Flyboard Air - Zapata Racing

„Flying Man“ und Flyboard Air – „Zurück in die Zukunft“ in der Gegenwart

Reiner Hertl
17.09.2019
8 Fotos
6 Minuten

Im Kultfilm „Zurück in die Zukunft II“ von 1989 düst Marty McFly auf dem fiktiven Hoverboard noch über Festland. Bei seinem 2. Versuch gelang Erfinder Franky Zapata jetzt 2019 auf seinem realen Board als erster „Fliegender Mensch“ die Überquerung des Ärmelkanals. Ein französischer Pionier in den Fußstapfen des Luftfahrtpioniers Louis Blériot, der 110 Jahre zuvor als erster Mensch den Meeresarm überflog (mehr dazu hier) – auch mit seiner eigenen Konstruktion.

Hier nimmt es euch erstmal fliegend, aber ohne eigentliches Flugzeug, mit (Calais-Dover):

Highlights zündete Zapata erst in Paris, dann in Calais

Bevor er die „Straße von Dover“, die engste Stelle des Ärmelkanals bewältigte, beeindruckte Frankreichs „Raketenmann“ am Nationalfeiertag am 14. Juli in Paris noch schnell Staatsgäste und Publikum. TV-Moderatoren zogen – um hier nochmal bei Film und Fernsehen zu bleiben – für diesen Auftritt vor Präsident Macron und Kanzlerin Merkel den James Bond-Vergleich.

Ist dies das Szenario eines „Soldaten der Zukunft“? Er kommt hier jedenfalls von oben. Voilà! Zapatas Präsentation, die professionell in Szene gesetzt eine der Pariser Attraktionen war:

Dass der Entrepreneur aus Marseille sein Flyboard Air bei einer Militärparade unterbreitete, kam nicht von ungefähr: Die Weiterentwicklung von Turbinen seines Fluggeräts hatte das französische Militär zuvor mit mehr als einer Million Euro subventioniert. Also hob Franky Zapata zu einer Runde über die Champs-Élysées ab – mit Gewehr in der Hand. Für die zivilen Ausführungen der Düsenplattform sieht das Unternehmen ZAPATA RACING die Anwendung im Rettungswesen und industriellem Sektor vor – vor allem aber auch im Freizeitsegment.

Flugbrett-Avantgarde also über diversen Terrains. Aber wer genau ist der Mann, der das Flyboard Air als Einziger so zu beherrschen weiß, dass er damit mit bis zu 170 Sachen die 35 Kilometer breite Meeresenge überbrettert? Und die Innovation dafür „in seiner Garage“ entwickelt hat. Für grands Fans de l‘aviation ist natürlich auch die hochstehende Technik hoch interessant:

Den Treibstoff im Rucksack, die Navigation mit Joystick

Viele Hoverboards fliegen ja à la Drohne, also propellergetrieben oder mit Rotoren. Anders das Flyboard Air. Die Technologie des Flyboard Air ist auch gänzlich anders als die des ebenfalls von Zapata entwickelten Flyboards für den Wassersport. Während letztere Plattform mit Wasserdruckdüsen arbeitet, sorgen bei ersterer Gasturbinen für das Potenzial. Im Prinzip saugen die Düsentriebwerke Luft an und verwerten Treibstoff – der Gasstrahl aus verdichteter Luft und Verbrennungsabgas aus der Austrittsdüse ermöglicht den Auftrieb. Im Vergleich seht ihr ein fliegendes Board in Aktion, das noch am Wasserschlauch festgemacht ist:

Fünf dieser kleinen Düsentriebwerke, jedes 250 PS stark, lassen kerosinbetrieben mit dem Flyboard Air abheben und schweben. Das nötige Flugbenzin wird dabei circa 35 Kilogramm schwer im Rucksack auf dem Pilotenrücken transportiert, was natürlich eine Last ist. Diese bringt aber auch den Vorteil, besser die Balance halten zu können. Denn der Flyboarder Air steht mit den Füßen angeschnallt und holt sich den Vortrieb auch durch Schrägstellung des Boards.

Es (f)liegt nicht nur Neues in der Luft – es liegt auch auf der Hand, dass diese Kunst zu fliegen besonderer Fähigkeiten bedarf. Aus welchen Kompetenzen schöpft Zapata dieses Können?

Franky Zapata: Jetski-Pilot und Extremsportler, Mechaniker, Erfinder und Unternehmer

Das Ausnahmetalent des 41-jährigen Abenteurers ist mit Europameisterschafts- und Weltmeisterschaftstiteln im Jetski mehr als ausgewiesen. Vom Wassersport zum Höhenflug brachte Zapata sein patentiertes, wasserstrahlgetriebenes Flyboard. Sein Verkaufserfolg und weitere hydrogetriebene Fluggeräte wie das Hoverboard oder der Jetpack trieben ZAPATA RACING weiter nach vorne – bis Franky Zapata 2016 sein 1. Flyboard Air vorstellen konnte.

