IT-Sicherheit im Flugzeug

IT-Sicherheit an Bord – Kann man ein Flugzeug hacken?

Paola Leibbrandt
24.08.2018
5 Minuten

Flugzeuge sind fliegende IT-Systeme. Neben den kritischen Flugsystemen, die zum Beispiel für die Navigation und die Steuerung verantwortlich sind, gibt es außerdem nachgelagerte Systeme, wie das Entertainment-System. Doch jedes Netz stellt ein potenzielles Sicherheitsrisiko dar und damit auch ein Ziel für einen Hackerangriff.

Ein solcher Angriff könnte fatale Folgen haben. Vom Ausfall wichtiger Funktionen, wie beispielsweise der Atemmasken, bis zur Kollision mit einem Hindernis oder sogar einem Absturz. Wir gehen der Frage auf den Grund, wie es um die IT-Sicherheit an Bord steht und ob man ein Flugzeug hacken kann. Sind die Computer an Bord gegen Angriffe von außen gut genug geschützt?

IT sorgt für Sicherheit auf Flügen

Flugzeuge werden heutzutage mithilfe von aufwendigen Computersystemen gesteuert, die miteinander vernetzt sind: Steuersignale und andere Daten werden vom Boden an den Computer im Flugzeug gesendet. Wie in allen anderen Lebensbereichen auch, sind Computer nicht mehr aus der Luftfahrt wegzudenken. Flugzeuge werden mit IT navigiert, der Pilot kommuniziert über die Technik mit der Flugsicherheit und auch die Gäste profitieren von den Systemen: High-Tech Entertainment-Systeme machen den Flug wesentlich komfortabler. Viele der an Bord befindlichen Systeme tragen maßgeblich zur Sicherheit bei. Wie das Zusammenspiel von Mensch und Computersystemen funktioniert, könnt ihr unter anderem in diesem Artikel nachlesen.

Software oft veraltet

Das Problem in Sachen IT-Sicherheit in Flugzeugen liegt unter anderem bei der teuren Wartung der Systeme. Deshalb verfügen die meisten Verkehrsflugzeuge über eine veraltete Soft- und Hardware. Viele Verkehrsflugzeuge bleiben zwischen 15 und 20 Jahre lang in Betrieb – ihre Software ist häufig zehn Jahre alt. Zumindest verglichen mit den heutigen Standards bei Tablets, Smartphones und anderen Geräten, sind Computersysteme in Flugzeugen daher stark veraltet.

Für die allgemeine Sicherheit stellen die alternden Systeme jedoch kein großes Risiko dar. Soft- und Hardware sind gut eingespielte Teams, die hunderttausende Stunden in der Luft problemlos meistern. Unter anderem deshalb gehört das Flugzeug zu den sichersten Fortbewegungsmitteln.

Spezialisten kritisieren jedoch, dass es aktuell keine zentrale Möglichkeit gibt, versuchte Angriffe zu erfassen. Dies könnte dabei helfen, Sicherheitslücken schneller ausfindig zu machen und die Systeme aller betroffenen Flugzeuge entsprechend anzupassen. Ein weiterer Kritikpunkt besteht in den Sicherheitskonzepten der Flugzeugindustrie. Hier soll durch die reine Geheimhaltung der Funktionsweise die Sicherheit gewährleistet werden.

Hackerangriffe von Sicherheitsexperten

Immer wieder kommen Gerüchte von Hackern auf, die sich bereits in die Sicherheitssysteme von Flugzeugen gehackt haben sollen. Mit dabei war auch ein Sicherheitsexperte, der mit seinen Aktionen auf die Sicherheitslücken in den Systemen aufmerksam machen wollte. Mit einem LAN-Kabel soll der Hacker sich mit der Technik im Flugzeug verbunden und unter anderem Zugriff auf die Turbinen und Atemmasken bekommen haben. Der Flugzeughersteller Boeing hält dies für unwahrscheinlich, weil Bordelektronik und Unterhaltungssysteme getrennt voneinander operieren. Zudem müsste es der Crew auffallen, wenn jemand die Verkleidung unter seinem Sitz entfernt. Was ist also dran an den Gerüchten, Flugzeuge könnten gehackt werden?

So könnte ein Hackerangriff im Flugzeug aussehen

Hackerangriff mit LAN-Kabel
Theoretisch und praktisch kann ein Flugzeug nur gehackt werden, wenn sich der Hacker an Bord befindet. Denn nur hier hat er direkten Zugriff auf die relevanten Computersysteme. Diese kommunizieren über Ethernet, sprich LAN-Kabel, miteinander. Um über das Kabel Zugang zu bekommen, müsste der Hacker jedoch die Verkleidung der entsprechenden Komponenten entfernen. Ein Zugriff über WLAN in das Entertainment-System ist nicht möglich.

Hackerangriff über WLAN
Weniger relevante Systeme für die Flugsicherheit sind zum Beispiel das „Information Management On-Board“, welches Wetterdaten und Informationen über WLAN-Verbindungen anzeigt. Obwohl es mit einer Firewall gesichert ist, kann man diesen Schutz natürlich überwinden. Was ein Hacker dann jedoch mit den Informationen macht und wie er damit ein Flugzeug zum Absturz bringen sollte, bleibt fraglich. Sollte er über das „Information Management On-Board“ jedoch tiefer ins System eindringen, besteht ein hohes Risiko. Hier muss er sich allerdings mit den Protokollen und Daten auskennen und diese interpretieren können, um Schaden anrichten zu können. Laut Boeing kann auch „keine Änderung des Flugablaufs in das System des Flugzeugs geladen werden, ohne dass der Pilot das sieht und zustimmt.“ Der Pilot hat also in jedem Fall das letzte Wort.

Fazit zur IT-Sicherheit an Bord

In der Theorie sind Hackerangriffe in Flugzeugen grundsätzlich nicht unmöglich. Die hohen Sicherheitsstandards der Luftfahrt erschweren jedoch die Versuche immens. Sehr beruhigend ist die Tatsache, dass letztendlich ein Mensch – der Pilot – entscheidet, wo es langgeht.

Titelbild Pixabay – thedigitalartist

von Paola Leibbrandt

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