„Die Kabine wird immer stärker zur Visitenkarte der Airlines!“

Charlotte Ebert
05.04.2019
4 Fotos
7 Minuten

Bereits zum 13. Mal wurde der internationale Crystal Cabin Award auf der Aircraft Interiors Expo vergeben. In acht Kategorien zeichnet der unabhängige Preis exzellente Produkte und Konzepte aus, die für die Inneneinrichtung der Flugzeugkabine entwickelt wurden. Initiiert wird das Event, das sich durch Sponsoring finanziert, von Hamburg Aviation: dem „Luftfahrtcluster Metropolregion Hamburg e.V.“. Der Verein besteht aus Unternehmen, Forschungs- und Bildungseinrichtungen sowie der Stadt Hamburg und hat den Zweck, die Entwicklung der Luftfahrtindustrie in der Metropolregion Hamburg zu fördern.

Interview Hamburg Aviation

Worum genau geht es beim Crystal Cabin Award?

Es geht darum, die top Innovationen und Ideen im Flugzeug- und Kabineninnenbereich aufzuzeigen und zu prämieren. Wir haben eine unabhängige Experten-Jury, die aus 28 Mitglieder besteht und auf der ganzen Welt verteilt ist. Einmal im Jahr kommen alle zusammen und küren die Sieger. Wir möchten auch den Themen Kabine und Komfort eine Bühne geben und öffentlich sichtbar machen.

Ist der Bereich Komfort ein wachsendes Thema?

Das Thema wächst ganz massiv. Einmal, weil immer mehr Flugzeuge in der Welt in der Luft sind. Andererseits, weil die Kabine auch immer stärker zur Visitenkarte einer Airline wird. In dem Bereich versucht man den Kunden immer stärker zu binden und einen eigenen Footprint zu hinterlassen. Das spiegelt sich auch hier auf der AIX wider. Auch die Messe ist stark gewachsen, das sehen wir unter anderem beim Crystal Cabin Award. Seit Jahren haben wir immer mehr Zulauf und Bewerbungen, dieses Jahr sind es zum ersten Mal über hundert Stück.

Was war dieses Jahr eine besonders außergewöhnliche Bewerbung?

Es gibt immer sehr viele kreative Bewerbungen. Eine Idee, die sicherlich sehr spannend ist und die auch gewonnen hat, ist das Modul “Lower Deck Pax Experience” von Airbus und Safran. Das ist noch mal etwas fundamental anderes als das, was man heutzutage kennt. Ich finde es immer ganz spannend, wenn „outside the box“ gedacht wird. Das wollen wir mit dem Award auch für die Industrie weiter zugänglich machen: Sich mehr trauen!

Spürt man anhand der Bewerbungen, das sich gewisse Trends anbahnen, weil die Ideen ähnlich sind?

Das sehen wir tatsächlich. Dieses Jahr stand Wohlbefinden ganz oben, wozu ja auch Jetlite und das Thema Licht gehören. Letztes Jahr gab es viele Einreichungen zu Flexibilität und Konnektivität. Der Award ist sicherlich ein Indikator für die kommenden Trends in der Kabine.

Welches Produkt der Zukunft würdest du dir wünschen?

Ich möchte mich von der Industrie überraschen lassen. Was hier passiert, ist so vielfältig und ich glaube, wichtig ist vor allem, dass die Industrie sich zusammen mit den Airlines und den Passagieren gemeinsam Gedanken machen. Das wird sich stückweise entwickeln.

Was kommt deiner Meinung nach in der Zukunft auf uns zu?

Es wird stärker um das Wohlbefinden gehen, weniger Sterilität und mehr Personalisierung. Wie kann ich mich an Bord wohlfühlen, wie eine gute Atmosphäre schaffen – sowas. Dann aber auch, dass die Klassen weiter aufgebrochen werden. Es wird mehr Möglichkeiten geben, die vom Kunden gewünschten Leistungen in einem Baukastenprinzip zum individuellen Flugpaket zusammenzustellen. Da kann ich dann im Zweifel auch direkt einen Airport Transfer hinzu buchen und so weiter. So wie sich Märkte und Menschen verändern, ändert sich auch die Luftfahrtindustrie.

Denkst du es wird auf Dauer schnelllebiger?

Auf jeden Fall. Es wird auch direkter. Das sieht man schon dadurch, dass ich Nachrichten kriege, beispielsweise wenn mein Gate sich verändert hat. Das wird noch deutlich zunehmen, irgendwann bekommt man auf dem Weg zum Gate noch eine Pushnachricht: Möchtest du doch noch mehr Beinfreiheit dazu buchen?

Worauf achtest du persönlich, wenn du fliegst?

Ich achte vor allem darauf, dass das Design und Produkt stimmen. Es ist ja immer eine Kombination aus Sitz und Drumherum: Wie ist die Atmosphäre? Vieles passiert über den jeweiligen Flugzeugtyp aber auch über die Airline, die eigene Elemente einbringt. Da geht es dann für mich um das Gesamtpaket, das mich an Bord erwartet. Wenn ich zum Beispiel weiß, dass der Gepäckbereich relativ klein ist, dann stelle ich mich früh am Gate an, damit ich den Koffer noch abgeben kann.

Es heißt, in den nächsten Jahren werden sich 240 neue Start-Ups in der Branche tummeln und versuchen, das Monopol aufzubrechen. Wie siehst du das jetzt von deiner Seite aus, wie könnte sich der Markt verändern?

Es ist ganz wichtig, dass man weiterhin Start-ups begleitet, weil die Eintrittshürden in die Luftfahrt weiterhin deutlich höher sind als in vielen anderen Industrien. Einmal was das Monetäre anbelangt. Andererseits aufgrund der zeitlichen Zyklen, die wir in der Luftfahrt haben und durch die Zertifizierungsthemen, die es in diesem Bereich gibt. Wir sehen hier gerade eine Entwicklung und es ist enorm essentiell, diese fortzusetzen und weiter auszubauen. Ohne Hilfestellungen, wie beispielsweise dem Airbus BizLab, wird es für Start-ups sehr schwierig sein, sich zu entwickeln.

Vielen Dank für das Gespräch.

Fotograf s.h.schroeder / © WingMag

von Charlotte Ebert

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