Logik - Luftfahrt - Flugzeug
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„Logik“ in der Luftfahrt – Was bedeutet das?

Tim Takeoff
27.09.2019
3 Fotos
5 Minuten

Na ist doch logisch! Oder etwa nicht? Logik kann in vielen Fällen von Vorteil sein, um technische und psychologische Hürden zu überwinden. Doch wie setzt man Logik in der Luftfahrt ein?

Die gesamte Fliegerei beruht auf logischen Schlussfolgerungen. Aus der Logik der Physik folgt der Flug des Menschen, aus der Logik der Technik ergeben sich immer modernere Möglichkeiten zur Umsetzung dieses Fluges.

Logik am Flughafen

Logik im Notfall

Meldet ein Flugzeug im Landeanflug einen Notfall, löst es automatisch eine Kette von Abläufen aus. Fluglotsen, Feuerwehr, Krankenwägen, Notärzte, Polizei bis hin zum Fahrer der Treppen und des Follow-Me-Fahrzeuges wissen in so einem Fall genau was zu tun ist. Sie folgen einer bestimmten Logik, die durch den Flughafenbetreiber genau definiert und anhand der geltenden Gesetze zugelassen wurde. Nur so erlangt ein Flughafen seine Betriebserlaubnis, denn gewisse Abläufe müssen von Anfang an klar sein.

Hersteller-Philosophien

Mindestens genauso kritisch steht es um die technische Logik innerhalb eines Verkehrsflugzeuges. Jeder Hersteller verfolgt dabei seine eigenen Philosophien. Bei manchen steht der Pilot als Mensch und letzte Instanz mehr im Vordergrund als bei anderen. Viele Verfahren werden auch von Airline zu Airline unterschieden.

Die Logik hat einen Vogel

Ein kleines Beispiel: Fliegt ein Vogel gegen die Windschutzscheibe eines Airbus, verlangt das vorgegebene Verfahren die Überprüfung der dreischichtigen Scheibe auf einen Bruch an der innersten Schicht (dies kann der Pilot im Flug überprüfen). Sollte sie intakt sein, kann theoretisch weitergeflogen werden. Ob man dies nun aufgrund der eingeschränkten Sicht nach Außen tun sollte, oder lieber an einem Platz mit bestem Wetter und zahlreichen Anflughilfen vorzeitig landet, sollte der Pilot nun selbst entscheiden.

Boeing lässt den Piloten entscheiden, ob es lediglich ein Riss ist, oder ein Leck in der Druckkabine angezeigt wird. Mit einem Riss kann man weiterfliegen. Sollte die Druckkabine betroffen sein, kann unter einer Flughöhe von 10.000 Fuß ebenfalls weitergeflogen werden, weil hier ausreichend Sauerstoff vorhanden ist, um auch ohne Druckkabine zu fliegen. Um weiterem Vogelschlag vorzubeugen, wird aber empfohlen möglichst zeitnah zu landen.

Logik im Cockpit

Checklisten

Ebenfalls gibt es inzwischen elektronische Checklisten. Die Verbannung der alten Papierlisten hat viele Vorteile. Sie können rasch aufgerufen werden oder erscheinen sogar automatisch, wenn gewisse Probleme entstehen. Wird beispielsweise ein Feuer in einem Laderaum erkannt, wird der Pilot sofort darauf hingewiesen und die entsprechende Checkliste ist vorausgewählt, um sie schnellstmöglich abarbeiten zu können.

Der Autopilot

Autopiloten haben eine ganz eigene Logik. Sie sind elementar zur Flugführung und -überwachung. Wenn ein Ausfall vorliegt, muss klar definiert sein, in welche Redundanz die Problematik fällt. Der Pilot kann also bei einem Systemausfall direkt davon ausgehen, welche Logik ihn als nächstes erwartet. Fällt ein primärer Flugcomputer aus, gibt es zum Beispiel weniger Warnungen für verschiedenste Flugzustände. Solange die Crew darüber informiert ist, können sie entsprechende Entscheidungen treffen und das Flugzeug anders operieren.

F-O-R-D-E-C

Auch die Entscheidungsfindung an Bord folgt einer genauen Logik. Insbesondere zu zweit kann es bei einem facettenreichen Problem schwieriger werden, eine gute Entscheidung zu treffen. Seit vielen Jahren wenden die meisten Airlines daher bestimmte Prinzipien an, um die Entscheidungsfindung zu erleichtern. Eines davon, ist das sogenannte „FORDEC„- Prinzip.

F= Facts / Fakten= Was genau ist vorgefallen? Welche Art von Problem hat das Flugzeug oder mit welcher Einschränkung muss man rechnen?

O= Options / Optionen= Was kann die Crew tun, um das Problem zu beheben? Kann weitergeflogen werden oder sollte man auch eine Ausweichlandung in Betracht ziehen? Welche Konsequenzen hat dies?

R= Risks & Benefits / Risiko und Nutzen= Welche Risiken oder Vorteile müssen in die Überlegung einbezogen werden?

D= Decision / Entscheidung= Der Pilot, der FORDEC durchführt, macht einen Vorschlag zur Entscheidung.

Meist übernimmt der jüngere oder unerfahrenere Pilot das FORDEC, um nicht durch einen autoritären Kollegen oder den Kapitän bereits verunsichert zu werden. Oft erreicht man so die bessere Entscheidung.

E= Execution / Ausführung= Die getroffene Entscheidung wird umgesetzt. Man informiert alle Betroffenen Parteien über die Entscheidung. Fluglotsen, weitere Kollegen, die Kabine und auch das Unternehmen.

C= Check= Nachdem die Entscheidung eingeleitet wurde, sollte immer wieder überprüft werden, ob die Entscheidung weiterhin zum gewünschten Ergebnis führt. Falls nicht, kann man auch jederzeit ein erneutes FORDEC durchführen, um eine bessere Entscheidung zu finden.

Nur durch solche Logiken lässt sich ein sicherer Flugbetrieb gewährleisten. Viele Dinge ergeben sich automatisch aus anderen, so sind Abläufe vordefiniert. Logik nicht nur in der Luftfahrt, auch Zuhause kann sie jedem eine Hilfe sein. 😉 Wenn doch immer alles so einfach wäre …

Noch einmal ausführlich erklärt: Wie werden Entscheidungen im Cockpit getroffen? In folgendem Video:

Ist doch logisch!

von Tim Takeoff

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