Flughafen Mexiko Stadt

Besondere Flughäfen: Mexiko Stadt

Tim Takeoff
27.12.2019
5 Minuten

Nachdem wir euch bereits auf spannende Anflüge nach New York und Hong Kong mitgenommen haben, geht die Reise heute nach Südamerika. Genauer gesagt in die Hauptstadt von Mexiko: Mexiko Stadt.

Der internationale Flughafen von Mexiko Stadt (ICAO Code MMMX) wurde 1928 erstmals als ziviler Flughafen erweitert und genutzt. Er entwickelte sich rasch zur zentralen Anlaufstelle für sämtliche Mexiko-Reisenden und als Umschlagpunkt für den Frachtflugverkehr. Er liegt sogar so zentral, dass er sich am Tage kaum vom chaotischen Stadtbild abhebt, denn er liegt mitten in der Millionenmetropole.

Zahlen, die beeindrucken

Als ob dies noch nicht besonders genug wäre, betrachten wir folgende Fakten des Flughafens Mexiko Stadt einmal aus der Sicht eines Luftfahrers:

Auch wenn man nur über ein eingeschränktes luftfahrttechnisches Hintergrundwissen verfügt, sollte einem nun klar sein, dass diese Daten nicht unbedingt den Idealbedingungen entsprechen.

Dünne Luft – und ihre Auswirkungen

Als Pilot ist man bereits durch die reine Dichtehöhe beeindruckt. Eine Verkehrsmaschine auf einem über 2.000 Meter hohen Gelände zu bewegen, bringt viele Probleme mit sich. Die dünne Luft sorgt dafür, dass der Jet ganz andere Geschwindigkeiten benötigt, um genügend Auftrieb zu erzeugen. Man fliegt in dieser Höhe mit etwa 20 bis 40 Knoten höherer Geschwindigkeit als in Meereshöhe. Das entspricht circa 40 bis 75 km/h. Der Grund dafür ist, dass die Messinstrumente des Flugzeuges den Druck der Luftteilchen im sogenannten „Stau-“ oder „Pitotrohr“ messen.

Luftteilchen

Es sind dieselben Luftteilchen, die Auftrieb am Flügel erzeugen. Da in der Höhe schlichtweg weniger Luftteilchen vorhanden sind, fliegt man also in Wirklichkeit deutlich schneller als auf den Anzeigen des Piloten dargestellt. Auch die Geschwindigkeit über Grund, und damit die benötigte Sinkrate gegenüber dem Boden erhöht sich drastisch. Ein normaler Jet benötigt in Meereshöhe eine Sinkrate von etwa 500 bis 700ft/min um den Glideslope (mehr dazu in unserem Artikel zu Anflugverfahren), wohingegen der Pilot in Mexiko Stadt hingegen über 1.000 ft/min einkalkulieren muss.

Bei der Landung bedeutet dies also im Umkehrschluss eine besonders große Distanz, um den Jet zum Stehen zu bringen. Die Landebahnen von Mexiko wurden über die Jahre immer wieder verlängert, um den größer werdenden Jets Rechnung zu tragen. Die aktuelle Bahnlänge der längsten Bahn „23 Links“ beträgt 3.825 Meter.

Ein kleiner, akademischer Ausflug in die Geschwindigkeiten der Luftfahrt:

Angezeigte Eigengeschwindigkeit = Indicated Airspeed, IAS

Wahre Fluggeschwindigkeit= True Airspeed, TAS

Geschwindigkeit über Grund= Ground Speed, GS

Kurzes Beispiel zum Verständnis: Im Anflug auf Mexiko in 5.000 Fuß über Grund (Also 13.000 Fuß über Meeresspiegel) fliegt ein Jet laut der IAS circa 220 Knoten schnell, ohne dass es Landeklappen benötigt (Clean Speed). Die TAS liegt aufgrund der dünnen Luft in dieser Höhe dann schon bei 260 Knoten. Über Grund (GS) entspricht dies, bei einem typischen Rückenwind von 20 Knoten, schon 280 Knoten, also über 500 km/h.

Mexiko Stadt – Fliegen im Hochgebirge

Bis man jedoch zur Piste kommt, muss man mit eben erhöhter Geschwindigkeit in einen Talkessel einfliegen. Bei schlechter Sicht oder Sturm, müssen die Piloten den exakten Anflugverfahren Folge leisten. Die Berge im Westen von Mexiko Stadt erheben sich bis auf 4.000 Meter, im Osten befinden sich die aktiven Vulkane Popocatepetl und Iztaccihuatl mit über 5.000 Höhenmetern. Beide Vulkane stoßen regelmäßig Aschewolken aus, die genau überwacht werden müssen, um den Jets die passende Anflugroute zuzuweisen.

Solche schwierigen Witterungsbedingungen, zusätzlich zu den auftretenden Stürmen sorgen dafür, dass man in Mexiko mit erhöhter Wahrscheinlichkeit mit einer Ausweichlandung an einem entfernten Flughafen rechnen muss, wenn sich Parameter kurzfristig ändern.

Was tun, wenn…?

Sollte es beim An- oder Abflug dennoch zu Problemen kommen, welche die Performance des Jets einschränken (wie beispielsweise ein Triebwerksausfall), muss der Pilot speziell für das jeweilige Muster vorgefertigte Prozeduren einhalten. Die Leistung würde nicht mehr ausreichen, um mit voller Dauerleistung der verbleibenden Triebwerke in einem „Rutsch“ über die Berge zu kommen. Es wird dann meist über fest definierte Routen (die sogenannte „Engine Out Standard Instrument Departure Route“) in eine Art Warteschleife eingeflogen. In dieser kann der Jet dann in aller Ruhe auf die nötige Flughöhe steigen, um das Problem sicher zu bekämpfen oder einen Ausweichflughafen anzusteuern, falls eine Landung in Mexiko Stadt nicht möglich sein sollte (aufgrund von Wetter oder anderen Gründen).

Training im Simulator

Um all diesen Ansprüchen gerecht zu werden und auch neuen Piloten die Situation vor Ort besser vermitteln zu können, schicken die meisten Airlines ihre Crews vor dem Besuch eines anspruchsvollen Flughafens in den Simulator (siehe Artikel Flugsimulator). Hier können gefahrlos zahlreiche Situationen nachgestellt werden. Hohe und niedrige Gewichte, Triebwerksausfälle bei Start und Landung, die Einflüsse von hohen Temperaturen und Stürmen, sogar Vulkanausbrüche kann der Trainer seinen Kollegen auf den Bildschirm zaubern.

All diese Maßnahmen sind notwendig, damit man als Passagier unbesorgt eines der imposantesten Länder der Welt entdecken kann. Schon einmal bei Sonnenaufgang über den Azteken-Pyramiden im Korb eines Heißluftballons gestanden? Falls nicht, unbedingt eine Reise nach Mexiko einplanen!

von Tim Takeoff

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