Flughafenbefeuerung - Lichter - Signale - Flughafen

Einfach erklärt: Flughafenbefeuerung

Tim Takeoff
13.09.2019
3 Fotos
5 Minuten

Sie geben oft eine beeindruckende nächtliche Kulisse ab: Die Lampen und Lichter auf einem Flughafen. In der Fachsprache spricht man hier von: Flughafenbefeuerung. Der Begriff kommt nicht von ungefähr.

Bereits in den Anfängen der Fliegerei versuchte der Mensch, bei Tag und Nacht in die Luft zu kommen. Schnell verstand man die Problematik bei schlechten Sichtverhältnissen. Nicht nur in der Nacht, auch bei Dämmerung, Morgengrauen oder Nebel konnte es ein waghalsiges Unterfangen sein, sicher zu rollen, zu starten und wieder zu landen.

Brennende Ölfässer

Bereits im ersten Weltkrieg war es für jede Streitmacht von größter Wichtigkeit, den Feind auch in der Nacht anzugreifen und somit auch bei Nacht zu starten und zu landen. Man griff bei der Beleuchtung zunächst auf brennende Ölfässer zurück, später auch Öllampen und sogar Fackeln. Jedes Mittel war recht, um den eigenen Piloten das Auffinden der Landebahn zu erleichtern.

Modernste Technik auf dem gesamten Flughafen

Inzwischen hat sich die Flughafenbefeuerung zu einem hochkomplexen System entwickelt. Wo man bis Anfang der 2000er Jahre noch Halogenlampen nutzte, setzen die meisten modernen Airports auf sparsame und langlebige LED-Technik.

Die Befeuerung kann individuell vom Vorfeld-, oder Towerlotsen gesteuert werden. Einzelne Elemente können dazu- und abgeschaltet oder gedimmt werden. Nicht nur auf der Piste selbst, sondern auch auf den Rollwegen, Vorfeldern und Parkpositionen, sind die unterschiedlichsten Leuchtkonzepte auszumachen.

Vor einem Stromausfall schützen Notfall-Aggregate und Batterien, die in Sekundenschnelle die Versorgung übernehmen können.

Rot mahnt zur Vorsicht

Am Terminal sind die genauen Bezeichnungen der Gates ausgeschildert, und selbstverständlich beleuchtet. Rot bedeutet stets: Achtung! Ein rotes Blinklicht (Beacon) am Flugzeug selbst zeigt allen beteiligten Personen an, dass es sich im Betrieb befindet, oder sich in kurzer Zeit in Gang setzen wird. Höchste Vorsicht ist geboten. Alle beweglichen Geräte sind mit so einer Warnleuchte ausgestattet. Egal, ob es sich um eine Treppe, die Gangway oder weitere Fahrzeuge auf dem Vorfeld handelt.

Flughafenbefeuerung im Detail

Rollwege sind immer mit blauen Lichtern am Rand gekennzeichnet. Der Pilot kann der Mittellinie (grün) folgen. Da alle Rollwege gleich beleuchtet sind, muss man außerdem immer auf die gelben Bezeichnungsschilder am Rollwegrand achten. Sie geben Informationen über den Namen der Rollwege sowie kreuzende oder anstehende Landebahnen. Ein Verrollen am Boden ist nicht nur peinlich für den Piloten, sondern kann im schlimmsten Fall auch zur Katastrophe führen (wie etwa die Flugzeugkatastrophe von Teneriffa im Jahre 1977). Gerade deshalb ist eine eindeutige Befeuerung unerlässlich.

„Follow-The-Greens“

Auf den modernsten Flughäfen der Welt (z.B. Singapur) wird sogar ein ganz besonderes System eingesetzt. Es nennt sich „Follow-The-Greens“: Wie der Name schon sagt, erkennt die Rollfeldbefeuerung das ankommende Flugzeug und schaltet nur die Lampen ein, die den nächsten Rollweg unmittelbar anzeigen. So ist ein Verrollen am Boden (fast ;-)) unmöglich, und macht es dem Piloten auch bei schlechten Sichtverhältnissen leicht, den Weg zu finden.

