Fliegen in der Schwangerschaft

Fliegen in der Schwangerschaft: wie groß ist das Risiko?

Jennifer Weitbrecht
16.11.2020
6 Minuten

Viele werdende Eltern möchten vor der Geburt ihres Kindes noch ein letztes Mal einen Urlaub zu zweit genießen. Noch einmal so richtig entspannen, bevor die ganze Welt auf dem Kopf steht und sich alles vorerst nur noch um das kleine Wesen dreht.

Egal ob es sich bei der Flugreise um einen letzten Urlaub vor der Geburt, den Besuch von Verwandten und Freunden oder um eine Businessreise dreht, die meisten werdenden Mütter fragen sich vermutlich: „Schadet das Fliegen in der Schwangerschaft meinem Baby und was sollte ich beachten?“

Welche Risiken bestehen beim Fliegen in der Schwangerschaft?

Erst einmal können wir eine Entwarnung für Flugbegeisterte geben: Fliegen in der Schwangerschaft ist weniger problematisch als häufig befürchtet. Sofern die Schwangerschaft bisher unauffällig verlaufen und sowohl die werdende Mutter als auch das ungeborene Kind gesund sind, steht einer Flugreise während der Schwangerschaft nicht viel im Wege. Natürlich gibt es Restrisiken, die bedacht werden sollten:

Erhöhtes Thromboserisiko beim Fliegen in der Schwangerschaft

Starten wir gleich mit dem wohl wichtigsten Faktor: Das erhöhte Thromboserisiko durch langes Sitzen, vor allem auf Langstreckenflügen, ist kein Geheimnis. Eine bestehende Schwangerschaft erhöht das Thromboserisiko noch weiter. Kommt beides zusammen, empfiehlt es sich, Vorsorgemaßnahmen zu ergreifen:

Höhenstrahlung – eine Gefahr für das ungeborene Kind?

Jeder weiß, dass Röntgenaufnahmen in der Schwangerschaft das ungeborene Kind beeinträchtigen können, weniger bekannt sind jedoch die möglichen Auswirkungen der Höhenstrahlung während der Schwangerschaft.

Jeder Passagier ist beim Fliegen einer erhöhten Strahlenbelastung, der sogenannten kosmischen Höhenstrahlung, ausgesetzt. Je länger der Flug und je höher die Flughöhe, desto größer die Belastung. Auch die Flugroute hat Einfluss: je näher die Route an den Polen vorbeiführt, desto größer die Strahlung.

Besonders in den frühen Wochen der Schwangerschaft, ist die Strahlung gefährlich für das ungeborene Kind, da sie Fehlbildungen begünstigen kann. Doch warum ist das so? Ab der 5. Woche entwickeln sich die Organe des Fötus – eine ganz besonders sensible Phase in der embryonalen Entwicklungszeit. Von Langstreckenflügen sollte daher im ersten Trisemester abgesehen werden. Zu einem späteren Entwicklungsstadium ist das Risiko von Fehlbildungen sowie einer Fehlgeburt deutlich geringer.

Noch ein Satz zur Beruhigung: Natürlich ist die kosmische Strahlungsbelastung in der Luft in der Regel höher als am Boden, doch auch am Boden variiert die Strahlung regional mitunter stark, so dass in manchen Regionen die Belastung am Boden sogar höher ist als in der Luft.

Geringerer Sauerstoffgehalt im Flieger

Je höher man fliegt, desto weiter sinkt der Sauerstoffgehalt der Luft. Ein geringerer Sauerstoffgehalt kann grundsätzlich vor allem in den ersten 3 Schwangerschaftsmonaten das Risiko einer Fehlgeburt erhöhen.

Auch hier können wir dich beruhigen: Bei normaler Reiseflughöhe ist der Unterschied im Sauerstoffgehalt der Luft zu gering, um ein ernsthaftes Risiko darzustellen. Das gilt zumindest für normale, komplikationslose Schwangerschaften. Sollte bereits eine Unterversorgung des Kindes im Mutterleib vorliegen, kann die Flugreise die Situation im schlimmsten Fall tatsächlich weiter verschlechtern.

Fliegen in der Schwangerschaft

Fliegen in der Schwangerschaft – Risiken und Regelungen nach Trisemestern

Wie unbedenklich das Fliegen in der Schwangerschaft ist, hängt auch vom Einzelfall ab. Verläuft die Schwangerschaft unauffällig und geht es Mutter und Kind gut, kann ab dem zweiten und bis ins dritte Trimester hinein ohne besonders hohes Risiko geflogen werden – insbesondere auf Kurzstreckenflügen.

