Ekranoplan - Die Neuauflage

Es lebt wieder – das Kaspische Seemonster

Arnold Fischer
28.08.2018
3 Minuten

Ende der 60er Jahre versetzte die UdSSR mit dem Ekranoplan in Angst. Die Fischer des Kaspischen Meeres sowie die westliche Welt. Das im Bodeneffekt fliegende „Ding“ sah furchterregend aus und war es auch. Nun arbeitet Russland an einer Fortsetzung der Idee und will einen niedrig-fliegenden Stummelflügler entwickeln. Bis 2027 soll der Prototyp in der Luft sein. Die „Orlan“ soll wie das Vorbild aus der UdSSR Raketen starten können und ist damit wie das kaspische Seemonster gleichermaßen als Truppentransporter und Flottenzerstörer konzipiert.

Im Bodeneffekt über das Wasser

Ekranoplane, also Bodeneffektfahrzeuge sind keine herkömmlichen Flugzeuge, sie fliegen auf dem sogenannten Bodeneffekt in wenigen Metern Höhe. Unter den kurzen Flügeln und dem Rumpf baut sich eine Art Luftwalze über dem Grund auf, die für Auftrieb sorgt. Der Vorteil: Es ist entweder weniger Energie nötig oder es kann wesentlich mehr zugeladen werden als in klassischen Flugzeugen. Über Ekranoplane haben wir schon einmal detailliert berichtet.

Prinzipbedingt ist das Ekranoplan ausschließlich für den Betrieb auf dem Wasser geeignet. Über Land würde es zwar fliegen, auf der Erde würde jedoch kein Stein auf dem anderen bleiben, weil die Luftwalze wie ein Festkörper wirkt und alles zerstören würde, was sich ihm in den Weg stellt.

Die Nutzlast des Orlan wird mit 300 Tonnen angegeben (im Vergleich hat der Airbus A400M der Bundeswehr 37 Tonnen Nutzlast). Mit einer Geschwindigkeit von 550 km/h und einer Reichweite von bis zu 2.000 Kilometern sind das exakt die Daten, wie sie das größte Kaspische Seemonster seinerzeit aufzuweisen hatte. Was die Neuauflage des Orlan ausmacht, ist die Fähigkeit, äußerst schnell und bis an die Zähne bewaffnet, Truppen und Panzer von A nach B transportieren zu können.

Es fühlt sich an wie der kalte Krieg

Was beinahe unglaublich klingt: Russland rüstet auf. Alte Kriegstechnik, wie für die Kälteregionen konzipierte Panzer werden reaktiviert. Zur Zeit werden die alten Militärbasen aus Zeit der UdSSR im nördlichen Eismeer wieder in Betrieb genommen. Gigantische Eisbrecher und große Truppen werden in der Kälteregion fest stationiert. Doch weshalb? Durch den Klimawandel wird der Seeweg nördlich von Sibirien immer wichtiger. Es ist die kürzeste Route zwischen Europa, China, Japan und Korea. Wie die Lun-Klasse in den siebziger Jahren soll die Orlan deshalb mit Raketen bestückt werden, um die strategisch wichtige Nord-Route im Eismeer zu verteidigen. Die Möglichkeit, als Flottenzerstörer bis zu 40 Lenkwaffen, wie die Marschflugkörper vom Typ Kalibr oder die Iskander-Raketen zu transportieren, wird den Orlan wohl zu einer neuen Offensivwaffe machen, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat.

Titelbild Wikimedia Commons – Soviet Military Power 1988 – 26 August 1988

von Arnold Fischer

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