Und dann 2017 damit nicht mehr abheben durfte – Auseinandersetzungen mit der Luftfahrtbehörde waren der Auslöser. Diese stufte das Board als Flugzeug ein und unterwarf es damit den Vorschriften für den Überflug des Luftraums, sah Gefährdung von Nutzern und Öffentlichkeit. Erst nach Verhandlungen mit den Behörden und Militärs konnten Tests und Weiterentwicklung des Flyboard Air fortschreiten. Was auch die Beharrlichkeit von Zapata illustriert, Träume zu verfolgen und zu verwirklichen. Sein Statement nach der Landung in Dover:

Ich habe einfach meinen Lebenstraum erfüllt

Franky Zapata nach dem Überflug des Ärmelkanals

Warum es für diesen tollkühnen Flug zwei Anläufe brauchte und vor welchem historischen Background er sich abspielte, ist noch mal ein spannendes Kapitel Aeronautik-Geschichte:

Blériot, Latham, Zapata – von ersten und zweiten Versuchen

Mit seiner von Blériot selbst konstruierten Blériot XI überflog der Franzose als erster Mensch den Ärmelkanal. Flugdauer 37 Minuten, Flughöhe circa 100 Meter, Flugdatum: 25. Juli 1909. 6 Tage zuvor war sein Konkurrent Hubert Latham – interessanterweise auch ein Bootsrennfahrer – beim gleichen Versuch gescheitert und musste nach 13 der 35 Kilometer langen Strecke Calais-Dover wegen Motorproblemen im Wasser notlanden. Am 27. Juli 1909 versuchte er es wieder. Am 25. Juli 2019, also am 110. Jahrestag von Blériots Pioniertat, startete Zapata:

Zapatas erster Versuch: Mann über (Hover)Board!

Und es ging ihm dabei ähnlich wie Latham – auf halber Strecke musste er notwassern. Der Grund war ein Problem beim schwierigen Betankungsmanöver. Der Hintergrund: Das Flugbenzin des Flyboard Air reichte nur für die Hälfte des Flugs. Eine Zwischenlandung auf einem Schiff zum Nachtanken war notwendig. Und die ging so schief, dass Zapata ins Wasser fiel. Unverletzt, aber mit „enormer Enttäuschung“. Und was macht Zapata? Er repariert sein Flyboard Air, will es nach 10 Tagen wieder wissen und hebt am 04.08. erneut ab gen England:

Zapatas zweiter Versuch: Wieder wird Fluggeschichte geschrieben

Es ist gut gelaufen. Ich bin zufrieden … Ich hatte keine Angst, war aber etwas gestresst.

Franky Zapata – Der Pionier überglücklich und mit geballter Faust nach seinem Coup

Es ist nicht die Rückkehr der Avengers, es ist die Realität. Glückwunsch an Franky Zapata, der es geschafft hat, den Ärmelkanal an Bord seines Flyboards zu überqueren.

Die französische Verteidigungsministerin Florence Parly gratulierte auf Twitter

Bisher noch Fragezeichen und To-Do’s für die militärische Variante des Flyboard Air

Wie die Plattform letztlich auch militärisch eingesetzt werden kann und soll, ist noch offen. Aktuelle Problemfelder: Das Board ist mit unüberhörbaren Dezibel noch sehr laut. Und verbraucht sehr viel Kerosin. Was den Piloten mit dem Tankrucksack auf dem Rücken auch besonders angreifbar machen würde. Jetzt schon vorstellbar wären zum Beispiel operative Einsätze, um Minenfelder zu passieren. Sprungeinsätze. Während Zapata auch schon wieder auf dem Sprung ist. Obwohl er sich nach dem „English Channel“ Urlaub ausbedungen hatte:

Griffe nach den nächsten Träumen

Die nächste Etappe seien „2.000 Meter“ Höhe und mit dem Flyboard Air „über den Wolken fliegen“. Fliegen will Zapata außerdem mit seinem anderen Projekt, einem „fliegenden Auto“.

Auch Marty McFly in „Zurück in die Zukunft II“ war im fliegenden Auto on air. Wer noch nostalgisch in alten Kinoerinnerungen auf Sendung bleiben will, kann streamen: Auch zur Hoverboard-Fahrt, von der hier die Rede war. Und die 30-jähriges Filmjubiläum feiert.

Bilder © Zapata

von Reiner Hertl

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