Ära Überschall

Ära Überschall

Tim Takeoff
26.02.2018
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6 Minuten

Wenn man als kleiner Junge gefragt wurde, mit welchem Flugzeug man gerne einmal fliegen möchte, ist den meisten die Antwort leicht gefallen: Concorde!

Stil, Eleganz, Kraft, Exklusivität, nur ein Bruchteil der Dinge die man mit diesem Namen unterbewusst verknüpft. Die Wenigsten konnten das Privileg nutzen, einmal in nur drei Stunden über den „Teich“ zu hüpfen. Noch viel weniger Menschen können sich allerdings vorstellen, was für ein unglaubliches Projekt hier zur damaligen Zeit in die Luft gebracht worden ist.

Der Wettbewerb um das erste zivile Überschallflugzeug hat nach langen Kapriolen die Concorde am 02. März 1969 abheben lassen. Ein Wahnsinn, wenn man überlegt das dieser Meilenstein der Luftfahrt von Null an auf Berechnungen und echter Ingenieurskunst auf dem Papier beruht. Doch sie flog, und das mehr als zuverlässig über 34 Jahre!

Ein Projekt mit vielen Ecken und Kanten

Durch den tragischen Unfall, bei dem die Concorde AF4590 der Air France durch eine Verkettung verschiedenster Umstände am 25. Juli 2000 in den kleinen Vorort Gonesse von Paris stürzte, musste natürlich das gesamte Programm infrage gestellt werden. Wenn man nun allerdings ein Stück zurücktritt, und das ganze Thema etwas umfänglicher darstellt, wird einem erstmal bewusst, wie unwirtschaftlich das Concorde Programm für die beiden Betreiber British Airways und Air France tatsächlich gewesen sein muss. Nicht nur, dass der Einsatzradius allein durch die reine Reichweite von nur 7.000 Kilometer eingeschränkt war, sondern auch der vor der Gesellschaft nicht zu rechtfertigende „Knall“ beim Eintritt in den Überschallbereich, erlaubte der Concorde lediglich die Prestigestrecken über den Atlantik. Ebenso musste sie in Flughöhen operieren, die absurde Anforderungen an das Material stellten. Die Temperaturen, die während des Fluges um die zweifache Schallgeschwindigkeit auf der Außenhaut entstanden, lagen bei über 150 Grad Celsius. Keine gute Idee, mit dem Kopf am Fenster einzuschlafen…

Die Effizienz des Flugzeugs hielt sich aufgrund der durch die Kabinengröße vorgegebenen geringen Anzahl an zahlenden Sitzplätzen natürlich absolut in Grenzen. Das Ergebnis, Ticketpreise von teils über 10.000 EUR, lassen daran keinen Zweifel. Bequemlichkeit durfte dennoch nicht erwartet werden, man saß eng beisammen auf seinem Kurztrip nach New York City. Doch wann bekommt man sonst die Gelegenheit, einmal mit bekannten Künstlern oder anderen VIP’s zu kuscheln. Die pure Exklusivität rechtfertig hier jegliche Mittel.

Abflugbereite Ersatzmaschine

Dadurch, dass eine technische Panne kurz vor Abflug für so eine prestigeträchtige Strecke keine Option darstellt, musste selbstverständlich auch immer eine 100 Prozent kostenverursachende Ersatzmaschine abflugbereit am Boden instand gehalten werden. Ein Mammutprojekt!

Bei heutigen Verkehrsflugzeugen „von der Stange“ ist dies natürlich um einen riesigen Faktor leichter, da einfach die schiere Masse an Ersatzteilen von der „Stange“ vorhanden ist. Heutzutage haben fast alle Airlines untereinander diverse Abkommen, um sich bei technischen Ausfällen gleichen Musters aushelfen zu können. Bei der geringen Stückzahl fliegender Concorde, ist der Kostenpunkt hier jenseits von Gut und Böse.

