Beleuchtung eines Verkehrsflugzeugs

Beleuchtung eines Verkehrsflugzeugs – es werde Licht

Tim Takeoff
19.10.2020
5 Minuten

Auch wenn es zunächst total banal klingt, und man am Sternenhimmel sehr schnell einen Satelliten, einen Stern oder ein blinkendes Flugzeug unterscheiden kann, so ist die Beleuchtung eines Verkehrsflugzeugs dennoch recht komplex.

Fliegen bei Dunkelheit mag für einige beängstigend sein, ist aber für die Piloten kein Hexenwerk. Dabei helfen nicht zuletzt eine Vielzahl von Beleuchtungselementen entlang des Flugzeugs. Jede Lampe erfüllt dabei einen gewissen Zweck und hilft allen Teilnehmern des Luftverkehrs.

Von Halogen- zu LED-Technik

Von der technischen Seite betrachtet, setzen moderne Flugzeuge immer mehr auf LED-Technik. Ältere Modelle haben natürlich auch noch klassische Systeme, die nach und nach verschwinden. Sie alle sind an das bordseitige Stromnetz von 115V angeschlossen.

Taxi & Turnoff Lights

Beginnt man am vorderen Teil des Flugzeugs, findet man je nach Flugzeugtyp bereits am Bugrad verschiedene Lampensysteme. Allen voran sitzt das „Taxi-Light“. Es erfüllt nicht nur die Aufgabe der Beleuchtung der „Taxiways“, also der Rollwege, sondern es signalisiert auch allen anderen Verkehrsteilnehmern, dass der Flieger am Boden in Bewegung ist und Rollen möchte. Bei manchen Flugzeugtypen ist das Licht mit dem lenkbaren Bugrad gekoppelt, sodass es beim Einlenken in eine Kurve mitschwenkt.

Ist dies technisch nicht umsetzbar, findet man an solchen Flugzeugen eine Erweiterung zum Taxi Light, die sogenannten „Turnoff-Lights“. Hiermit ist nicht etwa gemeint, dass man sie immer ausgeschaltet haben sollte, sondern sie helfen den Piloten beim Abbiegen. Je nach Airline unterscheiden sich die Prozeduren. Manche schalten diese Lichter nur bedarfsgerecht zu, andere lassen sowohl Taxi- als auch Turnoff Lights beim gesamten Rollvorgang an. Stoppt das Flugzeug, ist es „good Airmanship“, wie Piloten es nennen, die Rollbeleuchtung abzuschalten. Ein typisches Leuchtmittel hat eine Leistung von circa 400 Watt.

Es wird ernst: Die Landing Lights

Zur weiteren Hilfe für bessere Sicht bei Nacht kommen in der Nähe der Start- und Landebahn, und unterhalb von 10.000 Fuß die sogenannten „Takeoff & Landing Lights“ zum Einsatz. Sie werden vom Piloten aktiviert, sobald die Startfreigabe erteilt wurde. Ein großer Abstrahlwinkel und eine höhere Leistung von über 600 Watt beleuchten dann die Piste bei Start und Landung.

Da diese Lampen andere Verkehrsteilnehmer schnell blenden können, werden sie beim Rollen oder bei einem entgegenkommenden Flugzeug am Boden abgeschaltet. Ähnlich dem Fernlicht eines Autos. Manche Flugzeuge können die Landing-Lights sogar aus-, und wieder einklappen, da sie bei diesen nicht in die Flügelvorderkante oder dem Fahrwerk integriert sind (bspw. Airbus A320).

Beleuchtung Verkehrsflugzeug

Beleuchtung für Notfälle und zur Kontrolle

Zu den weißen, flächigen Lampen gesellen sich noch zwei weitere Kategorien:

Eine findet man vor den Tragflächen. Diese Lampen sind meist leicht angewinkelt und können bei Aktivierung den Bereich entlang der Flügelvorderkante bis hin zum Triebwerk abdecken. Diese „Wing-lights“ genannten Lampen helfen dabei, während des Fluges vermutete Schäden oder Eisansatz zu prüfen. In einem Passagierflugzeug kann diese Aufgabe auch an einen Flugbegleiter delegiert werden, nachdem die Piloten die Lichter eingeschaltet haben.