Die Stop-Bar

An der Piste angekommen, zeigen rot erhellte Schilder am Rollweg die anstehende Start- und Landebahn an. Erhöhte Vorsicht ist hier von größter Bedeutung. Jederzeit können Flugzeuge landen, die man oft aus der engen Kanzel nicht besonders gut erkennen kann. Quer zum Rollweg sind an diesem Punkt die sogenannten „Stop-Bars“ verbaut. Im Boden eingelassen verlaufen Lichter, die vom Lotsen auf Rot (STOP!) geschaltet werden können. Eine rote Stop-Bar ist wie eine Ampel und darf unter keinen Umständen überrollt werden. Selbst wenn der Lotse bereits über Funk eine Freigabe erteilt hat, aber schlichtweg vergisst, die Stop-Bar abzuschalten, darf nicht gerollt werden.

Bahnbefeuerung

Auf der Bahn selbst gibt es je nach Kategorie der Flughäfen unterschiedliche Befeuerungssysteme. Die wichtigste Beleuchtung stellt die weiße Begrenzungsbefeuerung am Rand der Bahn dar. Sie ist in Abständen von 60 Metern angebracht. Dies hilft dem Piloten bei Nebel, die verbleibende Sichtweite besser einschätzen zu können, da man schlichtweg „Lampen zählen“ muss.

Die Mittellinie ist alle 15 Meter mit im Boden eingelassenen, sogenannten Unterflur-Richtstrahlern gekennzeichnet. Richtstrahler deshalb, weil es unterschiedliche Farben für die jeweilige Landerichtung gibt. So erkennt man im Anflug sofort, wenn man auf eine nicht aktive Landebahn anfliegt.

Das PAPI

Im Anflug selbst verlässt sich der Pilot (sogar bei Tage) auf das sogenannte PAPI (Precision-Approach-Path-Indicator-System). Es zeigt eindeutig den korrekten Gleitweg (meist drei Grad) im Endanflug an. Das PAPI besteht aus vier weiß-roten Lampen. Leuchten zwei weiß und zwei rot, erkennt der Pilot, dass er sich auf dem richtigen Gleitpfad befindet. Mehr rot als weiß bedeutet zu tief. Vier weiße Lampen bedeuten: Durchstarten, der Anflug war zu hoch.

Anflugbefeuerung im Detail

Etwa einen Kilometer vor der Piste beginnt die Anflugbefeuerung. Auch hier gibt es unterschiedliche Typen. Grundsätzlich stehen aber in der verlängerten Mittellinie der Bahn weiße Feuer – alle 30 Meter versetzt nebeneinander. Ergänzend zu diesen, kann bei schlechter Sicht sogar ein super-helles Blitzlicht, das entlang der Mittellinie abläuft, zugeschaltet werden.

Über den Abstand von 300 Metern informiert ein weißer Hochleistungsquerbarren den Piloten. Um eine zu frühe Landung zu verhindern, ist vor der Bahn eine Abfolge roter Leuchten installiert, sowie ein weiterer, etwas dickerer Querbalken mit weißen Feuern. Hat man die Piste erfolgreich gefunden, wird man mit einer Querkette grüner Lichter belohnt. Sie deuten auf den Anfang der Landebahnschwelle hin. Dicht gefolgt von der Aufsetzzone. Diese ist auf einer Länge von 900 Metern mit weißen Lichtblöcken markiert, die im Boden eingelassen sind. Am Ende der Bahn angekommen, deuten rote Feuer auf eben jenes hin. So kann der Pilot die verbleibenden Meter zum Abbremsen am Besten einschätzen.

Besondere Ausnahmen

Natürlich gibt es auch ständig Ausnahmen, um flughafenspezifische Besonderheiten abzudecken. In New York findet man sogar eine gekrümmte Anflugbeleuchtung, da in niedriger Höhe im Endanflug noch eine Kurve beim sogenannten „Canarsie Approach“ geflogen werden muss (wir berichten hier). Auch am alten Flughafen „Kai Tak“ in Hong Kong musste aufgrund eines Berges im Anflug ein ähnliches Verfahren eingesetzt werden (mehr dazu hier).

Wenn ihr demnächst also mal wieder einen nächtlichen Abflug erleben dürft, achtet doch einmal genau darauf, ob ihr die einzelnen Bestandteile der Beleuchtung erkennen könnt. Ebenfalls gut zu erkennen ist sie in diesem Video:


von Tim Takeoff

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