Hong Kong Kai Tak

Besondere Flughäfen: Hong Kong „Kai Tak“

Tim Takeoff
27.08.2019
3 Fotos
5 Minuten

Nachdem wir euch bereits im Artikel über den Canarsie Approach den Flughafen von New York vorgestellt haben, geht es nun weiter in unserer Reihe. Heute schauen wir uns einen der bedeutendsten Flughäfen Asiens, und auch der Welt an: Hong Kong.

Von der einfachen Landepiste zum Flughafen der Superlative

Die Millionenstadt Hong Kong liegt in Ostasien am südchinesischen Meer, genauer gesagt an der Mündung des Perlflusses. Die Stadt entwickelte sich inmitten zahlreicher Inseln und Bergrücken, welche teilweise gut über 600 Meter hoch sind. Eine schmale Landepiste nördlich der Victoria Bay stellte Hong Kongs erste Verbindung an den Luftverkehr dar. Der „Kai-Tak“ genannte Flugplatz entwickelte sich parallel mit dem enormen Boom der Stadt selbst in den 1960er Jahren zum Hong Kong International Airport (in der ICAO Sprache VHHH, HKG).

Starkes Wachstum

Das große Wachstum forderte natürlich seinen Tribut. In den 1980er Jahren wuchsen sowohl die Siedlungen von Kowloon als auch der Airport immer näher zusammen. Berühmtheit erlangte der alte „Kai-Tak“ durch seinen einzigarten Anflug auf die Landebahn „13“. Aufgrund der topografischen Gegebenheiten, war ein direkter Anflug auf jene Piste durch die Hügelkette im Nordwesten nicht möglich. Dennoch wollte man moderne Instrumentenanflüge ermöglichen. Es wurde der sogenannte „Checkerboard-Anflug“ etabliert.

Das Checkerboard

Normalerweise fliegen Verkehrsflugzeuge in der direkten Verlängerung der Landebahn auf das ILS – Instrumenten-Lande-System (genaueres hierzu in diesem Artikel). Bei diesem System handelt es sich um einen Leitstrahl, der dem Piloten über Funkwellen signalisiert, ob er im richtigen Abstand sowie in der korrekten Höhe und Richtung auf die Piste anfliegt. So kann auch bei schlechter Sicht und widrigen Wetterbedingungen gelandet werden.

Für die Piste 13 modifizierte man dieses Verfahren. Das ILS (damals für diesen Fall in „IGS- Instrument-Guided-System“ umbenannt) für jene Piste führte in einem Winkel von 48 Grad zur Anfluggrundlinie auf den „Checkerboard-Hill“. Genauer gesagt auf ein rot-weißes Schachbrett-Markerboard, oder eben „Checkerboard“ genannt, welches an der Bergflanke montiert war. Der Pilot musste also in den letzten Momenten vor der Landung noch eine steile Rechtskurve fliegen, um auf die Landebahn einzudrehen. Dies stellte in Anbetracht der starken Besiedlung und der oft schroffen Winde und damit verbundener Turbulenzen eine enorme Herausforderung für die Crews dar.

In diesem Video seht ihr das Checkerboard, die Lokalisierungsantenne sowie den Anflug und das Abdrehen der Flugzeug aus der Sicht des Checkerboards Kai Tak:

In diesem Video seht ihr, wie dicht die Flugzeuge beim Anflug auf „Kai Tak“ über den Dächern der Stadt fliegen. Beeindruckende Bilder …

Der Umzug zum neuen Airport

Da sich das Verkehrsaufkommen immer weiter erhöhte, platzte „Kai-Tak“ Mitte der 90er Jahre aus allen Nähten. Es musste, nicht nur wegen der hohen fliegerischen Anforderungen, sondern auch aufgrund des Lärms und der Stadtnähe, ein neuer Flughafen her. Fündig wurde man nördlich der Insel Lantau Island. Hier lag bis 1990 die Insel Chek Lap Kok, welche bis zu 100 Meter hoch war. Sie wurde verrückterweise bis auf eine Höhe von sieben Metern über dem Meeresspiegel abgetragen. Es wurde Platz für ein doppeltes Landebahnsystem in Ost-West Ausrichtung, mit mittig-liegenden Passagierterminals geschaffen. Der Frachtbereich im Süden ist einer der größten Hubs der Welt.

Der gesamte Flugverkehr zog im Sommer 1998 innerhalb eines Tages (!) vom alten Airport Kai Tak nach Chek Lap Kok um. Über 1.200 Fahrzeuge des Flughafens fuhren auf dem Landweg in einem Konvoi durch Hong Kong.

Warum der Umzug doch recht nervenaufreibend wurde, erfahrt ihr hier:

Hohe Anforderungen

Doch Hong Kong wäre nicht Hong Kong, wenn nicht auch der neue Flughafen für Überraschungen gut wäre. Auch wenn hier ein modernes Anflugsystem mit parallelen Starts und Landungen anzutreffen ist, liegt Chek Lap Kok nördlich von Lantau Island. Diese Insel reicht fast bis auf 1.000 Meter hinauf und deckt damit den gesamten südlichen Bereich des Airports ab. Bei südlichen Windströmungen kommt es zu starken Turbulenzen im nördlichen Bereich, wo auch der Flughafen liegt. Anflüge finden fast ausschließlich aus südlichen Richtungen statt. Hierbei haben Piloten immer die großen Erhebungen von Lantau Island auf den Bildschirmen im Blick. Der Flughafen selbst befindet sich als Insel im Wasser.

In diesem Video seht ihr den Landeanflug auf den neuen Hong Kong Airport HKG:

Typhoon Saison und Windscherungen

Insbesondere während der Typhoon Saison von Mai- November muss hier immer mit extremen Wetterumschwüngen gerechnet werden. Zur Vorbeugung vor extremen Windböen hat man in Hong Kong ein spezielles System eingeführt, um Piloten frühzeitig zu warnen. Dieses sogenannte „Low-Level-Windshear Alert System“ erkennt über verschiedene Messmethoden, ob es starke Änderungen der Windstärke- sowie Richtung über einen kurzen Zeitraum gibt. Diese Informationen werden dann an an- und abfliegende Maschinen weitergegeben, um eventuelle Windscherungen zu vermeiden. Im schlimmsten Falle könnte die Leistung der Triebwerke nicht ausreichen, um so einer Windscherung in niedriger Höhe zu entkommen.

Entstehung einer dritten Runway

Hong Kong ist nichtsdestotrotz eine Reise Wert. Nicht nur aufgrund seiner pulsierenden Stadt, sonder auch als Drehkreuz. Von Hong Kong aus kann man innerhalb von nur fünf Flugstunden etwa die Hälfte der Weltbevölkerung erreichen. Um den Standort Hong Kongs zu sichern, wird derzeit sogar über Landgewinnung eine dritte Landebahn nördlich des Flughafens aufgeschüttet. Einhergehend baut man weitere Terminals damit der Flughafen für die magische Grenze von 100 Millionen Passagieren pro Jahr gerüstet ist. Ein echter Flughafen der Superlative.

Titelbild © Wikimedia Commons – Barbara Ann Spengler

von Tim Takeoff

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