Werbung zur Sicherheit? Das „Logo Light“

Die zweite Flächenbeleuchtung findet man am Heckleitwerk, bzw. genauer gesagt integriert im Höhenleitwerk des Jets. Auch wenn man denkt, dass es sich lediglich um eine clevere Werbemaßnahme handelt, erfüllt die Beleuchtung des Heckleitwerks mit dem „Logo-Light“ auch eine weitere Aufgabe. Die große Fläche ist bei Nacht sehr gut sichtbar, da im Dunkeln andere Flugzeuge am besten von Seite erkannt werden.

Das „Logo Light“ kann zum Beispiel hilfreich sein, wenn bei der Landung ein Flugzeug 90-Grad versetzt an der Piste auf die Freigabe zum Aufrollen wartet. Die landende Maschine hat dadurch einen guten Überblick, ob die Kollegen alles richtig verstanden haben und der Jet nicht unbeabsichtigt in die Bahn rollt. Aber machen wir uns nichts vor, ein bisschen Werbung macht hier jeder!

Das Beacon

Eines der wichtigsten Leuchtelemente am Boden ist ein rotes Blitzlicht, das „Beacon“. Sobald das Flugzeug in Bewegung gesetzt wird, egal ob geschleppt oder mit dem Start der Triebwerke beginnt, wird das Beacon eingeschaltet. Ein rotes Blitzlicht, sowohl über, als auch unter dem Rumpf, signalisiert allen Personen in der Nähe des Flugzeugs: Achtung, es tut sich gleich etwas! Abstand ist geboten.

Navigationsbeleuchtung – wichtig für sich und andere

Besonders sicherheitsrelevant in der Luft sind die kleinen Lampen an den Flügelspitzen und dem äußersten Heck des Flugzeugs. Man findet hier verschiedene Leuchtengruppen.

Das sehr bekannte Blitzlicht, das „Strobe-Light“, ist sicher das mit am Besten sichtbarste Element. Es wird erst auf einer aktiven Piste, dann allerdings während des gesamten Fluges betrieben. Es ist sehr auffällig und deswegen funktioniert es gut über große Distanzen. In der Luft erkennt man fremde Flugzeuge dadurch sehr schnell und effektiv.

Zu mir hin, oder von mir weg? – „Position Lights“

Um nicht nur festzustellen ob, sondern auch in welche Richtung ein fremdes Flugzeug unterwegs ist, sind die Navigationslichter „Position Lights“ in der Flügelspitze und dem Heck integriert. Man findet in Flugrichtung gesehen auf der rechten Seite ein grünes, auf der linken Seite ein rotes, und im Heck ein weißes Dauerlicht. Sie haben einen Abstrahlwinkel von 110 Grad nach vorn und 150 Grad nach hinten (nur weiß). Damit kann man nun in der Luft eine sehr genaue Bestimmung der Flugrichtung eines fremden Flugzeugs vornehmen.

Erkennt man beispielsweise nur die Blitzlichter mit einem zusätzlichen, weissen Dauerlicht, fliegt das fremde Flugzeuge in derselben Richtung wie man selbst. Kommt es einem entgegen, sieht man Rot und Grün in vertauschter Position.

Redundanz überall

Wie alles in der Fliegerei, ist auch das Lichtsystem redundant aufgebaut. In jedem Beleuchtungselement findet man mehrere Birnen. Sollten einmal alle Leuchtmittel eines Elements ausfallen, kann es sogar sein, dass der Jet nur noch bei Tageslicht betrieben werden darf, solange es nicht repariert wurde.

In folgendem Youtube Video findet man tolle Nachtaufnahmen, die noch einmal die einzelnen Beleuchtungselemente aufzeigen:

von Tim Takeoff

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