Kenya Airways - Interview

Cockpit-Talk – Kenya Airways

Esther Nestle
05.02.2019
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5 Minuten

Langstreckenflug Amsterdam – Nairobi: Wenn eine African Airline und ein US-Riese gemeinsame Sache machen: Wie sieht das aus? Der Praxistest vom 14./15. Januar: Kenya Airways befördert mich in einer Boeing 787 von Amsterdam nach Nairobi. Dieser afrikanisch-amerikanische nächtliche Höhenflug währt circa neun Flugstunden und exakt 6.670 Kilometer und setzt seinen frühmorgendlichen Schlusspunkt im Cockpit.

Spot on Kenya Airways

Mit einer unbekannten afrikanischen Airline fliegen? Manchen mag bei dem Gedanken ein mulmiges Gefühl beschleichen. Etwa 80 der insgesamt rund 900 Fluggesellschaften fliegen unter afrikanischen Flaggen – viele davon in der Tat in einem jämmerlichen Zustand, mit altersschwachen und schlecht gewarteten Fliegern, die gemieden werden sollten. Viele, jedoch nicht alle.

Drei afrikanische Airlines genießen auch auf internationalem Parkett eine ausgezeichnete Reputation: South African Airways, Ethiopian Airlines und Kenya Airways. Die ehemals staatliche Fluggesellschaft Kenias hat sich einen ausgezeichneten Ruf als gute und sichere Airline erarbeitet. Kenya Airways fliegt sechs europäische Airports an und startet neuerdings auch über den großen Teich nach New York: ein Ritterschlag! Längst hat sich Nairobi als afrikanisches Drehkreuz etabliert, von wo aus viele weitere Destinationen auf dem afrikanischen Kontinent angeflogen werden.

Kenya Airways kooperiert eng mit KLM. Seit dem Jahr 2010 ist Kenya Airways Vollmitglied bei der Luftfahrtallianz Sky Team.

Die Flotte – eher klein aber fein

15 Embraer 190 (Economy 84, Priority 12 Sitze). Range 2.900 km

2 Boeing 737-700 (Economy 100, Priority 16). Range 6.000 km

8 Boeing 737-800 (Econonmy 129, Priority 16). Range 5.600 km

7 Boeing 787 Dreamliner (Economy 203, Priority 30). Range 14.500 km

Dass Kenya Airways sieben der TOP-modernen Dreamliner in seiner Flotte hat, sagt bereits eine Menge über die Qualität und die Ambitionen dieser Airline aus, auch wenn sie mit 32 Flugzeugen zu den kleineren Airlines zählt. Zum Vergleich: Die größte Flotte mit 930 Fliegern fliegt bei American Airlines; die größte deutsche Flotte mit 335 Flugzeugen stellt die Lufthansa, die damit weltweit auf Platz 10 rangiert (jeweils Stand Januar 2018).

Kenya Airways – „The Pride of Africa”

Klingt wahrlich stolz, diese Werbung, scheint aber nicht übertrieben. Der Bordservice läuft vom Start bis zur Landung hoch professionell ab. Was besonders auffällt: Das Personal geht gezielt auf diejenigen Passagiere zu, die einen Anschlussflug gebucht haben, gibt ihnen Gate und weitere wichtige, zeitsparende Infos direkt an die Hand. Die Flugzeit wurde exakt eingehalten. Die Bordverpflegung? Prima, südafrikanischer Wein im Kleinflaschen-Gratisangebot inklusive. Bleibt noch die individuelle Kundenorientierung des Bordpersonals zu erwähnen, das sogar Sonderwünsche möglich macht. Mein Sonderwunsch? Ein Interview mit den beiden Piloten. Schon wenige Minuten nach der Landung gibt mir die Stewardess grünes Licht. Im Cockpit empfangen mich zwei entspannte Piloten.

Cockpit-Talk: Zwei Piloten geraten ins Schwärmen

Wie war der Flug aus Ihrer Sicht? Ist irgendetwas Aufregendes passiert?

Alles verlief ruhig und bestens. Das mit Abstand Aufregendste für uns war der grandiose Sonnenaufgang. So oft haben wir den schon in der Luft erlebt, aber es ist trotzdem jedes Mal etwas ganz Besonderes.

Wie fliegt sich der Dreamliner?

