Kolumne Linda Luftikuss - Kommunikation

Kommunikation und Umgangsformen

Linda Luftikuss
21.06.2019
4 Minuten

Ihr wisst ja, dass wir Flugbegleiter in erster Linie für einen sicheren Flug sorgen sollen. Dass kriegen wir nicht nur vor allem dann am besten hin wenn wir ausgeschlafen sind, sondern auch, indem wir als Crew immer miteinander kommunizieren.

Es fängt schon vor dem eigentlichen Flug an. Circa eine Stunde vor geplantem Abflug treffen wir uns als Crew in einem Briefingraum. Während das Cockpit am Rechner die Flugroute ermittelt, das Wetter überprüft und ausrechnet wie viel wir noch tanken müssen, sitzt die Kabine geschlossen an einem Tisch und bereitet sich auf den vor ihr liegenden Umlauf vor. Wir fangen auch erst an wenn die Crew vollständig ist. Damit alle „im Loop“ sind, wie wir so schön sagen.

Im Briefing schauen wir uns die Passagierzahlen an und sprechen das Servicekonzept durch. Aber wir wiederholen auch Maßnahmen, die wir in Notfällen anwenden oder was bei medizinischen Zwischenfällen zu tun ist. Im Grunde darf der Purser (Purser / Purserette: Kabinenleitung. Verantwortlich für den reibungslosen Ablauf innerhalb der Kabine und Chef der Flugbegleiter). Ist dem Kapitän unterstellt einen alles abfragen und gewährleistet damit, dass wir als Flugbegleiter fit genug sind.

Theoretisch kann – und das ist in der Vergangenheit auch schon vorgekommen – der Purser einen wieder nach Hause schicken, wenn er oder sie das Gefühl hat, ein Flugbegleiter ist nicht gut genug für den Arbeitstag vorbereitet. Zum Glück passiert das aber sehr selten. In der Regel ist es ein Austausch unter Kollegen: Man holt sich wichtige Procedures zurück ins Gedächtnis und kann auch ungeklärte Fragen lösen. Anschließend kommt das Cockpit hinzu und brieft uns über Flugzeiten und Wetterlage. Man bespricht auch manchmal die ein oder andere Situation aus dem Alltag. Reden hilft, um für viele Eventualitäten vorbereitet zu sein. Außerdem gibt es zwei ungeschriebene Gesetze: Hat man ein Thema gebrieft, zum Beispiel Kreislaufkollaps, wird dieses Medical nicht eintreten. Und wenn der Kapitän sagt, es könnte wackeln (also Turbulenzen sind möglich), wackelt es nicht. Heißt es, dass es ein ruhiger Flug wird, dann wackelt es hingegen garantiert.

Für unsere Arbeit ist es enorm wichtig, dass wir miteinander reden. Auch das wird nahezu in jedem Briefing geklärt. Nur wenn wir alle den gleichen Wissensstand haben, können wir als geschlossene Crew auftreten. Das hilft in Notfällen und auch bei zankenden Gästen. Denn manchmal müssen große Entscheidungen innerhalb weniger Sekunden getroffen werden. Dafür braucht man alle wichtige Informationen. Wenn es eine Rauchentwicklung in der Kabine gibt, bringt es dem Kapitän und den Passagieren herzlich wenig, wenn ich im Cockpit anrufe und sage “Hier ist Rauch.” Er kann den Rauch nicht sehen und deshalb muss ich so präzise wie möglich beschreiben, was passiert. Im besten Fall nach der KISS-Methode: Keep it short and simple. Denn er entscheidet daraufhin, was als nächstes passiert, in Rücksprache mit uns.

Durch den Job habe ich gemerkt, wie effektiv man vorankommt, wenn man klare Aussagen macht. Das nehme ich tatsächlich mit in mein Privatleben und profitiere davon. In der Crew ist es auch gewünscht, dass wir uns untereinander zeitnahes Feedback geben. So wie wir den Tag mit einem Briefing beginnen, hören wir mit einem Debriefing auf. Am Ende fragt der Purser uns: “Habt ihr noch etwas?” Damit ist gemeint, dass wir uns zum Tag äußern sollen. An dieser Stelle kann alles gesagt werden, nur zu persönlich sollte es nicht werden. Klar gibt es auch mal einen Clinch zwischen Kollegen. Aber dann gibt es die Chance, dass entweder direkt zwischen zwei Flügen zu klären oder am Ende des Tages. Wer dann nicht die Chance ergreift etwas zu sagen, ist eigentlich selber schuld. Nur sprechenden Menschen kann geholfen werden.

In diesem Sinne: Redet mehr miteinander, statt Fragen und Irritierungen unnötig mit euch rumzuschleppen. Redet auch gerne mit uns und stellt Fragen zu allen möglichen Themen.

In der nächsten Episode starten wir in die zweite Fragerunde. Ihr habt die erste verpasst? Dann schau mal hier.

Always happy landings,
eure Linda Luftikuss

von Linda Luftikuss

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