Flugzeugträger

Faszination Flugzeugträger

Tim Takeoff
28.01.2020
4 Fotos
5 Minuten

Unter Flugzeugbegeisterten ist es immer wieder ein Thema, und das mit Recht. Flugzeugträger stoßen seit dem Kinohit „Top Gun“ auf große Faszination, insbesondere aus technischer Sicht . Wie genau sind Starts und Landungen auf einem Träger überhaupt möglich?

Das Leben auf einem Flugzeugträger sieht für jeden Außenstehenden absolut chaotisch aus. Viele Flugzeuge, Helikopter und ebenso viele Menschen bereichern das Deck. Kampfjets werden mit großen Bühnen aus dem Inneren des Schiffes ans Tageslicht gehoben. Für die Mission benötigte Waffen werden von Technikern an den Flugzeugen befestigt. Dampf aus den Dampfkatapulten hüllt das Deck in eine mystische Stimmung. Immer wieder hört man den Nachbrenner der startenden (und manchmal auch landenden) Flugzeuge.

Der Supercarrier

Moderne Flugzeugträger sind schwimmende Festungen. Sie können bei Tag und Nacht ihr wildes Flugzeugimperium an jeden Punkt der Welt befördern. Starke Raketenabwehrsysteme und Radartechnik auf aktuellstem Stand machen sie als mobilen Stützpunkt für die großen Streitmächte unersetzbar. Ein aktueller Träger der USS Gerald R.-Ford-Klasse kann bis zu 90 Luftfahrzeuge mit sich führen. Das Flugdeck ist mit seinen über 330 Metern Länge und 78 Metern Breite ein Monument. Er wird als „Super-Carrier“ bezeichnet, aufgrund der enormen Kapazitäten. Erstmals wird ein Katapultsystem auf elektromagnetischer Basis (EMALS – Electromagnetic Aircraft Launch System) erprobt. Es sorgt für eine erhöhte Startrate und geringeren Verschleiß.

Vor einem großen Einsatz werden die Flugzeuge von den Basen am Festland auf den Träger überführt. Dies ist bei der Ankunft besonders beeindruckend, wenn die Flugzeuge nach und nach den Koloss aus Stahl zum Leben erwecken. Jäger, Hubschrauber, AWACS zur Luftüberwachung und Flugzeuge zur Luft-zu-Luft Betankung schmücken das Deck.

Der Takeoff

Beispiel F/A-18 Hornet

Aktuelle Kampfflugzeuge, wie beispielsweise die F/A-18 Hornet, sind ganz besonders für den Betrieb auf See ausgerüstet. Ihr Flugkontrollsystem erlaubt es dem Piloten beim Start auf dem Träger die Hände vom Steuerknüppel zu nehmen. Er muss sich lediglich „gut festhalten“. Das System setzt automatisch die korrekte Trimmung für den Start. Die Richtung wird durch die Katapultschiene gehalten. Der Officer auf dem Deck gibt das Signal zum „Schuss“. Eine genau eingestellte Menge Energie wird über das Katapult erzeugt, um den Jet zu beschleunigen. Zusätzlich reduziert die Geschwindigkeit des Trägers (bis zu 35 Knoten) die benötigte Energie für einen sicheren Start. Das Flugkontrollsystem stellt den Anstellwinkel automatisch so ein, dass die F/A-18 einen optimalen Steigwinkel erhält. Der Pilot kann danach direkt übernehmen, das Fahrwerk einfahren und seine Mission beginnen.

Landung auf dem Träger

Es gibt insgesamt drei Verfahren, auch Fälle genannt, wie ein Jet auf einem Flugzeugträger landet: Bei gutem Wetter und klarer Sicht kann nach Sichtflugregeln (Wolkenuntergrenze und Sicht nicht unter 3.000 Fuß, bzw. 5 Nautische Meilen) gelandet werden, hier spricht man von Fall 1, oder Case I. Case II erwartet bereits eine Wolkengrenze von minimal 1.000 Fuß, und beinhaltet bereits funkgestützte Anflugverfahren. Bei Case III beträgt Sicht und Untergrenze weniger als 5 Meilen oder 1.000 Fuß, und benötigt damit eine vollautomatische Landung. Ja, ihr habt richtig gehört. Dieses Verfahren wird aber so gut es geht vermieden, denn im Ernstfall kann der Feind diese Landung durch Störsender verhindern.

