Linda Luftikuss - Kolumne

Unsere Fluggäste während des Service – große Unterhaltung …

Linda Luftikuss
16.07.2020
3 Minuten

Heute war mal wieder ein ganz normaler Flug mit passagiertypischen Verhaltensmustern, Fragen und kleinen Szenarien, wie wir sie des Öfteren während des Service an Bord erleben. Davon möchte ich euch heute berichten. Es war ein Rückflug von irgendwoher in Europa. An Bord waren hauptsächlich Urlauber, keine Geschäftsleute.

Reihe 5: Auf den Plätzen A und B sitzen zwei circa 24-jährige Frauen. Sie sind nahtlos und ebenmäßig braungebrannt. Dazu tragen sie platinblond gefärbte Haare und zwei tiefe, sehr tiefe, Dekolletés. Die Frau am Fensterplatz trägt eine rosa Kappe. Gleiche Reihe, allerdings auf dem gegenüberliegenden Fensterplatz, Platz F, sitzt ein dickbäuchiger Familienvater, der mit seinem Sohn im Urlaub war. Durch den Kragen seines grünen Camp David T-Shirts blitzt eine dicke Goldkette hervor. Schon vor dem Service sieht man es ihm an: Er liebäugelt mit dem Gedanken, sich zu den beiden Urlauberinnen auf Platz A und B zu setzen. Was er dann auch prompt macht, im Service drei Prosecco bestellt und die beiden Sitznachbarinnen einlädt. Anhand ihrer Gesichtsausdrücke lässt sich nur schwer erahnen, ob sie sich über den Besuch erfreuen. Den Prosecco trinken sie jedenfalls.

Aus Reihe sieben kommt ein junger Mann panisch zum Servicetrolley gelaufen. In der Hand hält er einen angebissenen Schokoriegel, den ich ihm vor fünf Minuten verkauft habe. Aufgeregt fuchtelt er mit der Süßigkeit vor meinen Augen herum und beschwert sich in Schnappatmungssätzen darüber, dass der Riegel über dem Haltbarkeitsdatum sei. Ich nehme die Verpackung in die Hand und gucke auf das Datum, von dem er spricht. Es ist das Verpackungsdatum. Das Ablaufdatum, weit in der Zukunft, steht rechts daneben.

In Reihe 19 sitzt eine Dame, alleine. Sie erklärt mir, dass sie eine Erdnussallergie hat und verlangt, dass die drei Reihen vor und hinter ihr während des Service überhaupt keine Erdnüsse serviert bekommen. Freundlich erkläre ich ihr, dass wir das nicht immer gewährleisten können. Ein Flugzeug ist ein öffentliches Verkehrsmittel, ich kann meinen Gästen schlecht vorschreiben, welche Lebensmittel sie verzehren dürfen und welche nicht. Ob im Service, davor oder danach. Zumal es sich auch schlecht kontrollieren lässt, ob die anderen Gäste dieser Regelung nachkommen.

Reihe 26: Meine Frage, ob jemand in dieser Reihe im Service etwas kaufen möchte, wird verneint. Ein junger Mann aber schaut mich an und fragt: “Ich nehme vom Flughafen aus einen Mietwagen. Können Sie bei der Autovermietung Bescheid geben, dass ich später komme? Die machen gleich zu.”

Finde nur ich das Verhalten von dem ein oder anderen Passagier seltsam oder liege ich komplett daneben? Wie seht ihr das?

Always happy landings,
eure Linda Luftikuss

Titelbild von Lukas Bieri auf Pixabay 

von Linda Luftikuss

Related Posts