Pilotenkarriere - Karriere eines Piloten

Die Karriere eines Piloten

Tim Takeoff
24.01.2020
3 Fotos
6 Minuten

Natürlich, Karriere machen möchte jeder. Doch wie sehen die einzelnen Abschnitte aus, die man als Pilot in seiner Laufbahn absolvieren kann? Was bedeuten die damit verbundenen Insignien auf den Uniformen der Crews, und welche Rechte gehen damit einher?

Ein kurzer Hinweis: In diesem Artikel wurde die männliche Form aus Gründen der Einfachheit und Lesbarkeit gewählt. Selbstverständlich gelten jedoch alle Angaben für m / w / d (männlich / weiblich / divers – Urteil des deutschen Bundesverfassungsgerichts (BVVerfG) vom 22.12.2018) gleichermaßen.

Ab in die Flugschule

Aller Anfang ist schwer, aber macht umso mehr Spaß. Jeder, egal ob mit privater Flugerfahrung oder Fußgänger, muss natürlich in die Flugschule. Hier werden grundlegende Dinge der Luftfahrt und für den Alltag als Verkehrspilot erlernt. Als Flugschüler ist man sehr gefordert.

Es gibt viele Wege, die Lizenz zur beruflichen Fliegerei zu erwerben (wir werden diese Möglichkeiten in einem weiteren Artikel näher beschreiben). Am Ende der Ausbildung zählen praktische und theoretische Prüfungen für den Erwerb eines CPL (Commercial-Pilot-Licence) oder MPL (Multi-Pilot-Licence). Erst nachdem man 1.500 Flugstunden absolviert hat, ist man berechtigt eine ATPL (Airline Transport Pilot Licence) zu beantragen.

Type Rating & Line Training

Die grundlegende Lizenz (CPL, MPL oder ATPL), ist ohne ein entsprechendes Type Rating nicht besonders viel Wert. Erst mit diesem Rating, der sogenannten Musterberechtigung, ist die Lizenz komplett. Diese Musterberechtigung gilt für den Typ, auf dem man letztendlich eingesetzt wird.

Schließt man die anspruchsvolle Aufgabe in Theorie und Praxis im Simulator ab, folgt das Training im echten Flugzeug: Das Line Training. Hier werden echte Flüge unter Aufsicht von erfahrenen Kapitänen (Trainern) durchgeführt. Schließt man diesen Abschnitt erfolgreich ab, ist man fertig für den Berufsalltag.

Second Officer

Je nach Einsatzgebiet des frisch gebackenen Piloten, beginnt er seine Karriere fertig ausgebildet als erster oder zweiter Offizier. Dies hängt stark von der Firma und vom geflogenen Muster ab. Werden junge Kollegen direkt auf einem großen und schweren Langstreckenflugzeug eingesetzt, wird vom Amt gefordert, zunächst eine gewisse Erfahrung als zweiter Offizier aufzubauen. Das Hemd des zweiten Offiziers trägt zwei Streifen als Insignien.

Ein zweiter Offizier darf am Boden und oberhalb von Flugfläche 200 tätig werden. Dies bedeutet, dass er weder starten noch landen darf. Er lernt die weltweiten Abläufe im Reiseflug kennen, und ersetzt den ersten Offizier im rechten Sitz, wenn dieser seine Ruhezeit wahrnimmt. Auch am Boden ist er in alle Abläufe integriert und wird bei Entscheidungen meist als erster konfrontiert. Dies ist eine Sicherheitsmaßnahme, damit ein erfahrener Pilot den Unerfahrenen nicht vorweg beeinflusst.

First Officer

Egal ob man zunächst als zweiter Offizier auf einem großen Flugzeug oder direkt von der Flugschule auf einem kleineren Muster eingesetzt wird, irgendwann stehen die ersten eigenen Starts- und Landungen im rechten Sitz an. Als erster Offizier ist man in allen Bereichen ausgebildet und kann Teil einer Zwei-Mann Besatzung sein. Der erste Offizier trägt bereits drei Streifen auf dem Jackett. In dieser Position ist man direkt dem Kapitän oder, falls an Bord, dem Senior First Officer unterstellt, auch wenn die Hierarchien in heutigen Cockpits meist sehr flach sind.

Senior First Officer

Eine besondere Form des ersten Offiziers finden wir in der Funktion des Senior First Officer. Er ist ein sehr erfahrener erster Offizier und hat eine zusätzliche Ausbildung erhalten. Man benötigt ihn erst bei sehr langen Flügen und entsprechenden Ruhezeiten der einzelnen Crew-Mitgliedern.

