Urban Air Mobility - Smart Cities

Innerhalb und zwischen Städten – Luftverkehrsmobilität für Smart Cities

Reiner Hertl
09.04.2019
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Passagiere und Fracht über den Verkehrsstau am Boden hinweg schneller befördern: Der Urban Air Mobility-Markt beschleunigt sich. Die Luftfahrtindustrie, die Automobilindustrie und viele Kooperationen daraus sind im Rennen, aber auch viele Start-ups und Pioniere. Wie wird sich die urbane Architektur künftig mit den neuen Luftstraßen verwandeln?

Drohnen- und Lufttaxi-Technologien vieler Mobilitätsakteure

Senkrecht starten und landen könnende Lufttaxis sind bald nicht mehr nur für Metropolen wie Mexico City und Singapur in der Testphase. Airbus testet seinen “CityAirbus” bald in Ingolstadt:

Die fünf sogenannten „MAHHL-Städte (Maastricht, Aachen, Hasselt, Heerlen und Lüttich) schlossen sich im Herbst 2018 der UAM-Initiative der Europäischen Innovationspartnerschaft „Smart Cities and Communities“ an, um Mobilitätslösungen mit Mehrwert mit zu entwickeln.

Als eine der ersten deutschen Städte wurde dort schon im Juni 2018 auch Hamburg als Modellregion begrüßt, auch Genf gehört dazu. Die eVTOLs (Vertical Take-Off and Landing) und Drohnen (UAS Unmanned Aerial Systems) sind ein beständiger Wachstumsmarkt. Und können als Option on demand kürzere Luftstraßen ganz neu erschließen.

Pilotstrecken und Modellregionen

In den Metropol-Regionen und Großstädten sind die Verkehrssysteme Auto, Bus, Bahn nicht nur in Deutschland längst und oft an ihren Grenzen. In staugeplagten, stark frequentierten Regionen wie Hamburg, Rhein-Ruhr-Gebiet oder Großraum München: Jedenfalls vorbei am Berufsverkehr sollen die elektrischen oder hybridgetriebenen Autos fliegen. So ist nicht nur die Hoffnung der Verkehrsforscher, sondern auch aller Klimaschutz- und Lärmschutz-Verantwortlichen. Koordiniert werden muss dieser neue Luftverkehr mit dem etablierten Luftverkehr und den anderen Verkehrsträgern wie Schifffahrt und Schienenverkehr, Korridore können sich überschneiden. Neben den noch offenen technischen und technologischen Fragen, an deren Antworten vielerorts gearbeitet wird, ist das rechtliche Regelwerk für den Luftraum und seine Sicherheit diesbezüglich weiter anzupassen und zu aktualisieren. Was ob der Innovationen vorausschauend keine leichte Aufgabe ist:

Verkehrsmanagement, rechtliche Rahmenbedingungen und Luftfahrtbestimmungen

Die Gesetze dürfen nicht erst geschaffen werden, wenn die Ingenieure die Fluggeräte fertig entwickelt haben

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer

,so Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer bei der Präsentation des „CityAirbus“ in Bayerns Boomtown Ingolstadt. Das Zusammenwirken „Hunderter bis Tausender solcher Fluggeräte in engen Straßenschluchten“ brauche eine Form von Flugführung, „die wir heute noch gar nicht kennen – reine Autonomie wird es kaum sein können“, so Rolf Henke, Vorstand des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, zuständig für Forschung und Technologie. Und weist darauf hin: „Für alle diese Fragen wird an entsprechenden Zulassungsregeln gearbeitet, die wir eben noch nicht haben, und das wird in unser aller Interesse als Passagier im Lufttaxi wie als Passant auf der Straße vermutlich auch nicht so schnell gehen“.

Auch auf anderen Kontinenten ist das rechtliche Regelwerk ebenso noch neu zu justieren. „Es ist notwendig, dass die Regierung bei der Festlegung von Sicherheitsstandards eine Führungsrolle übernimmt und koordiniert“, so beispielsweise Yasuo Hashimoto, Forscher bei Tokyo Aviation Management Research in Tokio im Herbst letzten Jahres.

Stadtarchitektur, Stadtplanung und lokale Infrastruktur

Die Thematik, wie sich die urbane Architektur und Infrastruktur neu auf die neuen Fluggeräte ausrichten können und müssen, haben wir in einem jüngeren Beitrag zur Urban Air Mobility ja schon angeschnitten: Start-, Lande- und Ladeplätze beispielsweise auf umgerüsteten Parkdecks und Dächern von Hochhäusern und neuen Bauten, Vertiports, Landing Pads oder Hubs. So wäre beim Umbau des Münchner Hauptbahnhofs auch gleich ein Landeplatz für Lufttaxis zu errichten? Auch andere Metropolen bereiten sich auf die zukünftigen Mobilitätsbedürfnisse längst vor. Zum Einblick auf die Dynamiken ein Spotlight wieder auf den Aviation Cluster Hamburg, unter anderem auch Sitz des Drohnennetzwerks WiNDroVe:

SXSW 2019, ITS-Weltkongress 2021

Experten gehen davon aus, dass in Deutschland in der Mitte der nächsten Dekade die ersten Flugtaxis Passagiere transportieren werden. Im UAM-Markt, in dem durchaus Goldgräberstimmung zu verzeichnen ist, herrscht natürliche Konkurrenz und der Kampf um Marktanteile ist in vollem Gang. Aber es wird auch viel auf Dialog, Kooperationen und Partnerschaften gesetzt. So hatte Hamburg, offizielle Partnerstadt der europäischen Urban Air Mobility-Initiative, jetzt Ende März ein Podium auf der SXSW in Texas, der weltweit führenden Konferenz für Trends auch aus der Technologie. Beteiligt waren das ZAL, das Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung, und das Cluster Hamburg Aviation.

Und Hamburg wird 2021 auch den Intelligent Transport Systems ITS Weltkongress ausrichten, der nach Amerika und Asien alle drei Jahre in Europa stattfindet. Eines der Schwerpunktthemen: Urban Air Mobility.P

von Reiner Hertl

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