Fluggesellschaft Emirates

Airline-Check Emirates: Noble Wüsten-Airline mit gewissem Neidfaktor

Esther Nestle
22.11.2019
2 Fotos
4 Minuten

Nobel nobel schwebt der Passagier in den Emirates-Welten über den Wolken seinem Ziel entgegen: Loungebar? Privatsuite? Duschen? Exklusive Speisen und Getränke? Wenn Passagiere der First und der Business Class durch die Türen zu ihren Kabinen geleitet werden, tauchen sie in eine Luxuswelt ein, die zumindest den nicht ganz so Geldabgebrühten ein tausendundeine Nacht Märchen-Feeling beschert. Es liegt so viel märchenhafter Luxus in der Luft der Upper Classes, dass mehr als ein Hauch davon bis down in die Economy Class abstrahlt. Allerdings gerät neuerdings der Nobel-Nimbus ins Wackeln.

„Don`t just fly, fly better”

… legt Emirates ihren Website-Besuchern nahe. Um die 60 Millionen Passagiere jährlich lassen sich diese Aufforderung nicht zweimal sagen. Mit mehr als 3.600 Starts und Landungen pro Woche (macht circa 515 täglich!) fliegt Emirates nicht nur in der Reihe der weltbesten sondern auch der weltgrößten Fluggesellschaften. Wie ihre ähnlich luxuriösen Golf-Schwestern Etihad Airways und Qatar Airways ist die im Jahr 1985 gegründete Airline in Middle East zu Hause; vom Heimatflughafen Dubai aus fliegt sie den Rest der Welt an.

Groß, größer, am größten. Emirates nennt fast die Hälfte aller Airbus A380 Superjumbos ihr Eigen. Die Passagiere lieben die vierstrahligen Kolosse und überhaupt alle Flüge der staatlichen Wüsten-Airline mit den großen goldenen Lettern! Manche Konkurrenz mitunter weniger.

Weit oben in der Gunst der Passagiere

Viermal innerhalb der letzten 15 Jahre verlieh das renommierte Diners Club Magazin Emirates die Auszeichnung „Airline des Jahres“. Das hoch angesehene Luftfahrtinstitut Skytrax, dessen begehrt-gefürchtete World Airline Awards und Rankings in der Airline-Branche Oscar-Status innehaben, platziert Emirates 2019 indes „nur“ an fünfter Stelle (bestimmt mehr als nur ein kleiner Wehrmutstropfen, dass Platz 1 wiederholt in die direkte Nachbarschaft ging, an die Qatar-Airline). Drei Jahre ist es nun her, dass sich die noble Wüsten-Airline den begehrten World Airline Award `beste Airline des Jahres´ selbst um den Hals hängen konnte.

Für Passagiere dürften die Unterschiede in den TOP 10 Airlines eher marginal spürbar sein. Was aber macht eine Airline wie Emirates zur absoluten TOP Airline?

Holzklassen-Flair überall aber nicht hier

Unglaubliche 104 Sky-Superstars lässt Emirates derzeit aufsteigen, sehr zur Freude der Passagiere. Wer in dem zweistöckigen Überflieger Platz nimmt, gerät selbst in der Economy Class ins Schwärmen: Platz! Ruhe! Kaum Turbulenzen. Sanfte Starts. Butterweiche Landungen. Ausgezeichnete Sicherheitsbilanz – kaum Zwischenfälle, keine Todesopfer.

Beliebt sind die vielen Umsteigeverbindungen von Emirates über den Flughafen Dubai, mit denen es sich ganz easy nach Fernost, Australien, Neuseeland weiterfliegen lässt. Zumindest theoretisch: Zum Umsteige-Prozedere haben zwei Passagiere ihre etwas andere Sicht für uns aufgeschrieben, siehe Artikelende.

Ob Film-Klassiker, Blockbuster, TV-Serien – die Auswahl ist riesig. Und die Touchscreens sind riesig. Okay, riesig ist relativ. Verglichen mit den kleineren Gucklöchern anderer Airlines passt die hier gewählte Größenangabe aber durchaus. Und so ging im diesjährigen Skytrax-Ranking der erste Platz für bestes Entertainment an Emirates. Wenigstens das.

