Astronaut Ulf Merbold

Eine Begegnung mit Astronaut Ulf Merbold

Hubertus Huvermann
21.02.2018
4 Fotos
4 Minuten

Wisst ihr noch was ihr werden wolltet als ihr zur Schule gegangen seid? Ich bin sicher Astronaut war ganz vorne mit dabei. Ich wäre auch heute noch gerne ein Astronaut! Einmal die Erde vom Weltraum aus sehen. Echte Schwerelosigkeit erleben. Geschwindigkeitsrekorde mit dem Spaceshuttle aufstellen. Ich habe in Bitterwasser, Namibia jemanden getroffen, der all das geschafft hat. Ulf Merbold.

Er war der zweite Deutsche der überhaupt im Weltraum war und der einzige Deutsche der drei Flüge hinter sich gebracht hat.  Ich muss mir das immer wieder durch den Kopf gehen lassen. Ich glaube es gibt wenig auf der Welt, das für mich so unfassbar aufregend ist, wie die Vorstellung, ins All zu reisen. Wahnsinn! Und jetzt sitze ich neben Ulf, mitten in Afrika. In einem alten, etwas gammeligen Toyota Pick Up. Wir ziehen die YY, einen Ventus, den er zusammen mit Bruno Gantenbrink besitzt, an den Start. Alle anderen Piloten sind längst gestartet. Wir lassen uns Zeit. Wozu auch die Hektik? Der Mann war im All! Welches Ziel kann man sich da noch stecken? Wir plaudern eine Weile – der Weg bis an die Startlinie kann sich in Bitterwasser schon mal eine Weile hinziehen. Die Pfanne ist einfach riesig und je nach Wind muss man schon mal eine Weile fahren. Nicht zu schnell natürlich, um das Flugzeug zu schonen.

Was fragt man Astronaut Ulf Merbold eigentlich?

Natürlich kann ich es nicht lassen – ich komme mir vor wie ein kleiner Flugschüler – ich muss dem alten Hasen ein paar Fragen stellen. Aber schlau muss es klingen. Auf Augenhöhe. – Wetter – Natürlich fällt mir nichts besseres als das Wetter ein. Tatsächlich fahren wir unter einem Himmel, der nicht besser in den Brockhaus neben die Definition für „Hammerwetter“ passen könnte. Und schon unterhalten wir uns, wie Segelflieger das so machen, über Bedeckungsgrad und Thermikstärke, mögliche Kilometer und Endanflugrechner. Irgendwie merkt man nicht, dass da ein echter Raumfahrer neben einem sitzt. Ulf ist so normal und auf dem Boden geblieben, wie man es nur sein kann. Also im positivsten Sinn!

Ganz entspannt steuert er unseren verbeulten, weißen Toyota über den harten Sandboden der Bitterwasser Pfanne. Wir plaudern einfach weiter. Über dies und das. Dann will ich es doch noch einmal wissen: „Wenn man schon dreimal im Weltall war, was gibt es dann noch für Ziele?“ Ulf lächelt. Für ihn scheinen die Raumflüge total normal gewesen zu sein. Eine logische Konsequenz aller vorhergegangenen Ereignisse. Einfach eine Aufgabe, die er bewältigt hat. Ulf durfte etwas Großartiges erleben. Das war nur möglich, indem viele, sehr viele Menschen gemeinsam an etwas gearbeitet haben. Über Landesgrenzen hinweg, hat die Menschheit mit der modernen Raumfahrt etwas Unbeschreibliches geschaffen.

Dankbarkeit und Machtlosigkeit

Dafür ist Ulf dankbar und gibt gerne etwas zurück. Ulf setzt sich zum Beispiel stark für soziale Projekte ein. Luftfahrt ohne Grenzen ist eines von vielen Projekten. Er erzählt von seinen Besuchen in Erdbebengebieten. Machtlosigkeit. Medikamente, die die Patienten nicht rechtzeitig erreichen, weil die Bürokratie nicht schnell genug arbeitet. Flüchtlingsunterkünfte an der Grenze zur Türkei. 800 Neugeborene, die mit ihren Müttern in einfachen Zelten leben.

Unsere Erde ist ein Raumschiff, mit dem wir alle gemeinsam fliegen.

Ulf hat die ganze Welt gesehen. Aus dem All und am Boden. Das, was von den Raumflügen am stärksten im Kopf bleibt, sagt er, ist, dass „unsere Erde ein Raumschiff ist, mit dem wir alle gemeinsam fliegen.“ Ein kleiner, schützenswerter Ort, mit dem wir alle verantwortungsvoll umgehen müssen. Afrika von oben ist übrigens ein ganz besonderes Erlebnis … Ein paar Eindrücke findet ihr hier.

Fotos © Hubertus Huvermann

von Hubertus Huvermann

Related Posts