Willkommen an Bord

Herzlich Willkommen an Bord

Linda Luftikuss
26.04.2018
8 Minuten

Schön, dass Sie da sind! Erste Frage vorab: Ist es in Ordnung, wenn wir uns duzen? In der Fliegerei ist es unter Kollegen eigentlich üblich, dass man sich duzt. Es macht die Kommunikation offener und die Hierarchien flacher, auch wenn grundsätzlich sehr viel Wert auf ordentliche Umgangsformen gelegt wird. Also ist es ok? Fein, dann haben wir das ja schon mal geklärt.

Mein Name ist Linda Luftikuss und ich bin Stewardess. Superdüse. Manchmal auch Saftschubse. Ist schon ok, ich darf so über mein Berufsbild schreiben. Außenstehenden rate ich jedoch davon ab, derartig abwertende Bemerkungen über fliegerisches Personal zu machen. Das gehört sich nämlich nicht. Ab heute fliegt ihr mit mir! In dieser kleinen Kolumne nehme ich euch mit in die zivile Luftfahrt und eine Sorge kann ich euch direkt abnehmen: Egal, in welcher Reiseklasse ihr unterwegs seid, das Handgepäck ist mir egal. Hier kann jeder Passagier Taschen mitbringen, die mehr als acht Kilo wiegen und gerne noch ein Musikinstrument sowie den Rollator von Tante Gertrude.

Was ihr über mich wissen solltet: Ich bin diejenige, die euch morgens um sechs Uhr beim Boarding freundlich begrüßt (immer). Diejenige, die voller Tatendrang zeigt, wie ihr euren Sicherheitsgurt schließen und wieder öffnen könnt (meistens). Und diejenige, die es liebt, wenn Eltern mit ihren Babies auf dem Arm in meiner kleinen Galley stehen und mir meinen Arbeitsplatz wegnehmen (das ist gelogen).

Ihr denkt richtig, wenn ihr meint, Linda Luftikuss ist nicht mein richtiger Name. Eigensicherheit ist das A und O in der täglichen Luftfahrt. Daher erzähle ich euch die spannenden Insights unter diesem netten Pseudonym. Was ihr aber wissen dürft: Ich arbeite für eine deutsche Fluggesellschaft, die täglich national und international in die Luft geht. In Deutschland gibt es davon 64. Das überrascht euch? Mich auch. Selbst Volkswagen hat einen Lufttransportdienstleister. Ich fliege alles auf der Kurz- und Mittelstrecke und ich habe grundsätzlich keine Layover. Nach wilden Saufgelagen an der Hotelbar mit dem Piloten im Hotelzimmer verschwinden? Nicht in meinem Leben. Die Nächte zwischen den Diensten verbringe ich zu Hause in meinem Bett.

Ihr denkt übrigens nicht richtig, wenn ihr meint, Copiloten würden nicht fliegen. So hörte ich einmal, wie jemand davon überzeugt war, das Fliegen sei nur dem Kapitän vorbehalten. Klar, der Pilot schafft es locker, an einem Tag drei legs oder mehr zu fliegen oder mal eben fünf Stunden nach Hurghada und fünf Stunden wieder zurück. Ehm, nein. Die Menschen, die im Cockpit sitzen, verfügen über eine entsprechende Lizenz über die Boeing oder den Airbus und dürfen den Vogel deshalb auch lenken.

Wenn ihr also schon immer mal wissen wollten, wie man mit zwei Stunden Schlaf durch den Dienst kommt, was nervige Gäste ausmacht und warum ich meinen Job trotz Schichtdienst liebe, dann fliegt doch bald wieder mit mir. In der nächsten Episode geht es so richtig los.

Always happy landings,
eure Linda Luftikuss

Titelbild Unsplash – Ernanette Carolino

von Linda Luftikuss

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