lite2fix zum Anfassen auf der AIX Hamburg 2019 - jetlite - SFS

jetlite schafft Abhilfe bei Jetlag

Esther Nestle
11.09.2019
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7 Minuten

Das Start-up jetlite sagt Jetlags den Kampf an. Diese Ansage ist alles, nur keine Luftnummer seitens des noch jungen Unternehmens. Basiert doch dieser in manchen Ohren vollmundig klingende Satz auf vielen wissenschaftlichen Untersuchungen. Und die Fachwelt? Sie horcht nicht nur auf, sondern greift bereits zu: Lufthansa gibt grünes Licht für die Jetlag-Abhilfe à la jetlite, mehr dazu gleich.

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Doch was steckt hinter dem jetlite-Jetlag-Prinzip? Erleuchten konnte uns Dr. Achim Leder, Mitgründer und Geschäftsführer von jetlite. Weiterhin blicken wir auf Supermodel und jetlite-Mitgründerin Toni Garrn. Licht an!

Das jetlite-Interview

jetlite-Jetlag-Prinzip? Licht ins Dunkel – was steckt dahinter?

Dr. Achim Leder: „Das Prinzip basiert auf der Erkenntnis, dass Menschen den Jetlag mit dem richtigen Einsatz von Licht überwinden können. Licht ist einer der wichtigsten Zeitgeber für den menschlichen Körper: Neben der Lichtintensität hat die Lichtfarbe entscheidenden Einfluss auf unsere innere Uhr.

Wenn wir uns blauem Licht aussetzen, fühlen wir uns wacher und aktiver. Der Grund: Blaues Licht reduziert das Schlafhormon Melatonin – es wird weniger davon ausgeschüttet, wir bleiben (länger) wach. Warmes, rötliches Licht hingegen bremst die Melatonin-Produktion weitaus weniger aus.

Dieses Farbwissen kann man sich an Bord zunutze machen und über verschiedene Zeitzonen hinweg die Lichtfarben so steuern, dass sich der Körper an die neue Zeitzone anpasst.“

Wie kommt das Farbwissen in den Flieger?

Leder: „Das geballte jetlite-Wissen steckt in einem algorithmus-basierten Beleuchtungskonzept. In manchen Flugzeugen der neuesten Generation kommt es bereits zum Tragen. Bei Lufthansa beispielsweise fliegt schon die A350 sowie die B747-8 mit dem jetlite-Beleuchtungskonzept.

Aktuell stellen wir uns der Aufgabe, die passende Hardware-Lösung „drumherum“ zu konzipieren. Wir sind fieberhaft dabei, unsere Konzepte in greifbare Produkte umzuwandeln. Etwas, wogegen ich treten kann. Die Vorteile? Ein greifbares Produkt verkauft sich besser als ein zunächst unsichtbares Konzept. Zudem bringt ein haptisches Produkt Wettbewerbsvorteile.“ (WingMag-Tipp: Über den Prototypen dieses haptischen Produktes haben wir bereits berichtet).

Wie kommt jetlite den Komfortansprüchen der einzelnen Zielgruppen nach?

Leder: „Die Passagiere in der Economy Class eines Großraumflugzeuges sitzen eingepfercht auf engem Raum. Licht kann ein besseres Raumgefühl herbeiführen; der Passagier nimmt die Reise entspannter wahr. In der Business Class ist es noch leichter, dieses Ziel zu erreichen und jeden einzelnen Passagier in seinem persönlichen Wohlfühlrhythmus zu unterstützen.

