Inflight VR

Inflight VR – Virtual Reality in der Luft – fliegen und in andere Welten abtauchen.

Esther Nestle
13.12.2019
5 Fotos
5 Minuten

Die tatsächliche Realität besteht aus schmalen Sitzplätzen, wenig Beinfreiheit, beengtem Raumgefühl, dazu mäßige Bordunterhaltung an kleinen Bildschirmen … viele Menschen fühlen sich im Flieger nicht wohl. Abhilfe verspricht das Münchner Startup Inflight VR, VR wie Virtual Reality: Der Passagier setzt eine VR Brille auf und taucht in eine völlig neue Welt ein (Immersion), er vergisst die Enge, auch den unangenehmen Nachbarn und fliegt entspannt seinem Ziel entgegen.

Mit der Entwicklung solcher Virtual-Reality-Welten und -Erlebnisse möchte sich das im Jahr 2014 gegründete Unternehmen als „bester Reisebegleiter“ in der Flugbranche etablieren.

Geschäftsfeld Immersive Engineering

Das Interview mit Inflight VR

Firmengeschichte? Von der Gründung bis heute.

Inflight VR wurde 2014 in München von den beiden Freunden Moritz Engler und Nikolas Jaeger gegründet, die sich während des Studiums an der renommierten Universität St. Gallen kennenlernten. Die beiden hatten keinerlei Hintergrund in VR, erkannten aber das Potential der Technologie.

Sie fingen an, ein Team aufzubauen, u.a. mit CTO Elena Kokkinara, die einen Doktortitel in Virtual Reality und Usage Behavior innehat.

Dann wurde Airbus auf uns aufmerksam und nahm Inflight VR ins Accelerator Programm „Airbus BizLab“ mit auf. Was wiederum dazu führte, dass wir unseren Fokus stärker auf Mobilitätsmärkte setzten, speziell auf Airlines.

Es wurde ein zweiter Firmensitz in Barcelona gegründet, und ein kompetentes Engineering Team zusammengestellt.

2018 gewannen wir mit Iberia und Flixbus unsere ersten Kunden, die zunächst Pilotprojekte starteten. Innerhalb des ersten Jahres konnten wir den Kundenstamm auf neun Partner ausweiten. Neben München und Barcelona haben wir Entwickler in Asien und ein Office in der Nähe von Los Angeles für Marketing und die Content Kontakte, wie z.B. Hollywood Studios.

Das Angebot von Inflight VR in wenigen Worten?

Virtual Reality Entertainment für Unternehmen in der Reisebranche. Wir evaluieren und modifizieren Hardware (Headsets), entwickeln Software, lizenzieren Content, adressieren Sicherheit und Systemintegration, bieten Vermarktungsservice an und beraten bei Logistik-Prozessen.

Welche Chancen eröffnet das Produkt? 

Inflight VR’s Plattform ist die mit Abstand eindrücklichste (der englische Begriff immersive ist noch passender) und zugleich kostengünstigste Passagiererfahrung auf dem Markt. Airlines müssen keinerlei Investition eingehen. Die operativen Kosten sind minimal im Vergleich zu anderen Produkten wie Bildschirmen oder Internet. 

Systeme, die an Bord installiert werden, sind zum Zeitpunkt des Einbaus meist schon veraltet und nur unter großem Kostenaufwand auszutauschen. Inflight VR kann bei Bedarf innerhalb weniger Wochen auf neue Technologien umsatteln.

Wir bieten Airlines flexible Geschäftsmodelle an, die ihnen erlauben, unsere Produkte nach Bedarf und Budget anzupassen und Nebeneinnahmen über Mietgebühren, Werbung und Product-Placement zu generieren.

Über unsere Partner sind wir außerdem in der Lage, Unternehmenspartnerschaften zu formen, die Teile der Gesamtkosten abdecken können. Derzeit läuft eine solche Zusammenarbeit zwischen Lego, SunExpress und Inflight VR.

Welche Vorteile bietet Inflight VR insbesondere für die Luftfahrt?

VR grundsätzlich hat immense Auswirkung auf Komfort und Passagierzufriedenheit. Unser Rating liegt bei 4.3 von 5, etwa 20 Prozent über jeder anderen Plattform. Es ist sehr interessant zu beobachten, was Passagiere tun, wenn sie das Headset aufgesetzt haben. Die meisten lehnen sich zurück und strecken die Beine aus, da sie vergessen, wie wenig Platz sie wirklich haben. Die Erfahrung von Weite und Freiheit hat für viele Passagiere eine sehr entspannende Wirkung. Wir arbeiten gerade mit einer Airline zusammen, die unsere bisher gemachten Erfahrungen exklusiv auf Entspannung zuschneiden will. 

Der Kern der Dienstleistung von Inflight VR ist die Integration der Technologie in die Gegebenheiten an Bord.

Über APIs (Programmierschnittstellen) können wir uns mit bestehenden Systemen an Bord verbinden. Durch die Nutzung von Wireless Networks an Bord stellen wir eine Verbindung mit den Kabinen-Management-Systemen her, was der Crew erlaubt, Nachrichten an Passagiere mit Headsets zu senden, wie zum Beispiel Hinweise zur Anschnallpflicht oder Service-Announcements.

Nicht jeder Content ist für die Nutzung an Bord geeignet. Unser Team in Barcelona nimmt die notwendigen Änderungen vor, um Übelkeit, Schwindel oder andere einschränkende Effekte auszuschließen. Die Tatsache, dass Passagiere meist sehr eng beieinandersitzen, verlangt auch eine Anpassung der Navigation ohne Benutzung der Arme. Bei Inflight VR gibt es keine Ellenbogen-Checks.

Wie weit ist das Produkt bereits entwickelt? Prototyp? Oder bereits im Verkauf?

Das Produkt ist ausgereift und wird in der Luftfahrt bereits eingesetzt. Und bei den Headsets sind wir bereits bei der dritten Generation angelangt.

Vor welche Herausforderungen wird das Unternehmen in einer Branche mit hohen Sicherheitsanforderungen wie der Luftfahrt gestellt?

Die schwerwiegendste Anordnung ist die Einbindung in bestehende Kabinen-Management-Systeme, die je nach Airline sehr unterschiedlich sein können. Wir sind das einzige Unternehmen, das durch seine APIs diesen unterschiedlichen Anforderungen nachkommen kann.

Für die Headsets benötigen wir keine Zertifizierungen. Die Beeinträchtigung von Sitznachbarn schließen wir durch Anpassung der Navigation aus. 

Mit welchen Unternehmen der Luftfahrbranche wird zusammengearbeitet?

Austrian Airlines, Aviapartners, EL AL, Iberia, Jin Air, Singapore Airlines, Star Alliance, SunExpress.

Lieber Herr Walter, besten Dank für die interessanten Infos!

Bilder © Inflight VR

von Esther Nestle

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