Der Wind dreht sich

Doch es kommt Gegenwind auf, das Wachstum bei Emirates schwächt sich ab (Quelle: Handelsblatt). Die Wüsten-Airline würde gerne neue Verbindungen ins Programm mit aufnehmen. Allerdings sind sie – so wie auch Etihad und Qatar Airways – nicht mehr überall wohlgelitten. Zu stark sind die drei noblen Golf-Schwestern unterwegs, zu sehr sahnen sie zu Ungunsten anderer Airlines große Mengen an Passagieren ab; „wildern“ dabei auch kräftig in deren heimatlichen Gefilden.

Gleichzeitig sind sie mehr als andere Airlines auf externe Märkte angewiesen: In den umgebenden Wüsten rund um Dubai und Co. wohnen nicht annähernd so viele Menschen, wie die Golf-Airlines bräuchten, um ihre riesigen Flieger zu befüllen. Spätestens seit Bekanntwerden der Zahlen des letzten Fiskaljahres, mit Gewinneinbußen von rund 35 Prozent auf nunmehr 610 Millionen Euro, dürfte den bis dato so erfolgsverwöhnten Wüstenscheichs der Lüfte klar sein: Die Höhenflüge der letzten Jahre sind vorbei.

Strategischer Richtungswechsel

Das Verhältnis zu Airbus hat sich eingetrübt. Die A380er erwiesen sich als immer weniger wirtschaftlich, weshalb Emirates umschwenkte und 39 bereits bestellte Superjumbos wieder abbestellte. Bestellungen hin zu kleineren und flexibleren zweistrahligen Maschinen sind das Gebot der Stunde. Als der A380-Großkunde Emirates im Februar bekanntgab, nur noch 14 statt der ursprünglichen 53 Flugriesen bis 2021 zu ordern, schickte Airbus-Chef Tom Enders den A380 endgültig in die Wüste.

Der Strategiewechsel macht deutlich, wo auch für Emirates die Reise hingeht: zu kleineren und zugleich effizienteren Langstreckenjets wie A330, A350 und B777. Inwieweit die Luxuswelt samt tausendundeiner Nacht Märchen-Feeling dennoch in die neue Zeit hinüber gerettet werden wird?

Zwei Emirates-Passagiere berichten für WingMag

Zwei Emirates-Passagiere berichten exklusiv für WingMag-Leser über drei zwischen Juli und September getätigte Emirates-Flüge in der Economy-Class – von Frankfurt nach Dubai (Weiterflug mit FlyDubai) / von Dubai nach Colombo / von Colombo über Dubai nach Frankfurt:

Emirates Frankfurt-Dubai im A380

Zwischen Fensterplatz und Flugzeugwand großer Spalt, sodass man sich nicht anlehnen kann. Freiraum zum Vordersitz okay, aber nicht außergewöhnlich. Entertainmentsystem ist gut und bietet eine große Auswahl an internationalen Filmen. W-Lan kostet extra. Alles in allem in Ordnung, aber keine besondere Erfahrung.

Überpünktliche Landung morgens 6 Uhr in Dubai, auf Terminal 3. Problem: Unser Anschlussflug mit FlyDubai geht von Terminal 2 – hierfür müssen wir durch die Border Control, ein Taxi nehmen, einmal um den Flughafen fahren um in Terminal 2 (für Billigflieger) wieder aus den Emiraten auszureisen. Wir wussten das im Voraus, aber für Leute, die das nicht wissen, sicher keine angenehme Überraschung.

Emirates Dubai-Colombo B777-300ER

Komfort deutlich höher als im A380, obwohl wir diesmal im Mittelteil des Fliegers sitzen. Beinfreiheit gefühlt deutlich besser als im A380.  Servicepersonal freundlich, auch Extrawünsche wurden erfüllt.

Emirates Colombo-Dubai B777-300ER

Vor Abflug wird das Flugzeug von innen desinfiziert, Passagiere werden angehalten, für die Dauer des Vorgangs die Augen zu schließen und die Luft anzuhalten. Maschine wird von einer Pilotin geflogen, was wir bei einer Airline aus Middle East erwähnenswert finden.

Emirates Dubai-Frankfurt B777-300ER

Zum Glück wieder in der 777 und nicht im A380 – letzterer wirkte auf uns in der Economy Class nicht überdurchschnittlich komfortabel (siehe oben).

Unser Fazit:

Emirates gut, aber nicht außergewöhnlich. Große westliche Airlines wie Lufthansa, Air France oder KLM stehen Emirates (zumindest auf Langstreckenflügen) nicht nach.

von Esther Nestle

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