Das neue Lufthansa Design

Airline-Check Lufthansa – vor dem Corona-Hintergrund

Esther Nestle
24.03.2020
2 Fotos
4 Minuten

Nachfolgender Artikel zur Lufthansa Group entstand VOR den einschneidenden Corona-Nachrichten der letzten Tage. In der Pressekonferenz vom 19. März verdeutlichte Vorstands-Chef Carsten Spohr den „Ausnahmezustand ungekannten Ausmaßes“, mit drastischen Maßnahmen für die Belegschaft und die Aktionäre. Die Folgen könne niemand absehen. Aber auch wenn Corona derzeit die kommerzielle Luftfahrt in die Knie zwingt: Die Aero-Protagonisten werden wieder aufstehen, wie auch immer. Vielleicht ist ein gezielter Blick auf Luftfahrtriesen – ohne die unsere moderne Gesellschaft und globale Gemeinschaft nicht denkbar wären – gerade in diesen Zeiten wichtiger denn je.

Airline-Check Lufthansa Group – Hansa-Stolz und Kranich-Eleganz

Stolz wie einst die Hanse, elegant wie eine Schar Kraniche: Mit ihrem Branding und ihrem Logo hat sich die Deutsche Lufthansa AG tief in den Köpfen der allermeisten Deutschen verankert. Auf der internationalen Bühne redet die Airline mit dem Kranich auf dem Flügel mehr als nur ein gewichtiges Wort mit – wenn auch etwas gedämpfter als in früheren Zeiten, seit Ryanair ihr im Jahr 2019 bei der Stellung als Europas größte Airline den Rang ablief.

Die Hansa und der Kranich, ein perfektes Paar

Mit dem Kranich-Logo gelang dem Grafikdesigner Otto Firle ein echter Coup. Bereits 1918 kreiert, überflog der Lufthansa-Vogel graziös über ein Jahrhundert deutscher Geschichte hinweg – ein schier unvorstellbar langer Zeitraum, in dem der Kranich lediglich seine Farbe wechselte: Von gelb wechselt er später zu blau (auf gelbem Hintergrund). Im Jahr 2018 erhielt der Kranich einen weiteren Refresh und fliegt nun in weiß auf blauem Hintergrund durch die Lüfte.

Die Lufthansa-Namensgebung liegt ähnlich lange zurück; Startpunkt hierfür war der im Jahr 1926 getätigte Zusammenschluss der zwei hoch verschuldeten Vorläufer-Unternehmen Deutsche Aero Lloyd und Junkers Luftverkehr AG. Die für die noch junge Fluggesellschaft wenig ruhmreiche NSDAP-Zeit kam, in der sie 17.000 Zwangsarbeiter beschäftigte. 1951 wurde die Lufthansa per Alliierten-Dekret aufgelöst. Zwei Jahre später gründete sich die Deutsche Lufthansa AG neu.

Privatisierung in zwei Schritten

In den Sechziger Jahren startete die Lufthansa zusammen mit Boeing ins Zeitalter der Jets, an deren Entwicklung die Deutschen maßgeblich beteiligt waren. Das nötige Geld für den Kauf der modernen Flieger beschaffte man sich an der Börse: 1966 verkaufte der Bund einen ersten, größeren Anteil. 1997 folgte der Rest. Fortan war die Lufthansa vollständig privatisiert, und sie ist es bis heute.

Trotz teilweise schwieriger Marktbedingungen in den von Öl- und Wirtschaftskrise geprägten Siebziger Jahren durchbrach Lufthansa 1975 erstmals die jährliche Passagier-Schallmauer von zehn Millionen transportierten Fluggästen.

Lufthansa und Eurowings

Mit dem Eintritt der Billigflieger auf dem Markt gestaltete sich der Kampf um Marktanteile für die etablierten Fluggesellschaften als zunehmend härter. Als Antwort auf die wachsende Konkurrenz baute Lufthansa zwischen 2001 und 2011 schrittweise ihre Beteiligung bei Eurowings aus, bis diese am 13. August 2011 von Lufthansa als 100-prozentige Tochter übernommen wurde. Weitere Unternehmen gesellten sich hinzu.

Eurowings - Lufthansa
© Pixabay Rambold Heiner

Heute befinden sich fast 350 Flugzeuge aus neun Baureihen in der Flotte der Lufthansa Group.

Komplexe Strukturen

Neben der Kernmarke `Lufthansa Airline´ befindet sich unter dem Dach der Lufthansa Group ein ganzes Bündel weiterer Unternehmen. Insgesamt dreizehn Tochtergesellschaften gehören zum Konzern: Air Dolomiti, Austrian Airlines, Brussels Airlines, Eurowings, Eurowings Europe, Germanwings, Luftfahrtgesellschaft Walter, Lufthansa Cargo. Lufthansa Cityline, Sunexpress, Sunexpress Deutschland, Swiss und Edelweiss Air.

Lufthansa Germanwings
© Pixabay PSchulz

Die Lufthansa Group setzt sich aus drei Geschäftsfeldern zusammen:

145,2 Millionen Menschen hoben im Jahr 2019 mit der Lufthansa Airline und ihren Schwestern ab. Die irische Ryanair beförderte im selben Zeitraum 152,4 Passagieren und zog mit diesem Ergebnis an den Deutschen vorbei.

Performance passt nicht mehr überall

Die Konzerntöchter des europäischen Branchenprimus Austrian Airline und Brussels Airline schwächeln, was dem heftigen Preiskampf mit Ryanair und easyJet geschuldet ist. Auch die Ergebnisse aus dem Frachtgeschäft der Lufthansa Cargo rutschten zuletzt spürbar ab. Konzernchef Carsten Spohr hat reagiert und verordnete alle drei Verlustverursachern einschneidende Sparprogramme. Auch über den Verkauf der Luftfahrt-Technik wird schon länger spekuliert, und der Verkauf der konzerneigenen Cateringsparte ist bereits so gut wie abgeschlossen. Weiterhin geplant ist, die Kernmarke Lufthansa Airline in eine rechtlich eigenständige Gesellschaft zu überführen, um so deren Profil zu schärfen.

Lufthansa
© Pixabay Code83

Erneute (Teil)Verstaatlichung nicht mehr völlig ausgeschlossen

Neuerdings gerät durch die Corona-Krise die gesamte Luftverkehrsbranche massiv unter Druck. Was vor wenigen Tagen von allen Lufthansa-Verantwortlichen noch kategorisch ausgeschlossen wurde – die Verstaatlichung – klang nur wenige Tage später in der Pressekonferenz am 19. März mit Carsten Spohr schon etwas anders. Niemand weiß zum jetzigen Zeitpunkt, ob selbst drastische Maßnahmen wie ausgeweitetes Kurzarbeitergeld, Liquiditätshilfen und Steuerstundungen reichen, um eine erneute (Teil)Verstaatlichung abzuwenden

von Esther Nestle

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