihr Konzept für ihr „eVTOL“ ja schon vorgestellt. Wer sich noch näher darüber informieren will und auch weil es im Kontext dieses Artikels so viel um Namen und Umbenennungen geht: Auf dem Embraer-X-Portal wird dazu eingeladen, für das elektrische Senkrechtstart- und Landungsflugzeug Namensvorschläge zu unterbreiten.

Bilder © Embraer

von Reiner Hertl

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