Es ist das mit Abstand „most amazing“ Flugzeug, das man sich vorstellen kann! Diese 787 fliegt sich fantastisch! Und ist sie nicht wunderschön?

… wunderschön und most amazing, wow. Zum Beispiel?

Schau dich um! Alles hier im Cockpit passiert voll elektronisch, alle Kommunikations- und Überwachungssysteme. Keine mechanischen Bordinstrumente mehr, und erst recht keine Karten mehr aus Papier. Was uns Piloten ganz besonders erfreut, ist dieses super Head-up-Display. In unserem Sichtfeld werden uns alle wichtigen Flugdaten interaktiv angezeigt – Breitengrad, Flughöhe, Geschwindigkeit, Kurs. Wir können damit nach draußen schauen und gleichzeitig alles Wichtige im Auge behalten, ohne den Kopf wegdrehen zu müssen.

Der Dreamliner hatte ja seinerzeit gehörig „Ladehemmungen“, mit mehr als drei Jahren Verzögerung bis zu den ersten Auslieferungen.

Aber das Warten hat sich gelohnt. Zum Beispiel die zwei extrem leistungsstarken Triebwerke, das Herzstück eines jeden Fliegers. Sollte da je mal eins ausfallen, dann könnten wir – wenn vonnöten – mit dem Verbleibenden noch über 5 Stunden getrost weiterfliegen. Übrigens sind beide Triebwerke jeweils mit zwei Generatoren ausgestattet.

Ein großes Plus für die Sicherheit also …

Absolut. Und dann begeistern uns die neuen Materialien, die im Dreamliner verbaut wurden. Durch die Verbundwerkstoffe ist dieses Flugzeug viel leichter als alle seine Vorgänger. Dazu das Tragflächendesign, mit seinen geschwungenen Formen. All das sorgt für eine spürbar verbesserte Aerodynamik. Klar, uns Piloten fällt das sofort auf. Wir wissen diese Flugeigenschaften sehr zu schätzen!

Die neuen Verbundwerkstoffe bringen also weniger Flugzeuggewicht „auf die Waage“. Was ja auch den Kerosinverbrauch drosseln soll.

Oh ja! Die Verbundwerkstoffe aus Kohlenstoff, Aluminium und Titan sorgen für einen geradezu vorbildlichen Verbrauch von Kerosin auf Langstrecken. Allein die beiden Triebwerke weisen jeweils ein um 100 Kilogramm reduziertes Gewicht auf. Jedes eingesparte Kilo verringert den Treibstoffverbrauch wesentlich. Die Treibstoffeffizienz des Dreamliner ist sehr, sehr gut.

Was die Umwelt freuen dürfte …

Apropos Umwelt: Die Turbinen sind mit speziellen Kohlenstofffaserschaufeln ausgestattet, mit denen eine Menge Treibhausgas eingespart wird. Und sie machen hörbar weniger Lärm als herkömmliche Turbinen. Was wichtig ist für Menschen, die in der Nähe von Flugplätzen leben. Außerdem sind alle Systeme der 787 strombetrieben. Nichts in dieser Maschine wird mehr mechanisch oder hydraulisch betrieben. Auch diese Neuerung ist äußerst effizient, und sie spart weiteres Gewicht ein.

Neun Stunden Flug liegen hinter uns. Wieviel davon flog die Maschine per Autopilot? Wie lange hattet Ihr selbst „den Knüppel in der Hand“?

„Händisch“ selbst fliegen wir im Normalfall genau drei Minuten – die ersten eineinhalb Minuten beim Start und die letzten eineinhalb Minuten bei der Landung.

Wie lange dauert die Ausbildung am Dreamliner?

6 bis 10 Monate.

Welches ist der schwierigste Flughafen, den Ihr je angeflogen seid?

Hongkong. Der hat alles, was eine Landung schwierig macht. Komplizierte Windverhältnisse, enormer Traffic, dazu die Lage am Steilhang und direkt an der Küste. Und in Afrika der Airport Freetown / Sierra Leone, mit seinen stark eingeschränkten Facilities und dem stets unberechenbaren Wetter.

Danke für Eure Zeit und die tollen Einblicke!

Gerne!

Anmerkung: Das Interview wurde nicht im Vorfeld bei der Airline angemeldet, weshalb wir hier die Namen und Fotos der zwei Piloten nicht veröffentlichen dürfen.

von Esther Nestle

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