FACC - Gepäck - Passagier

FACC – Cabin Interiors: Umsatzbooster und Markenbotschafter

Esther Nestle
03.09.2019
3 Fotos
5 Minuten

Der Aircraft Cabin Interiors Markt expandiert weltweit Jahr für Jahr. Ein untrüglicher Indikator für die immense Bedeutung der Flugzeugkabine. Warum wächst der Markt für Flugzeugkabinenbau überproportional? Wo geht die Reise für Flugzeugkabinen hin? Wir haben für euch bei einem der Global Player im Flugzeug-Innenausbau nachgefragt. Und aufschlussreiche Einblicke gewonnen.

Interview mit Andreas Perotti, Director Marketing & Communications und Konzernsprecher der FACC AG.

Herr Perotti, der Cabin Interior Market wächst weltweit. Was genau treibt gerade diesen Markt so in die Höhe?

Da kommt vieles zusammen. Zum einen die steigende Nachfrage nach Flügen.. Immer mehr Passagiere, immer mehr Flüge, immer mehr Flugzeuge. Das Passagieraufkommen verdoppelt sich alle 15 Jahre! Der derzeitige Boom kommt aus Asien, besonders aus Indien und China, wo mit wachsendem Wohlstand auch der Bedarf wächst – der Bedarf an Business-Trips, der Bedarf, die Welt als Tourist zu bereisen. In anderen Regionen der Welt wie beispielsweise in Europa wachsen Flug- und Passagierzahlen zwar auch weiter. Aber der höchste Zuwachs kommt aus Asien.

Zum einen die Quantität. Und die Qualität?

Was will der Passagier? Was nimmt er wahr, wenn er in den Flieger steigt? Er will sich wohlfühlen an Bord, er will ein angenehmes Flugerlebnis. Mit welchem Flugzeugtyp er unterwegs ist, spielt für ihn meist eine untergeordnete Rolle. Der Fluggast bewertet die Bequemlichkeit, er wünscht sich tollen Service, er will entspannt reisen. Und so rückt die Kabine immer mehr in den Fokus, als Markenbotschafter der Airlines. Etwas, was sich übrigens auch in den aufsteigenden Zahlen der Premium Economy Class widerspiegelt.

… also der Zwischenklasse zwischen Holzklasse und Businessklasse.

Genau. All das führt dazu, dass Airlines bereit sind, im Laufe eines Flugzeuglebens das komplette Cabin Interior drei oder sogar vier Mal auszutauschen. Der Fluggast fährt während der Reise seine Antennen aus. Er sieht und spürt, ob er in einer unangenehmen, veralteten oder auch austauschbaren Kabine zusammengefaltet ausharren muss und so die Minuten bis zur Landung runterzählt. Oder ob er in einem angenehmen, modernen und auf die Airline abgestimmten Ambiente Platz nimmt, mit hinreichend Platz für Handgepäck oder angenehmem Ambient-Lighting, die gute Bordunterhaltung gerne in Anspruch nehmend, und so entspannt seinem Ziel entgegenfliegt. Der Passagier ist den wenigen Kubikmetern um sich herum für die Dauer des Fluges ausgesetzt, ob es ihm dort gefällt oder nicht. Es zählt der Gesamteindruck, aber auch das Detail. Genau diese unmittelbare Nähe zum Fluggast ist es, die ganz besondere Anforderungen nach sich zieht.

Von Boden- bis Deckenpaneelen, Bordküche bis Waschräume, Belüftung bis Beleuchtuang – das alles und noch viel mehr steckt im Cabin Interior. Und das alles bei FACC?

FACC steht als Tier-1-Lieferant fast am Ende der Wertschöpfungskette direkt mit den OEM‘s. In unserer Supply-Chain arbeiten wieder 600 Lieferanten für FACC (*), die wiederum von ihren Lieferanten beliefert werden. Was ich damit sagen möchte: Hinter all unseren Produkten und Lösungen stehen hoch komplexe und dynamische Lieferketten, deren spezifisches Know-how und deren Output bei uns zusammenläuft. FACC produziert nicht alles selbst, das kann kein Unternehmen. Eine unserer Kernaufgaben ist daher auch, die jeweiligen Produktionsprozesse optimal aufeinander abzustimmen, von der Bordküche über die Gepäckablage bis zum Passagiersitz: on cost, on quality, in time.

(*) FACC insgesamt

Also klassisches Supply Chain Management.

Ja, aber idealerweise besser als „klassisch“. Mit vielen Synergien entlang der Wertschöpfungskette. Übrigens nimmt die Supply Chain im Bereich der Business Jets an Komplexität noch zu. Hier geht die Individualisierung noch tiefer als im Commercial Bereich, mit entsprechend weiter aufgefächertem Know-how.

Wenn wir die letzten Jahrzehnte mit heute vergleichen: Was hat sich im Kabineninnenleben alles verändert?

Sehr viel. Insgesamt ist die Kabine viel stärker in den Fokus gerückt. War es früher der Flug an sich, der die Menschen anzog, so ist die Fliegerei von A nach B bei den meisten heute irgendwo zwischen Normalität und Notwendigkeit angesiedelt, in etwa wie Auto- oder Bahnfahren. Also gilt es, die Zeit, um von A nach B zu kommen, so angenehm wie möglich zu gestalten. Zum Beispiel wollen die Leute ihr Handgepäck gut verstauen können. Mehr Platz in der Kabine für das Gepäck wird immer wichtiger. Passagiere wollen bequem sitzen, Intimität und In-Flight Entertainment genießen. Der Konsument von heute ist viel anspruchsvoller geworden.

Und hier kommen die Airlines ins Spiel. Wie können sich Airlines voneinander abheben? Indem sie einen stärkeren Fokus auf die Kabine legen, in Upgrades investieren und individualisieren. Für Airlines ist die Kabine das Differenzierungsmerkmal schlechthin. Die Kabine ist neben dem Service DER Markenbotschafter.

FACC steht im direkten Kontakt zu anderen Airlines?

Aus ihrer Geschichte heraus steht FACC als Tier-1-Lieferant eher im engen Austausch mit den OEM (Original Equipment Manufacturer), also den Luftfahrzeugherstellern wie Airbus, Boeing, Bombardier oder Embraer. In unserem neuen Aftermarket Services Geschäft ist der Kunde aber auch die Airline selbst. Mit Produkten wie unserem Passenger Luggage Space Upgrade, kurz PLSU, sind wir hier zum Beispiel sehr erfolgreich. Zu einem attraktiven Preis wird mehr Platz für Handgepäck in der Kabine geschaffen und gleichzeitig ein modernes Design implementiert. Das Upgrade kann über Nacht installiert werden.

Im zweiten Interviewteil kommen wir auf die Herausforderungen der Zukunft zu sprechen: Der Kampf um jeden Millimeter. Nachhaltiges Handeln – Lippenbekenntnis oder mehr? Wachsender Wartungsmarkt. Mögliche Innovationssprünge. Viele spannende Themen … Dranbleiben lohnt sich!

von Esther Nestle

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