Der Senior First Officer kann grundsätzlich alle Aufgaben eines First-Officers übernehmen. Zusätzlich darf er die Position im linken Sitz übernehmen, wenn der Kapitän in die Pause geht. In diesem Moment geht das Kommando des Flugzeuges in seine Hände über. Er darf bis zu fest definierten Grenzen eigenmächtig Entscheidungen treffen. Drohen diese überschritten zu werden, ist er verpflichtet, den Kapitän zu wecken und zurück ins Cockpit zu bestellen.

Sein Erkennungsmerkmal sind dieselben drei Streifen des ersten Offiziers, der erste Streifen ist jedoch doppelt so breit. Nun beginnt eine spannende Zeit in der Karriere eines Piloten: Die Erfahrung sammeln, die man benötigt, um eines Tages die Ausbildung zum Kapitän zu absolvieren.

Captain und Commander

Der Kapitän, mit seinen vier Streifen am Ärmel, ist der Häuptling an Bord des Flugzeuges. Er trägt die letzte Entscheidungsgewalt und kann Aufgaben delegieren oder selbst übernehmen. Als Kapitän muss man eine umfangreiche Weiterbildung über sich ergehen lassen, bei der viel Eigeninitiative gefordert ist. Es entspricht zum größten Teil einem erneuten Type Rating, wobei erneut (und viel tiefer) in die Systeme und Abläufe an Bord eingegangen wird.

Auch zwischenmenschlich ist der Kapitän das wichtigste Glied an Bord. Er sollte stets die Übersicht behalten und im Zweifel Aufgaben und Probleme priorisieren. Er steht solange an der ersten Stelle der Hierarchie bis zwei Kapitäne an Bord sind. Dann entscheidet meist die sogenannte „Seniorität“, also das Eintrittsdatum in die Airline, darüber, wer über wem steht und die letzte Entscheidung hat. Der Dienstältere wird neben dem zweiten Kapitän zum „Commander“.

Trainer

Bereits zu Beginn, während der Ausbildung im Type Rating, haben wir die „Trainer“ erwähnt. Ein erfahrener Kapitän darf und sollte, sein Wissen an unerfahrene Kollegen weitergeben. Damit dies eine rechtliche Grundlage hat, kann sich ein Kapitän offiziell als Trainer ausbilden lassen. Hier gibt es die verschiedensten Stufen, vom einfachen „Line Trainer“, der im Training „auf der Linie“, sprich während der normalen Abläufe, ausbilden darf, bis hin zum „Type Rating Instructor“. Er darf im Simulator die Grundausbildung des Type Rating übernehmen.

Die Checker

Ein Prüfer oder „Checker“, wie er im Pilotenjargon genannt wird, darf, wie der Name bereits vermuten lässt, Prüfungen abnehmen. Piloten müssen sich fortlaufend Prüfungen stellen. Sowohl im Simulator als auch auf der Linie werden sie fortlaufend auf ihre Fähigkeiten überprüft. Ein Prüfer trägt die Bezeichnung „Type Rating Examiner“ oder „TRE“. Jeder, der vorgenannten Ausbildungsabschnitte für Piloten endet mit einer Prüfung durch einen TRE. Er entscheidet, ob der Anwärter seinen Aufgaben gerecht wird. Prüfer haben keine besonderen Insignien, sie werden von der Airline eingesetzt und erhalten besondere Vergütungen.

Ende der Karriere eines Piloten mit Renteneintritt?

Ein Pilot darf aktuell bis zu einem Alter von 65 Jahren den aktiven Dienst im Cockpit eines Verkehrsflugzeuges ausüben. Viele der dienstälteren Kapitäne, die sich zum Trainer oder Checker haben ausbilden lassen, dürfen aber auch nach diesem Stichtag weiter ausbilden. Im Simulator wie auch in Theoriebereichen. Die Karriere eines Piloten kann also fast unendlich sein. Die Liebe zur Fliegerei lässt einen eben nicht mehr so leicht los …

Ihr wollt mehr über die Tätigkeit als Pilot wissen? Wie wäre es mit diesem Artikel über die Verantwortung von Piloten? Oder über die Bedeutung von Checklisten im Pilotenalltag?

Alle Bilder © SFS

von Tim Takeoff

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