Auch der Crew kann jetlite die Arbeit erleichtern. Dank der Automatismen in der Kabinenbeleuchtung muss sich die Crew nicht ums Licht kümmern. Sie muss keine einzelnen Lichtsignale einschalten, sondern kann ein auf den Flug angepasstes Jetlag Cabin Lighting Controller Szenario durchlaufen lassen.“

Wer Economy Class fliegt und durch die Business Class zu seinem Platz läuft, denkt „Paradies“ …

Leder: „Je öfter man fliegt, desto unattraktiver wird selbst die Business Class. Für Vielflieger stellt die Business Class eine Art „Schmerzlinderung“ dar. Du sitzt zwar bequem, bekommst ein gutes Essen und wirst gut unterhalten. Dennoch ist das alles nichts, wenn der Jetlag wieder mal die Keule auspackt und beispielsweise das wichtige Meeting über dem großen Teich am nächsten Morgen beinahe aus den Angeln hebt. Besonders für Vielflieger ist der ständige Jetlag ein ernsthaftes Problem.“

So wie bei Supermodel Toni Garrn.

Leder: „Toni Garrn muss jedes Jahr 80 Langstreckenflüge wegstecken. Dass sie ständig mit Jetlag zu kämpfen hat, gab sie in einem Interview mit einer großen Zeitung preis. Genau unser Thema! Daher nahmen wir Kontakt mit ihr auf. Mittlerweile arbeiten wir zusammen und sie ist als Mitgründerin bei jetlite eingestiegen. Dank ihrer großen Erfahrung mit Langstreckenflügen kann sie uns weitreichenden Input geben, was verbessert werden könnte, um das Flugerlebnis für Passagiere angenehmer zu machen.

Ihre Impulse führten auch dazu, dass wir nun einen Ernährungswissenschaftler mit im Team haben, der uns ein Ernährungskonzept für besseren Schlaf vor, während und nach dem Flug erarbeitet. Mit einem typischen Business Class-Steak im Magen schläft es sich nicht gut.“

jetlite ist ein Start-up. Mit welchen Herausforderungen muss sich ein junges Unternehmen in der Luftfahrtbranche auseinandersetzen?

Leder: „Andere Branchen sind für Start-ups weitaus attraktiver: Die Luftfahrtbranche kennt keine schnellen Innovationszyklen. Zudem hat sie nur wenige Player, die für Start-ups interessant sind. Viele denken nach dem Motto „lass die mal machen, bis in zwei Jahren sind die eh wieder weg“. Man ist auf die Gunst einiger weniger angewiesen, die an den wichtigen Schalthebeln sitzen. Diese Leute zu identifizieren und für die eigene Idee zu interessieren ist der (einzige) Weg zum Erfolg.

Generell ist die Luftfahrt eine Branche mit sehr hohen Eintrittsbarrieren. Bis die Idee eines Tages fliegt, vergehen Jahre. Heute entwickeln, übermorgen Geld verdienen – so funktioniert das nicht in dieser Branche. Für die notwendigen Finanzierungen bis zum geschäftlichen Durchbruch muss ein Start-up enorm viel aufwenden. Man muss besonders hartnäckig sein, viel Ausdauer mitbringen und sich in Verzicht üben.

Uns bot sich vor drei Jahren die Chance, durch das Airbus Accelerator-Programm „BizLab“ gefördert zu werden (mehr zum BizLab hier). Das war für uns ein großer Schritt nach vorne, um tatsächlich am Markt zu bestehen, und wir etablieren uns Schritt für Schritt weiter. Je länger wir dabei sind, desto ernster nimmt man uns.“

Der Start von jetlite war in 2012. Wie wurden die ersten Unternehmensjahre in einer solch schwierigen Branche finanziert?

Leder: „Neben der Einbringung von eigenem Kapital als Grundinvestment gibt es grundsätzlich zwei Wege: Erstens, der Einsatz von Venture Capital (Wagniskapital) – der Investor bringt Kapital ein und wird im Gegenzug Mitgesellschafter und Anteils-Miteigner. Zweitens, der Weg über die öffentliche Förderung.

Wir haben die EXIST-Förderng vom Bund (BMWi) erhalten sowie InnoRampUp von der Stadt Hamburg. Dank dieser zweckgebundenen Fördermittel konnten wir die Entwicklung der Produkte schneller vorantreiben. Außerdem sind wir stolz darauf, bereits Umsätze aus Projekten generieren zu können.“

Hamburg ist der drittgrößte zivile Luftfahrtstandort der Welt. Ist das der Grund für die Standortwaahl?

