A380 Produktionsstopp

Aus für den A380. 5 Gründe.

Esther Nestle
16.02.2019
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4 Minuten

Einst gefeierter König der Lüfte

Als König der Lüfte sollte der A380 die Luftfahrt revolutionieren. Entsprechend viel Euphorie begleitete den Giganten in seiner Anfangszeit. New York, Tokio, London, Dubai – Airbus setzte mit seinem A380 auf die großen Dreh- und Umsteigekreuze – darauf, dass die Fluggastzahlen zwischen den großen Flughafen-Drehkreuzen der Welt immer weiter zunehmen würden.

Zunächst schien die Rechnung aufzugehen. Die Passagiere waren begeistert, und sie sind es bis heute: Sie schwärmen von einem einzigartigen Fluggefühl, davon, dass der Riese selbst bei Turbulenzen ruhig wie ein Brett in der Luft liege. Sie schwärmen vom hohen Reisekomfort, von der großzügigen und großflächigen Sitzausstattung. Kurzum: Die Flugpassagiere lieben den A380 Doppelstöcker. Trotzdem wird das milliardenschwere Prestigeprojekt eingestampft. Unsanft ist die einstige Airbus-Euphorie auf dem Boden der Tatsachen gelandet.

Die Glanzzeiten sind längst Geschichte

Fatale Fehlkalkulation

Das sind die fünf Hauptgründe, die den König der Lüfte zu Fall brachten:

  1. Der Luftverkehr hat sich in eine andere Richtung entwickelt als von Airbus erwartet. Die Passagiere buchen nicht nur von London nach New York, von Tokio nach Dubai, von Hub zu Hub, um von dort aus auf Anschlussflüge umzusteigen. Vor allem Business-Reisende bevorzugen Direktflüge zu Flughäfen der zweiten Kategorie anstatt vom Hub weg nervige Anschlussflüge zu buchen, sie nehmen für diese Zeitersparnis gerne die teureren Tickets in Kauf.
  2. Die eine oder zwei Nummern kleineren Maschinen wie der A350 oder die Boeing 787 sind technisch genauso wie der große Bruder in der Lage, Langstreckenflüge gut und sicher zu absolvieren, unter Einhaltung aller moderner Sicherheitsstandards. Und das alles sogar spürbar rentabler als der kerosinhungrige A380-Gigant, siehe Punkt 5.
  3. Hinzu kommt, dass der A380 längst nicht auf allen Flughäfen landen kann. Für die Facilities vieler Airports ist der Titan, auf dessen Flügeln locker 100 Autos parken könnten, schlichtweg zu überdimensioniert …
  4. Folglich gibt es auch keine nachgeordneten Airlines, keinen Zweitmarkt, auf dem der überdimensionierte Riese abgekauft würde. Fakt ist: Für gebrauchte A380-Maschinen gibt es im Gegensatz zu anderen Flugzeugen keine Nachfrage.  Zwar könnte ein A380 locker 20.000 Starts und Landungen hinlegen; trotzdem wird er viel schneller von der Bildfläche verschwinden als andere (Großraum-)Flugzeuge, deren Leben dank eines florierenden Zweitmarktes nach dem ersten Airline-Abstoß noch lange nicht ausgehaucht ist.
  5. Mit 73 Meter Länge, 24 Meter Höhe und 560 Tonnen Startgewicht ist die A380 extrem lang, extrem breit, extrem schwer. Vergleichsweise schwerer auch dann, wenn das Gesamtgewicht pro Sitzplatz berechnet wird. Entsprechend viel Kerosin schluckt der hungrige Riese. Zum Vergleich: Die Großraumflugzeuge der neuen Generation (allen voran Boeing 787 und A350) sind pro Sitzkilometer bis zu 15 Prozent billiger.

Warum also sollen Airlines die – ich bitte um Entschuldigung – bräsig gewordene A380 noch in ihre Flotten aufnehmen? Es gibt keinen Grund mehr, zumindest keinen rationalen Grund.

Die Zeit der großen vierstrahligen Flugzeuge wie Boeing 747 und A380 ist einfach vorbei, weil die kleineren Flugzeuge – Boeing 777 und jetzt auch Airbus A350 – so viel besser sind

Luftfahrt-Experte Heinrich Großbongardt im Interview mit dem ZDF

Für viele Aviation-Fans war gestern ein trauriger Tag. Aber die Faszination bleibt. Und noch wird es einige Jahre dauern, bis der letzte A380 für immer aus der Luft verschwindet. Genug Zeit also, um mit dem König der Lüfte ein vielleicht letztes Mal durch die Welt zu fliegen, im Mehr an Platz zu schwelgen, das gewisse Extra an Sonderkomfort zu genießen. Das Aus für den A380 ist zwar besiegelt. Der letzte Vorhang aber ist noch nicht gefallen.

von Esther Nestle

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