FUCAM - Die Kabine der Zukunft

Die Passagierkabine 2025 – das FUCAM-Projekt 2016-2019

Reiner Hertl
08.02.2019
4 Minuten

Welchen internationalen Trends folgt die Passagierkabine der Zukunft? Welche Anforderungen haben die Fluggäste von Morgen an Komfort und Kommunikation, an Sicherheit und Gesundheit, an Unterhaltung und Wohlfühlatmosphäre? Und welche innovativen Kabinentechnologien werden diese Bedürfnisse zufriedenstellen können? Weit vorausschauende Antworten auf diese Fragen entwickelte das Projekt FUCAM: FUTURE CABIN FOR THE ASIAN MARKET, das jetzt im Januar 2019 seinen Abschluss fand.

Passagierkabinen-Designs für Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge 2025+

Das dreijährige Gemeinschaftsprojekt zwischen der EU und Japan konzentrierte sich auf drei Schlüsselmärkte des asiatischen Raums: Japan, China und Südostasien. Um hierfür Passagierkabinen-Konzepte weiterzuentwickeln, arbeiteten in einem Konsortium neun Partner aus Forschung und Industrie zusammen: acht aus europäischen Ländern und Jamco aus Japan. Der europäischen Luftfahrtbranche boten sich damit Optionen, die Entwicklung der künftigen Flugkabine mitzugestalten und auf ihre neuen Anforderungen einzugehen.

Denn darauf lag der FUCAM-Fokus: Die Anforderungen der Passagiere in Anforderungen an die Kabine umzusetzen. So reichten die Inputs und Szenarien des Projekts von Boarding und Deboarding über Konnektivität (E-Mails, Internet etc.) bis zu Sitzplatzdesigns. Konzeptionell richtete sich das Projekt aus auf Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge wie z. B. die A320-Familie oder die 737-Familie. Und wie Kabinentechnologien ab 2025 neu gerüstet werden können.

EU-Förderung, EU-Japan-Kooperation und das vorweggenommene Flugerlebnis

Das FUCAM-Projekt ist ein Gemeinschaftsprojekt des EU-Programms Horizont 2020, einem EU-Förderprogramm für Forschung und Innovation, ausgeschrieben von der Europäischen Kommission. Und stärkte die europäisch-japanische Zusammenarbeit. Schon auf dem SUNJET II Forum zum Thema „Europe-Japan Cooperation in the domain of R&T for Aviation“ auf der letzten International Paris Air Show betonte Dr. Helge Fromm von Airbus Group Innovations die “guten persönlichen Beziehungen” und den bestehenden “starken Teamgeist“.

Business Class, Super Economy Class und Low Deck-Szenarien wurden als Forschungsziele dort thematisiert, auch unter Sicherheits- und Gesundheits-Aspekten wie beispielsweise elektro-magnetische Strahlung. Es geht um Passagier-Erfahrungen und wie der Flug als Erlebnis neuen Raum bekommen kann. Beispielsweise in Form von dining areas, child play areas, coffee oder beauty areas, chill-out-Modulen, Erholungs-Einheiten und Erlebnis-Containern. Hierzu zählen auch Aufgabenstellungen wie Sitzplatz-Kapazitäten und Sitzdesigns, beispielsweise breitere Mittelsitze für Familien oder nach Körpergröße.

Von der Öffnung von Laderäumen für einen Lounge-Bereich über Luftqualität bis zur Kabinenbeleuchtung reichenx die Konzepte des Kabineninnenraums und seiner künftig möglichen Architektur. Dafür versammelten sich internationale Konzerne unter einem Dach:

Hochkarätige Partner bündeln Know-how und Expertise

Unter der Koordination der Airbus Defence and Space und der Airbus Group Innovations kooperierten im FUCAM-Projekt bedeutende Repräsentanten aus der gesamten Wertschöpfungskette der Kabineninnenraum-Gestaltung. So waren von der Grundlagen-Forschung bis zur Produktion namhafte Vertreter im Team: Airbus Group Innovations, Airbus Operations, STELIA Aerospace, EASN-TIS, die Aalto und die Cranfield University, Mormedi SA, Bertrandt und Jamco. In sechs Work Packages (WPs) übernahmen sie wechselseitig die Leitung, um zu Unterdeckszenarien, Kabinenkonzepten, Kabinenarchitektur und Kabinentechnologien zu forschen.

Mehr zu Zahlen, Daten, Fakten und Kooperationspartnern findet ihr hier:

Mit welchen Methoden und Arbeitsstrukturen verfolgt man in solch einem komplexen Projekt seine Ziele? Ein kurzer Überblick über die Arbeitsschritte des FUCAM-Projekts gibt euch einen interessanten Einblick:

Auf dem Weg zu neuen Kabinenkonzeptionen

Für die Kabinenkonzepte, die auf den japanischen und chinesischen Markt zugeschnitten sein sollen, ging das FUCAM-Projekt in sechs Work Packages vor.

WP 1 „Project Management“ lag unter der Leitung der Airbus Defence and Space und der Airbus Group Innovations, WP 2 „Customer Trends & User Requirements“ unter der Leitung der finnischen Aalto University. Dies schuf den Input für das Work Package 3 „Concept Definition“ unter der Führung von Mormedi. Hier wurden die Kabinenkonzepte und ihre Funktionen entwickelt, spezifiziert, ausgearbeitet und technisch beschrieben. Das WP 4 „Technology Scouting and Roadmaps“ unter der Leitung der britischen Cranfield University identifizierte die Technologien, die diese Kabinenkonzepte realisieren können. WP 5 „Integration and Validation“ unter der Leitung von Airbus Operations bewertete die entwickelten Konzepte im Hinblick auf ihre Machbarkeit und validierte diese. Work Package 6 „General Project Dissemination“ unter der Leitung von EASN-TIS schließlich konzentrierte sich auf die fachliche Kommunikation der Ergebnisse an die Zielgruppen.

FUCAM-Abschluss-Veranstaltung Ende Januar 2019 in Tokio und Ausblick aus der künftigen Kabine

Nach der Teilnahme des FUCAM-Projekts an der Future Travel Experience Asia EXPO im November 2018 fand am 23. Januar 2019 zum Abschluss des auf drei Jahre angelegten Projekts der Final Event statt. In Tokio wurden die entwickelten FUCAM-Konzepte und zukunftsweisenden Kabinenlösungen präsentiert und diskutiert. Auf der Homepage des FUCAM-Projekts könnt ihr noch Näheres zum Projektablauf und den Ergebnissen erfahren.

Und wie erfahren und erleben wir Flüge zukünftig? In der Boeing 777-First Class der Airline Emirates beispielsweise können die Passagiere ohne Fensterplatz schon auf virtuelle Kabinenfenster blicken. Wohin und in welchen Passagierkabinen geht die Flugreise auf den diversen Märkten? Werden wir zugunsten neuer Flugerlebnisse tendenziell auch immer weniger spüren, dass wir gerade in der Luft und im Flugzeug sind?

Neue Kabinen-Konzepte persönlich zu diskutieren, sich auch näher zu informieren über die neuesten Produktentwicklungen und Ideen der SFS Intec GmbH, dem WingMag-Sponsor, laden wir euch auch auf der AIX am SFS- und WingMag-Stand herzlich ein: 02.-04. April 2019, Aircraft interiors EXPO Hamburg, Stand 6B20. Kommen wir ins Gespräch, wir freuen uns darauf und euren Besuch!

von Reiner Hertl

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