Air Berlin Pleite - Externe Gründe

Externe Ursachen der Air Berlin Pleite

Jennifer Weitbrecht
27.11.2018
3 Fotos
4 Minuten

Ohne Zweifel hat die Konzernführung einen großen Teil der Pleite zu verursachen. Alle Schuld auf die Führung abzuwälzen, wäre jedoch zu einfach. Der einst zweitgrößte Carrier Deutschlands hatte auch mit externen Faktoren kein großes Glück. Luftfahrtexperten zufolge gab es mehrere prägende Momente, die letztendlich zur Pleite führten.

1. Verzögerung des neuen Hauptflughafens BER

Die Eröffnung des BER war für Juni 2012 anvisiert und Air Berlin plante entsprechend. Ein großer Fehler wie sich zeigen sollte. Hans-Henning Romberg, früherer Chef-Flugplaner der Lufthansa und einstiger Chef der Berliner Flughäfen erläuterte das daraus resultierende Problem wie folgt: „Der Flugplan war vermutlich schon weit ein Jahr früher fertig.“ Anfang November seien die Slots bestätigt worden, woraufhin Air Berlin eine große Werbekampagne gestartet und Tickets für sein modernes, neues Drehkreuz in der Hauptstadt verkauft habe. „Wie es dann ausging, wissen wir alle. Air Berlin musste in Tegel bleiben. Und die perfekte Hub-Planung wurde Makulatur.“

Leider sei Tegel nicht besonders gut als Umsteigeflughafen geeignet. „Nicht nur der Platz in den Terminals bringt den Cityairport schnell an Kapazitätsgrenzen“, erklärt Romberg. Die Verbindung zwischen den Air-Berlin-Flügen im Gebäude A und im Air-Berlin-Terminal C sei „umständlich und zeitraubend“. Wer in A lande, müsse zum Weiterflug nach C eilen und nochmals durch den Security Check. „Ein Elend“, betont Romberg. „Vom Gepäcktransfer zwischen den Gebäuden reden wir erst gar nicht…“

2. Chaos durch Bodenverkehrsdienstleister Aeroground in Tegel

Wenn schon der Flughafen an sich nicht ideal ist, wird die Bedeutung des Bodenverkehrsdienstleisters noch um einiges größer. Doch auch hier hakte es. Der Münchner Dienstleister Aeroground fungierte problemlos für Air Berlin in München. In Tegel hingegen passte es überhaupt nicht. Fehlende Ortskenntnis, neues Personal und zu wenig Fahrzeuge führten dazu, dass Passagiere häufig mehrere Stunden auf ihre Koffer warteten.

Pixabay © BonnieHenderson und Hans

Die Problematik führte nicht nur dazu, dass Fluggäste bei ihrem nächsten Flug auf andere Airlines auswichen, sondern auch zu gehäuften Flugverspätungen, durch die sich Air Berlin die Umsteige-Knoten ruinierte. Manche Flüge verspäteten sich so immens, dass sie in das Nachtflugverbot hineinrutschten. Das Resultat waren letztendlich vermehrte Flugausfälle. Allein die daraus resultierenden Kosten betrugen mehrere Millionen Euro pro Monat.

Der im Grunde wichtigste Flughafen des Air-Berlin-Netzes wurde zum Problem. Viel zu spät wurde eine Verlagerung der Übersee-Routen nach Düsseldorf geplant. Zu diesem Zeitpunkt war der Ruf von Air Berlin schon angeschlagen.

3. Starker Konkurrent: Lufthansa

Air Berlin wollte es nicht anders. Laut Verkehrsexperte Manfred Kuhne hatte die Fluggesellschaft den Kampf mit Lufthansa selbst heraufbeschworen, sei ihm aber nicht gewachsen gewesen: „Auf die starke Expansion von Air Berlin nach den Übernahmen von DBA, Hapag-Lloyd Express und LTU hat Lufthansa mit aller Macht reagiert“, so Kuhne.

Lufthansa reagierte, da Air Berlin durch die Übernahme europäischer Städteverbindungen, innerdeutschen und letztendlich auch Interkontinental-Flügen zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten wurde. Schnell wurden die notwendigen Schritte seitens Lufthansa eingeleitet: Neue Billigtarife, neue Strecken als direkte Konkurrenz zum Billigflieger. Es kam zu weiteren rapiden Umsatzeinbußen für Air Berlin.

Pixabay © code83

4. Weitere Konkurrenz im Ferienfluggeschäft

Nicht nur die Lufthansa sorgte für Umsatzeinbrüche. Auch im klassischen Kerngeschäft der Air Berlin übten Low-Cost- und Zielgebietscarrier Druck aus. Laut Luftfahrtprofessor Christoph Brützel hätten diese vor allem für dezentrale Quellmärkte in Deutschland eine bessere Kostenposition. Air Berlin arbeitete laut Brützel nicht effizient: „Am Beispiel des Flughafens von Palma de Mallorca kann man sehr gut sehen, dass Air Berlin Effizienz und Kosten nicht im Griff hatte. Sie betrieb dort zwar ein Drehkreuz, beschäftigte aber lokal weder Crews noch nutzte sie den Airport als Basis für Flugzeuge (zum Beispiel Line Maintenance)“, erklärt er. Die Vorgehensweise von Air Berlin sollte Geld sparen, doch das Gegenteil war der Fall: Crews vor dem Einsatz erst zum Einsatzort zu bringen, verursacht nicht zu unterschätzende Kosten.

5. Wettbewerbsverzerrung durch hohe Steuerlast

Für Flüge ab deutschen Flughäfen muss in Deutschland Luftverkehrssteuer entrichtet werden. Der Löwenanteil entfiel auf die Lufthansa Group, Air Berlin, Condor und Tuifly. Air Berlins Hauptbetrieb ausgehend von deutschen Flughäfen verursachte somit eine hohe Steuerlast. Im Vergleich dazu gibt es dort, wo beispielsweise Emirates ihren Hauptbetrieb hat, keine vergleichbare Steuer. Laut BDL – Bundesverband der deutschen Luftverkehrswirtschaft – werde dadurch der Wettbewerb stark verzerrt.

Titelbild Pixabay © WikimediaImages 

von Jennifer Weitbrecht

Related Posts