Ökoflug - Airbus E-Fan

Cher Monsieur Faury: Wann kommen kommerzielle Ökoflüge? Die Story des E-Fan

Esther Nestle
21.05.2019
4 Minuten

Airbus will in nicht allzu ferner Zukunft rein mit Strom abheben. Verkündet der neue Airbus-Chef Guillaume Faury, der jüngst die Parole „emissionsfrei fliegen“ ausgab; der Flugverkehr auch mit größeren Jets soll, kann und muss demzufolge elektrisch werden. Cher Monsieur Faury: Wann kommt der Tag, an dem wir mit ruhigem Öko-Gewissen um die Welt jetten können?

Die ernüchternde Antwort gleich vorneweg: Emissionsfreie Langstreckenflüge großer Jets zeichnen sich bislang keine am Horizont ab. Zumindest noch nicht. Trotzdem ist es gut, die Vision vom umweltfreundlichen, klimaneutralen Touristenbomber zu entwickeln. Think big. Nur wer groß denkt, kann viel erreichen. So wie es zum Beispiel Herr Faury tut – und der Welt vollmundig kundtut.

Während es auf den Straßen unserer Erde vermehrt surrt, lädt Airbus seine Akkus für die Luft auf. Dessen Ingenieure forschen – wie viele andere auch – an emissionsfreien Flugzeuglösungen. Elektrisch wird uns in Zukunft weiterbringen, sagen sie.

Grund genug, um genauer hinzuschauen: Was genau bekamen und bekommen die E-Tüftler von Airbus bislang schadstofffrei in die Luft?

2015: E-Fan – abgasfrei abheben

Ein von Airbus entwickeltes Flugzeug namens E-Fan überquert mit rein elektrischem Antrieb den Ärmelkanal. Ein entscheidender Schritt für die Fortschreibung der Fluggeschichte? Genau weiß wohl noch keiner, wo diese technische Errungenschaft uns einmal hinführen wird. Aber eins ist auf jeden Fall klar: Elektroflüge sind weit mehr als nur die Spinnerei einiger weniger; kommerzielles Ökofliegen rückt in technisch machbare Sphären. Aber in welchem Umfang? Welche Strecken können zukünftig bewältigt werden, und welche Flugzeuggrößen sind möglich?

Die Entstehung des Airbus E-Fan

2016: E-Fan Plus – Kompromisse tragen weiter?

Gleich 2016 schicken die Airbus-Ingenieure E-Fan Plus hinterher: Neben dem reinen Elektroantrieb verfügt das Folgemodell über einen zusätzlichen Hybridantrieb, das heißt ein Verbrennungsmotor kann zugeschaltet werden. Der Vorteil? Weitere Strecken. Der Nachteil? Mehr Treibhausgasemission. Also letztlich dasselbe Spiel wie auf dem Boden, wo sich die reinen E-Automodelle und die Hybridmodelle um das richtige Verhältnis von Klimafreundlichkeit und Fortbewegungsradius gegenseitig Konkurrenz machen und um die Gunst der Verbraucher batteln.

Mit Solar Impulse 2 einmal um die Welt. Kersosinfrei!

Einen ganz anderen Weg des Ökofliegens wählt der Abenteurer Bertrand Piccard, der das Kunststück vollbringt, ohne einen Tropfen Kerosin nicht nur über den Ärmelkanal zu hüpfen, sondern gleich mal um die ganze Welt! Dieser spektakuläre Null-Kerosin-Flug gelang dem umtriebigen Schweizer mit Hilfe von 60-Meter-Flügeln, vollbepackt mit Solarzellen.

Man kann sich gut vorstellen, wie die Ingenieure interessiert die Weltumrundung von Bertrand Piccard verfolgt und untereinander diskutiert haben. Als massentauglich scheint das hinter Solar Impulse 2 liegende Prinzip indes niemand einzustufen.

2020 (?): E-Fan X – ein guter Anfang, mehr nicht.

Hinter diesem knochentrockenen Projektnamen steht ein vierstrahliger Jet, für dessen Entwicklung Airbus gemeinsame Sache mit Siemens und Rolls-Royce macht. Projektziel ist, eine der vier Turbinen mit elektrischem Antrieb auszustatten und auf den Markt zu bringen. In 2020 soll der Prototyp seine ersten Testflüge absolvieren und im Laufe der 30er Jahre in die Serienproduktion münden – so die bislang kommunizierten Milestones.

Geplant ist, diese Technologie bei kleineren Regionaljets mit bis zu 100 Sitzplätzen in Einsatz zu bringen. Klar wird E-Fan X das Emissionsniveau deutlich nach unten drücken. Ein echter Fortschritt, auf das unser Weltklima indes noch zwölf Jahre warten muss. Und auch dann liegt das NULL-Emissionsziel liegt noch in weiter Ferne.

Paul Stein, Chief Technology Officer Rolls Royce, zum E-Fan X Programm von Airbus, Rolls Royce und Siemens

Liegt die doppelte Sensation in der Luft?

Allerdings scheint sich hinter den verschlossenen Türen von Airbus noch mehr zu tun. Wie sonst ist die Aussage vom erst im April angetretenen neuen Airbus-Chef Guillaume Faury zu werten, dass ein rein elektrisch betriebener Flieger für den kommerziellen Flugverkehr auf den Markt kommen soll (Sensation!) und zwar bereits in +/-zehn Jahren (doppelte Sensation!)??

Lassen wir uns überraschen! Selbstredend, dass auch die Konkurrenz nicht schläft. Das Rennen um die E-Lufthoheit ist im vollen Gange. Wird der Traum vom kommerziellen Ökofliegen vielleicht doch schneller Wirklichkeit als wir heute noch glauben? Das wäre grandios für unser aller Öko-Gewissen und natürlich bitter nötig für unser aufgeheiztes Weltklima. Cher Monsieur Faury, deshalb bitte keine Luftnummer bei Ihrer Antwort auf diese Frage: Wann kommen kommerzielle Ökoflüge?

Mehr zum Thema elektrisches Fliegen findet ihr in diesen WingMag-Beiträgen:

Elektrisches Bugrad / Rolls Royce – Schnellstes Elektroflugzeug der Welt / easyJet – 2019 schon erste Flüge mit Elektroflieger

Titelbild – Quellennachweis für redaktionelle Verwendung: Sergey Kohl / Shutterstock.com

von Esther Nestle

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