Canarsie Approach

Der Canarsie Approach

Tim Takeoff
21.12.2018
4 Minuten

Unter Piloten ist der Anflug auf die verschiedensten Flughäfen der Welt eine Art Routine. Oft ähneln sich die Verfahren und Möglichkeiten, um das Flugzeug während des letzten Teil des Anfluges bis auf die Landebahn zu dirigieren.

Doch es gibt Ausnahmen, bei denen gewisse Elemente eine besondere Herausforderung darstellen. Ein steilerer Anflug, niedrige Kurven, Gelände, Fallwinde, eine besonders kurze Piste … In New York findet man eine der prominentesten Kombinationen unter dem Kosenamen „Canarsie Approach“.

Drei Mega-Airports in einer Stadt

Der Luftraum von New York City ist einer der am dichtesten beflogenen der Welt. Es ist eine logistische Meisterleistung, das hohe Verkehrsaufkommen zu bündeln und flüssig zu halten. Insgesamt beheimatet die Stadt drei absolute Mega-Airports. Newark Liberty, LaGuardia und der John F. Kennedy International, JFK.

Damit sich die Verkehrsflüsse nicht in die Quere kommen, bedarf es spezieller Verfahren. Das standardmäßig geflogene ILS Verfahren, bei dem ein Flugzeug in direkter Verlängerung der Piste bereits in 15 bis 20 nautischen Meilen Abstand quasi „geradeaus“ anfliegen kann, ist in New York bei gewissen Windrichtungen einfach nicht praktikabel. Die Flughäfen liegen zu dicht beieinander, um eine sichere Trennung der Flugzeuge zu gewährleisten.

„Canarsie Approach“

Aus diesem Grund wurde bereits seit den 70er Jahren bei der Anflugrichtung 13 auf JFK ein besonderer Anflug etabliert. Die Piloten flogen in einem 90 Grad Winkel zur Landebahn aus südwestlicher Richtung am Stadtteil Brooklyn vorbei. Hier steht bis heute das „VOR“ Funkfeuer (was das genau ist, erfahrt ihr in unserem Artikel zum Thema Navigation) „Canarsie“, kurz CRI. Mit der richtigen Frequenz, Richtung, Höhe und Entfernung wird dieser Sender bis zu einer minimalen Höhe von 800 Fuß (240 Meter) überflogen. Der letzte Teil des Anfluges erfolgt schließlich komplett visuell. Sollten die Piloten bis zu diesem Zeitpunkt eine der beiden Landebahnen (13 Links und 13 Rechts) nicht im Blick haben, wird nach Nordost in Richtung Long Island durchgestartet. Sieht man die Bahn, fliegt man in einem flachen Winkel eine komplette 90 Grad Rechtskurve. Währenddessen erfolgt ein ebenso flacher Sinkflug, bis das Fahrwerk den Boden berührt.

Pferderennbahnen und Leuchtfeuer als Hilfe

Besonders spektakulär wird es bei Nacht. Um die Piloten bei dieser tiefen Kurve zu unterstützen, sind über den gesamten Endanflug Leuchtfeuer in der Stadt installiert. Man spricht von den sogenannten „Lead-In-Lights“. Sie führen das Flugzeug „um die Ecke“ bis zur Piste. Am Tag ist auch eine Pferderennbahn und ein markantes Hotel als Orientierungshilfe in den Anflugkarten verzeichnet. Da der letzte Teil komplett manuell geflogen wird, ist es für den Piloten natürlich Ehrensache, den „Canarsie“ so schön und sauber wie möglich zu fliegen. Um die volle Kapazität dafür zu haben, wird das Flugzeug bereits vor der minimalen Höhe komplett konfiguriert. Das bedeutet, dass die Klappen und das Fahrwerk ausgefahren und die richtige Geschwindigkeit bereits eingenommen wird.

Das gesamte Verfahren hat den weiteren Vorteil, dass der Lärm über der Stadt deutlich minimiert wird, da der Anflug über die Jamaica Bay, also über Wasser erfolgt.

Wie imposant der Anflug aus dem Cockpit bei Tag und natürlich auch bei Nacht ist, lässt sich mit diesen beeindruckenden Videos nachempfinden:

von Tim Takeoff

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