bordbar GmbH Köln - Aviationtag - Upcycling

Aviationtag – Die Geschichte einer alten Flugzeughülle, der neues Leben eingehaucht wurde.

Esther Nestle
24.09.2019
1 Foto
4 Minuten

Ausrangiert. Für nicht mehr verkehrsflugtauglich befunden. Eiskalt „in Bodenrente“ abserviert. Die Wartung zu teuer, der Kerosinverbrauch zu hoch, die Sicherheit nicht mehr zu 100 Prozent gewährleistet. Gründe gibt es viele, warum Flieger aus dem Verkehr gezogen werden. Was nun? Was tun mit einem Flieger, der seiner ursprünglichen Bestimmung nicht mehr nachkommen kann? Irgendwo abstellen und verrotten lassen? Viel zu schade! Eine – wie wir finden – besonders schöne Idee stellen wir euch hier vor. Das Zauberwort lautet „Upcycling“.

***Als Werbung gekennzeichnet aufgrund unbezahlter Produktnennung***

Upcycling heißt, mit Wiederverwertung Geld zu verdienen.

Wo landen ausrangierte Flieger? Etwa 600 kommerzielle Flugzeuge werden jedes Jahr „in Bodenrente“ geschickt, Tendenz steigend (*). Manchmal landen sie auf einem Flugzeugfriedhof. Meistens werden sie jedoch ausgeschlachtet beziehungsweise recycelt, was weniger brachial klingt.

Egal, wie man das Kind nennt – Fakt ist: Ein ausgedienter Flieger steckt voller lukrativer Rohstoffe. Im besten Fall wird der gesamte Flieger zerlegt und Stück für Stück einer neuen Bestimmung zugeführt. Denn mit nachhaltigem Handeln lässt sich gutes Geld verdienen. So entsteht die perfekte Win-win-Situation: für Recycling-Unternehmen und für die Umwelt!

(*) Quelle: AFRA Aircraft Fleet Recycling Association

Aus 1 mach 35.000 = Nachhaltigkeit at its best

Man nehme einen ausgemusterten Flieger. Wie jüngst den von Lufthansa ausgemusterten A340-600, Länge 75 Meter, Spannweite 63 Meter. Für die bessere Vorstellungskraft derer, die auf Flughäfen nicht so zu Hause sind: Ein durchschnittliches Einfamilienhaus misst etwa zehn Meter Höhe. Bei seinem Erstflug im Jahr 1991 war die A340-600 mit umgerechnet siebeneinhalb umgelegten, aneinandergereihten Einfamilienhäusern das längste Passagierflugzeug der Welt.

Man schneide die Hüllen des auf sein Altenteil verschobenen Kolosses aus, zerlege auch das komplette Innenleben in seine Einzelteile und verfrachte alles nach Köln zur Firma bordbar design GmbH.

Wir schauen heute besonders auf die Hülle, auf die alte Fliegerhaut, deren 250 Alu-Quadratmeter bei bordbar einen Upcycling-Prozess durchliefen; sie häuteten sich sozusagen ihrer neuen Bestimmung entgegen.

Am Ende des Tages verließen 35.000 Schlüssel- und Gepäckanhänger die Produktionsstätte – hipp, nostalgisch, nachhaltig, jedes Stück ein Unikat. Aus einem Riesenklotz Altmetall erwuchsen viele kleine Aviationtags mit Kultcharakter. 35.000 Stück greifbare Luftfahrtgeschichte schauen nun ihrer neuen Bestimmung entgegen – wo überall auf der Welt der A340-600 wohl unterwegs war? Und jedes Stück ein Unikat.

Im Video seht ihr, wie aus einem großen Flugzeug viele kleine Aviationtags werden:

Ihr findet die Idee der Aviationtags genauso toll wie wir? Hier geht es zum Shop von Aviationtag.

35.000 Lufthansa-Kraniche im Taschenformat

Zerlegen, schneiden, ausstanzen, polieren, so die schrittweise Verwandlung der alten Flugzeughülle hin zum Lifestyleprodukt. Zum Schluss die entscheidende Lasergravur mit allen Daten, die das flugzeugbegeisterte Herz begehrt: Registrierungsnummer der Maschine, Editionsnummer, Editionsgröße und dazu die Fluglinie mit Kranich, für die der Flieger früher seine Runden drehte. Klar, alles streng limitiert. Flugs sind der Onlineshop des Lufthansa WorldShop sowie die Flughafenstores um ein attraktives Reise- und Alltagsaccessoire reicher.

Neues Leben mit alter Haut

2016 brachte das Kölner Unternehmen seine Upcycling-Idee erstmals zum Fliegen. Mittlerweile landen jeden Monat zwei Flugzeuge auf dem bordbar-„OP-Tisch“, auf dem aus zerlegtem Altem etwas schönes Neues gezaubert wird. Neben den zu verjüngenden und aufzuhübschenden Häuten werden hier viele weitere Teile aus dem Flugzeuginnenleben ge-upcycelt. Und nun die Zusammenarbeit mit Lufthansa, mit der Beauftragung, den oben beschriebenen, ausgedienten Riesenvogel anderweitig zum Fliegen zu bringen.

Das Besondere an der Lufthansa Upcycling Collection ist, dass etwas vom Geist der Maschine erhalten werden kann und es so viele Möglichkeiten gibt, ausrangierten Materialien in anderer Form ein zweites Leben zu schenken. Gemeinsam mit den Kollegen von Lufthansa und Lufthansa Technik waren wir von Beginn an begeistert von dieser Idee und haben mit der neuen Lufthansa Upcycling Collection einen echten Meilenstein geschaffen.

Sebastian Riedle, Sprecher und Geschäftsführer der Miles & More GmbH (Lufthansa-Tochter)

Wir finden die Idee auch prima! Die Verfasserin dieser Zeilen denkt darüber nach, wem in ihrer flugbegeisterten Familie sie mit einem Retro-Kranich zum Geburtstag beglücken könnte. Und sie hat auch schon eine Idee.

von Esther Nestle

Related Posts