Flugsimulator - Cockpit

Flugsimulator – Fliegen auf dem Boden der Tatsachen

Tim Takeoff
21.09.2018
2 Fotos
4 Minuten

Flugsimulator? Das gibt es doch als Videospiel für den heimischen Computer, könnte man denken. Doch auch die professionelle Luftfahrt hat sich früh die Vorteile des synthetischen Fliegens zunutze gemacht.

Einer der wichtigsten Bestandteile der Flugsicherheit besteht aus der Erfahrung des Piloten. In den Anfängen der Fliegerei wurde diese über die steinige „Try-and-Error“-Methode erlernt. Fehler wurden gemacht und damals sogar häufig mit dem Leben bezahlt. Die Menschen wurden vorsichtiger. Es musste Möglichkeiten geben, Erfahrung ohne den Einsatz teurer Materialien und wertvoller Menschenleben zu vermitteln.

Bereits zu Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die ersten Geräte entwickelt, um das Fliegen zu simulieren, anstatt sich selbst in Gefahr zu bringen. Auch wenn man hier nur über einfache Links-Rechts-Bewegungen sprach, war es doch ein gutes Mittel, um Piloten intensiver zu schulen. Später näherte man sich immer mehr der Realität an. Zunächst im militärischen, später auch im zivilen Bereich. Die Fliegerei ist heute in allen Facetten sehr weit fortgeschritten, doch ohne den Einsatz immer modernerer Flugsimulatoren wäre diese Entwicklung so niemals möglich gewesen.

Flugsimulator – vom Modellbau bis zum Zweimann-Cockpit

Sogar Modellflieger üben heutzutage per Anschluss der eigenen Fernbedienung am PC, bevor sie ihr sündhaft teures „Spielzeug“ in die Luft bringen. In der Hobby-Fliegerei werden die verschiedensten Systeme und Abläufe bereits am Computer vermittelt, um reale Flugstunden auf die wichtigsten Punkte beschränken zu können.

Vor allem in der kommerziellen Fliegerei sind Simulationen nicht mehr wegzudenken. Angehenden Piloten wird zunächst im sogenannten „Type Rating“ an simplen Postern das Cockpit näher gebracht. Welches System befindet sich wo und wie sehen die Schalter aus?

Trockenübungen

Als nächstes stehen Trockenübungen in einem festen, unbeweglichen „Procedure Trainer“ an. Hierbei handelt es sich um verschiedenste Monitore und einen einfachen Bildschirm, um zu lernen, wann Aktionen notwendig sind und wo man hingreifen muss.

Ist dieser wichtige Prozess geschafft, erfolgt das weitere Training hauptsächlich in einem supermodernen Cockpit-Simulator. Dieser kann fest installiert sein – man spricht von einem „Fixed Base Simulator“. Er besteht primär aus einem Kasten, in dem sich ein 1:1-Abbild des Cockpits befindet. Besonders wichtig ist, dass jedes Display und jeder Schalter dieselbe Form, Farbe, Position und Funktion wie im echten Flugzeug besitzt. Über ein hochmodernes Kamera-Beamer-System projiziert man ein 180-Grad-Bild der Umgebung vor die Cockpitfenster, das „Visual“.

Der „Full Flight Simulator“

Wird dieser „Kasten“ dann auf mehrere, hydraulisch extrem schnell arbeitende Füße gestellt – die sogenannte „Motion“ – befindet man sich in einem „Full Flight Simulator“. In diesen geht man über eine Brücke hinein, die bei Betrieb hochgefahren wird.

Die Software dieses (mehrere Millionen Euro teuren) Simulators ist mit absolut detailgetreuen Datensätzen gefüttert und verbindet nun sämtliche Systeme miteinander. Dem Piloten wird im Zusammenspiel mit „Motion“ und „Visual“ ein teilweise gespenstisch echtes Abbild sämtlicher Flugzustände ermöglicht.

Das ganze nochmal!

Die Möglichkeiten des Trainings für Piloten sind unschätzbar vielfältig. Notsituationen im echten Flugzeug darzustellen und zu üben, grenzt an Unmöglichkeit. Für diese Übungen des Ernstfalls geht man mit einem Trainer in den Flugsimulator. Er sitzt hinter der zu trainierenden Crew, bedient den Simulator, liefert Erklärungen und behält die „Oberhand“.

So werden normale und auch abnormale Flugzustände immer wieder geübt. Druckabfall, Feuer, Triebwerksausfall, Vogelschlag, Kollisionswarnung, extreme Witterungen, Seitenwind, Startabbrüche, Durchstartmanöver … Die Liste ist lang.

Es ist sogar möglich, echten Rauch zu erzeugen, der den Piloten zum Handeln zwingt. Es werden reale Sauerstoffmasken aufgezogen, wie sie in jedem Cockpit installiert sind. Man arbeitet so nah an der Realität, wie nur möglich. Trainiert wird solange, bis sich alle Teilnehmer ihrer Sache sicher sind. Darum wird die Situation einfach immer wieder wiederholt.

Erfahrung weitergeben

Bei der Ermittlung von Flugunfällen setzt man unabhängige Crews in den Simulator, um die Situation anhand realer Daten der Flugschreiber nachvollziehen zu können. Es werden Ursachen und Möglichkeiten erforscht und Zusammenhänge dargestellt. Nur so ist man in der Lage, neue und verbesserte Verfahren zu entwickeln, um das Flugzeug weiterhin als das sicherste Verkehrsmittel der Welt zu etablieren.

Lust bekommen? Selbst ausprobieren!

Das Ganze hat jedoch seinen Preis. Eine Flugstunde im Full-Flight-Simulator kostet in der Regel zwischen 500 und 1.000 EUR. Nichts für zwischendurch, aber eine Erfahrung wert.

Bilder © SFS

von Tim Takeoff

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