Lilium - Flugtaxi - Luftttaxi

In Sichtweite: E-Flugtaxis und Drohnen-Langstrecke ohne Sichtverbindung

Reiner Hertl
28.06.2019
10 Fotos
4 Minuten

Auch mit der Gründung des Joint-Ventures Droniq und dem Flugtaxi-Startup Lilium liegt immer viel Neues in der Luft. Drohnen-Kontrolle und -Ortung via SIM-Karte und GPS, E-Lufttaxis von Punkt-zu-Punkt: Es geht um Sicherheit und neue Stücke vom Himmel.

Die Zukunftsmusik wird hörbar lauter: Droniq entwickelt Sicherheitssystem

Ein Gemeinschaftssystem der Flugsicherung DFS und dem Mobilfunk-Netz soll ermöglichen, kommerzielle Drohnen auch ohne Sichtverbindung der fernsteuernden Piloten über längere Distanzen zu schicken. Das von Telekom und Deutscher Flugsicherung gegründete Unternehmen Droniq will für Kunden Lieferdrohnen steuern können, die auf Strecke gehen.

Ausgestattet mit speziellem Modem (Hook-on-Device) und Mobilfunk-SIM-Karte, LTE-Transponder und GPS-System werden die Unmanned Aerial Vehicles über das Handynetz und mit der Luftraumüberwachung in Echtzeitdaten geortet. Mit dieser neuen Technologie wäre ein Drohneneinsatz über größere Etappen sicher. Fluglotsen und Piloten können über das Leitsystem die Fluggeräte aus der Ferne überwachen und koordinieren. Konflikte mit dem bemannten Flugverkehr werden so durch ein komplettes Luftlagebild vermieden.

„Mit unserer Technik wird es endlich möglich, das volle Potenzial professionell genutzter Drohnen ausschöpfen zu können“, so Tim Höttges, Chef der Deutschen Telekom. Denn bislang ist die Sichtverbindung von Steuerer und Copter Bedingung. „Droniq bietet einen Einstieg in den kommerziellen Betrieb von unbemannten Fluggeräten“, kündigte der CEO der Deutschen Flugsicherung Professor Klaus-Dieter Scheuerle an. Zielsetzung ist es, Drohnen nachhaltig über das UTM, das Traffic Management System, in den Luftraum zu integrieren.

An einer ähnlichen Plattform arbeitet auch der Mobilfunkkonzern Vodafone, der in Kooperation mit der Europäischen Agentur für Flugsicherheit EASA ein Erkennungssystem entwickelt. Die UASs, die Unmanned Aircraft Systems, werden auch hier auf Mobilfunkbasis geortet. Dieses Konzept unterstützt dabei die Ausrichtung neuer europäischer Vorschriften.

Zielgruppen der Anbieter für die Langstrecken-Drohnenflüge sind Wirtschaft und Industrie, die beispielsweise Stromtrassen, Windanlagen oder Gleise untersuchen wollen und damit auf teureren Hubschrauber-Einsatz nicht mehr angewiesen wären. Lieferdienste und Logistikunternehmen, aber auch zum Beispiel Polizei, Sicherheitsdienste und Rettungskräfte, die mit einem informierenden „vorausfliegenden Auge“ pro Einsatz Zeit gutmachen können.

Auch Lufttaxis könnte die Droniq-Technologie dem Modell nach in einigen Jahren steuern.

Gerade bei den Flugtaxis wirbelt ja auch die Luft. Wir halten Sichtverbindung zu diesem dynamischen Segment und jetten des Weiteren zu einem Spotlight nach Oberpfaffenhofen:

On-Demand: Flugmobilitätsdienst Lilium mit 5-Sitzer-Jet in 5-6 Jahren

2025 sollen diese E-Flugtaxis abheben, vielleicht auch schon früher – und mit einer Batterieladung 300 km/h schnell eine Stunde in der Luft bleiben können. Der 2.000 PS-starke und nur eineinhalb Tonnen schwere Lilium Jet-Prototyp mit 36 Elektromotoren und Mantelpropellern hat seinen vertikalen Erstflug jetzt im Mai gemeistert – Als nächstes „werden wir Manöver fliegen“, so Firmengründer Daniel Wiegand. Um den Personennahverkehr bedarfsgerecht bedienen zu können, soll der Senkrechtstarter mit VTOL-Technik (Vertical Take off and Landing) längere Flüge anbieten. Emissionsfrei und leise, ohne hohe Betriebskosten und mit schwenkbaren Elektromotoren: Zum Starten und Landen stehen die Klappen mit den Motoren hochkant, zum Vorwärtsflug horizontal.

Auf diesem Video könnt ihr bei diesem Lilium-Jungfernflug nochmal mit in der Schwebe sein.

Angestrebt ist, von Punkt-zu-Punkt zu verbinden – aber mehrfach schneller als auf der Straße beziehungsweise im Stau.

Wir träumen von einer Welt, in der jeder Mensch zu jedem Zeitpunkt zu jedem Ziel fliegen kann.

Daniel Wiegand

Die weiteren Tests gehen in den Vorwärtsflug: Im Horizontalflug werden die Tragflächen für Auftrieb sorgen, so dass weniger als 10 Prozent der maximal abrufbaren Leistung beansprucht werden würde. Insgesamt könnten „Preise wie in einem Taxi“ dieses Mobilitätsangebot mit Flugerlebnis für jedermann erschwinglich machen.

Denn die Geschäftsfelder, wie die Anbindung von Peripherie oder Flughäfen an Downtown sind gespannt, viele Unternehmen reiten mit vor: An Airtaxis arbeiten, wie berichtet, beispielsweise auch Airbus und Boeing, Bell und Volocopter, Daimler und Audi. BMW-Designworks hat mit der US-Firma Alaka’i Technologies bereits ein Flugtaxi mit Wasserstoffantrieb entwickelt:

Erstes Flugtaxi mit Brennstoffzelle am Sky

Die Passagierdrohne „Skai“ soll mit einer Reichweite von circa 650 Kilometern ausdauernder sein als ein E-Flugtaxi mit schweren Akkus. Bei dieser Leistungsfähigkeit können fünf Passagiere nicht nur Platz nehmen, sondern mit dem sechs-rotorigen Hexacopter bis zu vier Stunden in der Luft bleiben. Umwelt- und klimaverträglich bei der Emission, groß im Aktionsradius. Mit der amerikanischen Flugaufsicht FAA wird dieses Taxi getestet.

Noch leiser und noch weiter: das elektrohybride „Silent Air Taxi“. Dieses futuristische Kleinflugzeug wurde im Juni in Aachen vorgestellt, in diesem WingMag-Live-Bericht lässt sich das Event nacherleben. Reisegeschwindigkeit 300 km/h, Reichweite 1.000 km.

Priorität Sicherheit

Bei aller Innovation von be- und unbemannten Passagier- und Frachtdrohnen: Die jeweiligen regulatorischen Vorgaben wollen und müssen – landesweit, europaweit – zur Sicherheit aller Luftfahrtbeteiligten und der Zivilbevölkerung vor jeder Zulassung in erster Linie erfüllt werden. So hat die EU neue Bestimmungen erlassen, die mit der EASA Regeln für den Betrieb von unbemannten Drohnen EU-weit vereinheitlichen. Mit dieser Verordnung sollen nach den Sicherheits-Standards Drohnen bestimmter Klassen auch: von fern zu identifizieren sein.

Bilder ©Lilium

von Reiner Hertl

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