Das Verfahren bis zum „Groove“

Jeder Jet kommt im Anflug in Landerichtung des Trägers, welcher nach einem Überflug in einem „Break“ nach Links in den Gegenanflug dreht. Landefanghaken, Fahrwerk und Klappen werden gesetzt. Der Pilot muss dabei die Geschwindigkeit bereits exakt einstellen, denn bei der Landung kommt es auf eine genaue Einhaltung des Anstellwinkels an. Dieser ergibt sich aus dem Gleitpfad zur Landung und der Geschwindigkeit.

In circa 450 Fuß dreht der Jet in den Endanflug, circa eine ¾ Nautische Meile vom Flugzeugträger entfernt. Er befindet sich dann im sogenannten „Groove“.

Der „Fleischball“

In dieser kritischen Flugphase kommt es dann auf die scherzhaft „Meatball“ (Fleischball) genannte Anflughilfe an. Sie ist links des Landedecks angeordnet und hat ähnliche Funktionen wie eine PAPI (Precision Approach Path Indicator). Genauer gesagt, ist damit das IFLOLS (Improved Fresnel Lens Optical Landing System) gemeint. Es zeigt dem Piloten sehr exakt seine Position im Anflug an. Mehr oder weniger Schub? Achte auf den Meatball! Es gilt, das immer enger werdende Nadelöhr zu treffen, denn das Landedeck ist nur wenige Meter breit.

Die Seile und „Military Power“

Auf dem Deck befinden sich insgesamt vier gespannte Fangseile. Als Pilot zielt man immer auf das dritte Seil. Fängt man das erste oder zweite Seil, hat man eine zu kurze Landung absolviert. Erwischt man das letzte Seil, spricht man von einer langen Landung. Sobald die Räder des Fahrwerks das Deck berühren, gehen die Schubhebel direkt in die „Military Power“ Stellung. Das ist der maximalste Schub ohne den Einsatz des Nachbrenners. Der Pilot weiß im Moment des Aufsetzens nicht, ob er ein Seil getroffen hat, der das tonnenschwere Flugzeug im besten Fall in Sekundenbruchteilen zum Stehen bringt. Deshalb geht er immer von einem „Wave Off“, einem Durchstarten aus. Jeder Pilot teilt sich den Treibstoff so ein, dass er zwei Anflüge im „Ärmel“ hat. Funktioniert dies nicht, muss er zunächst zur Luftbetankung. Klappt es aber, muss er schnell den Schub zurücknehmen, den Haken einfahren und das Deck für die nächste Maschine freimachen.

Der LSO

Der „Landing Signal Officer“, Rufzeichen „Paddles“, kann dem Piloten während der Landung auch akustisch Unterstützung geben. Er behält ihn während des Anfluges mithilfe einer sehr genauen Kameratechnik im Blick und kann kleinste Abweichungen korrigieren. Er ist selbst Pilot und kann im Zweifel jederzeit zum „Wave Off“, dem Durchstarten, auffordern. Interessant ist: Er bewertet sogar die Landungen der Piloten, was in deren Akte niedergeschrieben wird und maßgeblich die Karriere beeinflussen kann.

Spätestens mit dem Erscheinen des neuen „Top Gun“ Films, mit Star-Pilot Tom Cruise, wird es in diesem Jahr eine spannende Rückkehr an Bord dieser Giganten geben. Hier geht es zum Trailer von Top Gun 2:

Titelbild https://de.wikipedia.org/wiki/Gerald-R.-Ford-Klasse#/media/Datei:Bow_view_of_USS_Gerald_R._Ford_(CVN-78)_underway_on_8_April_2017.JPG

von Tim Takeoff

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