Informiere dich am besten frühzeitig bei den in Frage kommenden Fluggesellschaften über die geltenden Regelungen, da diese durchaus variieren können. Wer möchte schon hochschwanger am Flughafenschalter stehen und wieder weggeschickt werden …

1. Trisemester (Schwangerschaftswoche 1 bis 12)

Der Embryo ist in den ersten drei Monaten einer Schwangerschaft besonders empfindlich, da sich die Organe entwickeln. Das Risiko einer Fehlgeburt ist in diesem Zeitraum am höchsten. Sollte eine Flugreise nicht unbedingt notwendig sein, sollte in den ersten 12 Wochen auf das Fliegen verzichtet werden, insbesondere auf Langstreckenflüge.

2. Trisemester (Schwangerschaftswoche 13 bis 24)

Sobald das zweite Trisemester der Schwangerschaft erreicht wurde, also etwa um die 13. Schwangerschaftswoche, sinkt das Risiko von Fehlbildungen sowie einer Fehlgeburt um ein Vielfaches. Falls eine Flugreise während der Schwangerschaft geplant ist, wäre jetzt der beste Zeitraum: Morgenübelkeit und Müdigkeit haben nachgelassen, die kritische Phase der Organentwicklung ist vorbei, eine Frühgeburt kann ausgeschlossen werden und der Schwangerschaftsbauch stört noch nicht allzu sehr.

3. Trisemester (Schwangerschaftswoche 25 bis 40)

Mit der 25. Schwangerschaftswoche beginnt das dritte Trisemester. Einige Fluggesellschaften verlangen nun ein Attest des Frauenarztes zur Flugfähigkeit der Schwangeren. Ab der 36. Woche wird eine Beförderung durch die meisten Fluggesellschaften ausgeschlossen, bei einer Zwillings- oder Mehrlingsschwangerschaft teilweise schon ab der 29. Woche.

Einer der Gründe ist das Risiko einer Frühgeburt (wie im September in den Schlagzeilen). Doch wer möchte das wirklich über den Wolken, mit nicht optimaler medizinischer Versorgung, erleben? Daher sollte circa ab der 28. Woche nicht mehr geflogen werden.

Fliegen mit Attest vom Frauenarzt

Sollte sich ein Fliegen im letzten Trimester nicht vermeiden lassen, so wird ein Attest vom Gynäkologen benötigt. Vordrucke können auf den Internetseiten der meisten Fluggesellschaften gefunden werden. Achtung: Das Unterschriftsdatum auf dem Attest sollte beim Einchecken am Flughafen nicht älter als zwei Wochen sein. Im Attest sind folgende Angaben enthalten:

Du musst nicht nur das Attest, sondern auch den Mutterpass beim Check-in vorlegen. Danach solltest du beides sicher im Handgepäck verstauen.

Fliegen in der Schwangerschaft

Tipps für das Fliegen in der Schwangerschaft

Noch ein wichtiger Tipp zum Schluss: Der Sicherheitsgurt im Flieger sollte immer unter dem Bauch festgezogen werden, damit das ungeborene Kind auch bei Turbulenzen unbeschadet bleibt.

Was tun, wenn Fliegen dein Job ist?

In der Luftfahrt gelten strenge Regeln für schwangere Flugbegleiterinnen und Pilotinnen: Sie sind sofort nach Bekanntgabe der Schwangerschaft von ihrem Dienst befreit.

Sollten Pilotinnen weiterfliegen wollen, kann bei komplikationsloser Schwangerschaft und Abklärung mit dem Gynäkologen eine Ausnahmeregelung bis zur 26. Schwangerschaftswoche erreicht werden. Du kannst dich bei deinem Arbeitgeber genauer über mögliche Ausnahmen erkundigen.

Wann das Fliegen in der Schwangerschaft unbedingt vermieden werden sollte

Wie bereits erwähnt, ist das Fliegen in der Schwangerschaft bei gesunder Mutter und gesundem Kind kein Problem. Anders sieht es jedoch aus, wenn bereits Probleme vorliegen.

In diesen Fällen sollte vom Fliegen in der Schwangerschaft abgesehen werden:

von Jennifer Weitbrecht

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