Flugzeugkapitänin - Pilotin

Exotin Pilotin: Cockpit, der Frauenschreck? 5 Gründe, die viele Frauen abschrecken.

Esther Nestle
14.02.2020
2 Fotos
4 Minuten

Erbringen Frauen im Cockpit weniger Leistung? Sind weibliche Nervenkostüme weniger strapazierfähig? Machen gar männliche Kollegen Pilotinnen den Garaus? Fliegen Frauen schlechter als Männer? Wäre es so, dann wären die kleinen Pilotinnenzahlen objektiv nachvollziehbar. Ist es so? Nein!

Frauen fliegen genauso gut wie Männer. PUNKT.

Wer kann die fliegerischen Fähigkeiten von Männern und Frauen besser beurteilen als die Ausbilder? Und die scheinen sich einig zu sein. There is NO DIFFERENCE. Frauen fliegen genauso gut wie Männer. PUNKT.

Frauen sind ganz selbstverständlich bei unseren Lehrgängen dabei und stehen in den Leistungen ihren männlichen Kollegen in nichts nach.

Stefan-Kenan Scheib von Pilot Schools Lufthansa Group

Ich sehe eher, dass es ein Gehirngeschlecht gibt. Denn was wir herausgefunden haben ist, dass es mehr um empathizing and systemizing brains geht. Das hat mit dem physischen Geschlecht nichts zu tun.

Cordula Pflaum – Ausbildungskapitänin bei der Lufthansa

Doch einen Unterschied gibt es, nämlich wie Frauen und Männer unter Stress agieren.

Unter starkem Stress – das ist wissenschaftlich belegt – ist es so, dass die Frau eher einmal weint, um den Stress loszuwerden, während der Kerl eher zu roten Flecken am Hals neigt. Das sind Reaktionen, mit denen man umgehen muss.

Cordula Pflaum – Ausbildungskapitänin bei der Lufthansa

Ob weinen oder rote Flecken – letztlich entscheidend ist der unter Stress erbrachte Output. Und der ist trotz unterschiedlicher Reaktionen bei Frauen und Männern absolut gleich stark.

Diese 5 Gründe lassen Frauen vor dem Cockpit abdrehen.

  1. Rollenklischees
  2. Angst vor Technik
  3. Angst vor Bashing
  4. Immer kürzere Wege raus in die Welt
  5. Familienfeindliche Arbeitszeiten

Wieviel davon ist künstlich aufgeblasen, bei näherem Hinsehen nicht haltbar? Liebe Frauen, meine Bitte: Piekst die aufgeblasenen Argumente an und lasst alles platzen, was in euren Augen nicht stichfest ist.

Rollenklischees, fehlende Pilotinnen-Vorbilder

Männer am Steuerknüppel, Frauen an den Servicewagen. Für dieses Rollenklischee müssen wir nicht lange in der Vergangenheit graben. Noch vor 30 Jahren waren die Rollen in der Luft klar verteilt. Und heute? Da klafft zwischen propagierten Paritätswünschen und schieflagiger Realität nach wie vor ein riesiges Loch. Bis heute fehlen Frauen sichtbare Vorbilder. Frauen im Kapitänslook erscheinen selbst im Vielflieger-Alltag äußerst selten auf der Bildfläche. Tatsächlich sind die fehlenden Vorbilder einer der Gründe, warum die meisten Frauen den Pilotinnenberuf überhaupt nicht auf dem Radar haben. Mehr Aufklärung tut not.

Angst vor Technik

Als Pilotin Angst vor Bashing

Vielleicht scheuen manche Frauen den Kampf mit harten Bandagen in einer (vermeintlich) klassischen Männerdomäne. Zu Recht? Im Netz kursierende Interviews mit Pilotinnen zeigen, dass diese Angst eigentlich und endlich von gestern zu sein scheint. Gestern noch berechtigt, heute Schnee von gestern 🙂 Den Job leben. Nicht das Geschlecht. So die Devise derer, die den Sprung ins Cockpit gewagt haben.

Immer kürzere Wege raus in die Welt

Pilotin werden, um mehr von der Welt zu sehen? Dieses Argument zieht immer weniger (natürlich nicht nur bei den Mädels). Im Flugzeug um die Welt düsen und fremde Länder bereisen, und das für lau – die Denke hat sich ein Stückweit totgelaufen. Reisen wurde über die Jahre immer erschwinglicher und normaler; fast bis aus dem letzten Winkel unseres wunderschönen Planeten schwappen uns über YouTube, Instagram, Pinterest und Co. unzählige Bilder auf die Displays. Weniger denn je braucht es für derlei exotische Erlebnisse den Pilotenschein.

Länder bereisen recht und gut. In allererster Linie geht es selbstverständlich um die Faszination Fliegen, um die Freude am Beruf. Alles andere ist hübsche Dreingabe.

Familienfeindliche Arbeitszeiten

Wer glaubt schon, dass Familie und Beruf hier gut zusammengehen? Angehende männliche Piloten stellen sich diese Frage vermutlich nicht so oft. Tatsache ist: Es gibt sie, die Piloten und Pilotinnen im Teilzeitjob. Sie fliegen meist Kurzstrecken – nicht zuletzt, um im Start- und Landungsprozedere im Training zu bleiben.

Viele Airlines kämpfen zunehmend um gutes Personal. Als direkte Folge haben sie auch die Gleichberechtigung als heißes Thema für sich entdeckt. Ein Umstand, den Frauen (Männer natürlich gleichermaßen) auch an diesem Punkt zunehmend für sich nutzen können.

A propos Airlines und Pilotinnen …

Welche Airline hat nun derzeit den höchsten Frauenanteil? Je nach Quelle fallen die Angaben unterschiedlich aus. Manche sehen Qantas Airways ganz vorne, andere die kleinen Fluggesellschaften Flybe (britisch) und Luxair (Luxemburg), wieder andere die United Airlines.

Den Artikel beenden möchte ich mit einem Zitat, das mir während meiner Recherchen ins Auge stach: „Women are the most evil species on earth.“ Frauen sind die „bösartigste“ Spezies der Erde. Wenn ihre Hütten brennen oder ihre Kinder krank sind oder die ihr anvertrauten Flieger wanken, dann gibt es nichts, aber auch gar nichts, was sie NICHT tun und NICHT geben würden, um alle und sich selbst heile aus der Krise heraus zu manövrieren.

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Quellen:

ARD Mediathek / Handelsblatt / Flugrevue / derStandard.de … und andere

von Esther Nestle

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