Die Concorde bot außerdem kaum Perspektiven für großartige Entwicklung. Zu Zeiten der Abschaffung des Bordingenieurs hin zum „Zweimanncockpit“ oder der Umstellung von Trägheits- auf satellitengestützte GPS Navigation, war die Concorde durch ihre Komplexität nicht mehr ohne weiteren enormen Entwicklungsaufwand auf eine moderne Basis zu heben.

Das Ende für Projekt Concorde

Hätte, wenn und aber.

Fakt ist, die Entwicklungskosten hätten sich durch das heutige Know-how, mitsamt moderner Computersimulationen, Materialien und Testmöglichkeiten, sicher um einen großen Faktor verringert. Die Technik ist bereits zu Dingen fähig, die man lange für unmöglich gehalten hat. Egal ob in der Medizin- oder Forschungstechnik, oder auch in der Luftfahrt. Durch die schlechten Erfahrungen während des Concorde-Programmes, liegen die Hürden nun natürlich deutlich höher, um ein solches Projekt zu realisieren.

Es gibt schon einige Ansätze in der Branche, um viele negative Effekte der Wirtschaftlichkeit, oder den Überschallknall über Festland stark zu reduzieren oder zu umgehen. Doch bisher hat es noch keiner bis zum Durchbruch geschafft. Alleine ein Fluggerät zu entwickeln, dass den meisten der modernen Anforderungen gerecht wird, reicht leider auch nicht aus. Wenn man sich die Einführung des A380 ansieht, wird einem erstmal bewusst, vor welchen Herausforderungen man als Hersteller steht. Kein einziger Flughafen war für diesen Super- Jumbo ausgelegt. Extreme Belastungen in der Infrastruktur, Abfertigung, hohe Sicherheitsauflagen sowie Einschränkungen im allgemeinen Flugbetrieb (beispielsweise mussten neue Kategorien für Wirbelschleppen bei Start und Landung geschaffen werden, damit kleinere Flugzeuge nicht in Mitleidenschaft gezogen werden) sind nur mit dem Hintergrund eines Großunternehmens zu meistern. Kaum ein anderer Hersteller wie Airbus oder Boeing sind derzeit in der Lage, solche Projekte zu stemmen und wirtschaftlich zu machen.

Bezahlbare Überschallreisen?

Brauchen wir überhaupt solche Maßnahmen? Reicht es nicht aus, dass wir überhaupt in der Lage sind, nonstop um die halbe Welt zu fliegen? Ist es für den Menschen überhaupt vertretbar, in so kurzer Zeit solche Sprünge zwischen den Zeitzonen dauerhaft auf sich zu nehmen? Die Concorde hatte nur eine unglaublich kleine Klientel. Was ist nun, wenn die Überschallreise den normalen Verkehrsflug hinter sich lässt und plötzlich bezahlbar wird?

Vielleicht ist es sogar besser, wenn es für die Menschen weiterhin etwas „Besonderes“ und ein zeitlicher Aufwand bleibt, um die Welt zu fliegen. Leider ist es eine verbreitete Eigenschaft, einmal erfahrene Dinge als selbstverständlich anzunehmen. Zum Tee nach Tokio und am selben Tag Abendessen mit Kollegen in L.A.? Die meisten Menschen haben vielleicht auch gar keinen Drang danach, dies oft zu tun.

Mit einer geschickten, ökonomischen Basis könnte man auf der anderen Hand natürlich auch viele Vorzüge daraus ziehen. Höhere Wirtschaftlichkeit für Unternehmen, kürzere Transportzeiten für Güter, für manch einen vielleicht auch ein dazu gewonnener Urlaubstag. Es gibt viele Ansätze, die uns zum Überschallflug motivieren. Ein gewisser Hang zum Prestige, wie einst bei der Concorde, lässt sich sicher auch in Zukunft nicht abstreiten.

Die Faszination Überschall lebt weiter. Aktuell arbeiten einige Unternehmen an der Entwicklung von Überschallflugzeugen. Unter anderem die NASA hat einen Concorde Nachfolger bestellt. Es bleibt spannend…

Titelbild © SFS

von Tim Takeoff

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