Leder: „Die Lebenshaltungskosten in Hamburg sind hoch und Start-ups verdienen nicht das ganz große Geld, weshalb es viele junge Unternehmen eher nach Berlin, Köln oder Frankfurt zieht. Für uns kommt jedoch kein anderer Standort in Frage. Der starke Luftfahrtstandort Hamburg, die Unterstützung durch öffentliche Einrichtungen, die Bündelung und Koordination aller Luftfahrtaktivitäten bei Hamburg Aviation – all das ist für uns wie Wind unter den Flügeln. Das in Hamburg gebotene Netzwerk, die vielen Veranstaltungen, die tolle Publicity sind für uns ungemein wertvoll. Und viele wichtige Geschäfts- und Kooperationspartner liegen kaum weiter als einen Steinwurf entfernt.“

jetlite und SFS sind Kooperationspartner. Worin liegt der Nutzen für jetlite?

Leder: „SFS als einer der großen Player auf dem Markt, kann Start-ups wie uns Marktzugänge verschaffen und Türen aufstoßen, die sonst verschlossen blieben – für uns Gold wert. Als Start-up hast du schnell „the door in the face“. Ein weiterer, ebenfalls sehr wichtiger Punkt, ist für mich die enorme Expertise seitens SFS im Bereich Befestigungselemente. Als i-Tüpfelchen ist für uns die Zusammenarbeit mit unseren Ansprechpartnern bei SFS ebenfalls sehr angenehm. Sie denken um die Ecke und haben innovative Ideen, wie wir unsere Produkte noch besser machen können.“

Wo ist die Verbindung zum großen jetlite-Thema, dem Jetlag?

Leder: „Wir haben gemeinsam mit SFS ein neuartiges Befestigungssystem mit integrierter chronobiologischer Kabinenbeleuchtung entwickelt – lite2fix. Die Lichtfarbe „jetlite Blue“ vitalisiert die Passagiere, während „jetlite Red“ die Melatoninproduktion und damit die Ruhephasen unterstützt. Das Wohlbefinden an Bord wird mit diesem System auf ein neues Level gehoben und der Passagier hat, wissenschaftlich nachgewiesen, deutlich weniger mit Jetlag zu kämpfen.

Danke für das Interview Herr Leder!

Hier seht ihr ein paar Impressionen von der ersten Präsentation des lite2fix Prototyps auf der diesjährigen AIX:

Zusatz von WingMag: lite2fix kann noch viel mehr!

Die chronobiologische Kabinenbeleuchtung von jetlite ist bei lite2fix in ein ganz besonderes Befestigungssystem für Flugzeugkabinenwände integriert, das die Installation der Bauteile deutlich beschleunigt, mit nur wenigen Brackets (Halterungen) auskommt, sich selbst justiert und einen hohen Grad an Automatisierung ermöglicht.

Außerdem eröffnen die LED-Panels eine Vielzahl an Möglichkeiten der Individualisierung, die besonders für Airlines interessant sein dürften. Unter anderem denkbar: Hilfe beim Deboarding durch Ampelsystem, leicht erkennbare Sitzplatzreservierung, individualisierte Werbung und vieles mehr.

Was das Produkt sonst noch so alles kann und welche Vorteile es für Flugzeughersteller, Fluggesellschaften und Passagiere bietet, erfahrt ihr in diesem Artikel und auf der Website.

In diesem Video erhaltet ihr einen guten Eindruck davon, welche Möglichkeiten das Produkt eröffnet und warum es die Installation so immens vereinfacht:

Ihr möchtet das Unternehmen jetlite persönlich kennenlernen? Dann schaut vom 10. bis 12. September 2019 auf der APEX Expo in Los Angeles, am Stand 1562 vorbei.

von Esther Nestle

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