Fußfetischist

Der Fußfetischist

Linda Luftikuss
30.04.2020
3 Minuten

Man erlebt ja neben vielen alltäglichen Situationen auch hin und wieder ziemlich Schräges. Neulich zum Beispiel mit einem Fußfetischisten …

Viele Flugbegleiter sind Mitglied bei Facebook oder Instagram. Dort posten sie Bilder von sich in Uniform, auf Reisen, im Layover. Wir hatten das ja schon: Es ist ein Beruf, der gewisse Phantasien erweckt. In die eine Richtung, aber auch: In eine komplett andere.

So ist es mir auch schon häufiger passiert, dass ich über die sozialen Netzwerke von Männern angeschrieben werde, die ein Date wollen. Aber nicht mit mir. Sondern mit meinen Pumps. Oder meiner Strumpfhose. Sie wollen mir beides abkaufen. Solche Profile sind meistens anonym und man sieht auch kein Bild. Es liegt natürlich an einem selbst, wie man hiermit umgeht. Ich kenne Kollegen, die sind davon total angewidert. Ich kenne aber auch Kollegen, die ihre DNA schon quer durch die Bundesrepublik geschickt haben, jahrelang.

Das kann ja jeder handhaben wie er oder sie möchte. Der Vorteil bei der digitalen Kommunikation ist ja, dass man nicht mal antworten muss, sofern man nicht will. Schwieriger wird es, wenn man mit so einer Anfrage direkt an Bord konfrontiert wird.

Ich befand mich in der hinteren Galley. Ein Mann, Mitte dreißig, kommt nach hinten, um auf die Toilette zu gehen. Da diese aber noch besetzt waren, musste er bei mir warten. Er hatte eine schlaksige Körperhaltung und wirkte etwas ungepflegt. Es gibt Menschen, die haben einem nichts getan. Aber man findet sie auf Anhieb unsympathisch und fühlt sich in ihrer Nähe unwohl.

Ich registrierte den Gast und baute den Getränkewagen weiter ab. Damit ich besser arbeiten konnte, schickte ich ihn ein wenig aus meinem Bereich heraus. Mein Kollege war indes noch im Service. Auf einmal sagte der Mann, ich hätte schöne Füße. Ich stutzte, das war mir suspekt. Mit so einem Kompliment rechnet man ja nicht unbedingt während des Arbeitens und es fühlte sich nicht normal an. Ich reagierte nicht und ging weiter meiner Arbeit nach. Einfach mal so tun, als hätte ich ihn nicht gehört … tja! Das wollte der Gast sich aber nicht gefallen lassen. Plötzlich stand er vor mir, beugte sich nach unten und fing an, meine Füße zu streicheln. Ich konnte es nicht fassen! Erschrocken sprang ich von dem Mann weg, hüpfte aufgebracht durch die Galley und schrie herum, der Mann solle doch bitte meine Füße in Ruhe lassen. Er blieb aber ganz ruhig, sah mich an und machte wieder einen Schritt auf mich zu. Da lief ich zu meinem Kollegen in die Kabine, der mich schon ganz erschrocken anschaute.

Von den Gästen drumherum kam nichts. Ob sie es nicht mitbekommen hatten? Ich blieb bei meinem Kollegen in der Kabine am Servicewagen, bis der Mann auf der Toilette verschwand, wieder rauskam und auf seinen Platz ging. Beim Aussteigen aus dem Flieger habe ich ihn nicht mehr gesehen. Zum Glück!

In der nächsten Episode werde ich euch mehr dazu erzählen, warum ich meine Uniform sogar richtig gerne trage.

Always happy landings,

eure Linda Luftikuss

Titelbild © Unsplash Imani Clovis

von Linda Luftikuss

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