No-Show als Geschäftsmodell

Einfach erklärt: Was bedeutet No-Show?

Tim Takeoff
28.09.2018
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No-Shows sind vor allem eines: Teuer. Daher versuchen Airlines, dieses Risiko so weit wie möglich zu reduzieren.

Würde man diesen Begriff irgendwo aufschnappen, würde man ihn wahrscheinlich überall zuordnen, aber nicht der Luftfahrtwelt. Airlines verstehen unter „No-Show“, wenn ein Passagier trotz gekauftem Ticket nicht zu seinem Flug erscheint. Alleine bei der Lufthansa erscheinen jährlich etwa 3 Millionen Passagiere nicht zum Check-In.

Überbuchung als Kalkül

Interessant ist, dass sich die Anzahl der nicht angetretenen Flüge von Land zu Land stark unterscheidet. Bei japanischen Passagieren kennt man dieses Phänomen kaum, bei indischen hingegen tritt es häufiger auf. Airlines haben daher einen speziellen Prognose-Algorithmus entwickelt. Basierend auf Parametern wie Umbuchungsstatistiken, Wetterdaten und kulturellen Besonderheiten können sie sehr genau berechnen, welche Flüge besonders anfällig für No-Shows sind. Diese werden daraufhin gezielt überbucht. Sollten dann doch zu viele Passagiere erscheinen, wird das Problem meist mit diversen Boni für die Kunden gelöst. Dazu gehört das „Upgrade“ in eine andere Buchungsklasse auf demselben Flug. Wenn das nicht möglich ist, wird eine Entschädigung mit kostenloser Übernachtung und Umbuchung auf einen späteren Weiterflug angeboten. Die Airlines übernehmen sämtliche Unkosten, wie Mahlzeiten oder Transfers.

Glücklicherweise sind unschöne Szenen, wie Anfang des Jahres in einem Flugzeug von American Airlines, die Ausnahme. Ein Passagier wollte die überbuchte Maschine nicht freiwillig verlassen und wurde sehr unsanft aus dem Flugzeug komplementiert. Dabei zog er sich sogar leichte Verletzungen zu.

Flexible versus fixe Buchung

Hat sich bei der privaten Planung etwas geändert, ist es häufig schwer, auch den entsprechenden Flug umzuplanen. Die wenigsten Menschen buchen privat die teuerste Buchungsklasse: Flexible Tickets. Mit diesen ist es möglich, jedes Flugzeug zum Zielort zu nehmen. Eine unheimlich kostspielige Angelegenheit. Man umgeht damit jedoch den großen Nachteil festgebuchter Tickets, die bei Nichtantritt des Fluges verfallen. Ein Umbuchen kann den Kunden ebenfalls teuer zu stehen kommen.

Privat oder geschäftlich – Gründe für No-Show sind vielfältig

Warum tut man so etwas: Einen Flug buchen und dann einfach nicht kommen? Nun, es kann vielfältige Gründe geben. Wie zum Beispiel eine Verspätung der ersten Maschine, wodurch Passagiere den Anschlussflug nicht mehr erreichen. Auch allgemeine „Verhinderungen“ des Alltags, wie eine volle Autobahn oder dem kurzfristig erkrankten Familienmitglied spielen eine Rolle. Doch das sind lange noch nicht alle Gründe.

Viele Passagiere, insbesondere auf der Kurzstrecke, sind Business-Traveller. Die Firmen buchen Tickets für ihre Mitarbeiter häufig „ins Blaue“. Geld spielt keine Rolle. Verschieben sich geschäftliche Termine, müssen die Mitarbeiter umgebucht werden. Zahlreiche No-Shows sind die Folge. Bei flexiblen Tickets bleiben die Sitze manchmal einfach leer. Gut für die Airline, denn wenn der Flieger überbucht ist, können diese Sitze erneut angeboten werden. Im Endeffekt wurde diese Plätze dann sogar doppelt bezahlt.

No-Show als Geschäftsmodell

Gerade bei modernen Billigfluglinien sind „No-Shows“ ein lukratives Geschäftsmodell. Meistens ist es für Kunden sogar günstiger, einfach nicht zu erscheinen und ein neues, billiges, Ticket zu kaufen, anstatt teuer umzubuchen.

Was die meisten nicht wissen: Bei festgebuchten Tickets, insbesondere Billigtickets, erfolgt zwar keine Erstattung des Flugpreises, aber dennoch ist jede Airline Europas nach der EU-Fluggastrechte-Verordnung gesetzlich dazu verpflichtet, bei einer Vorab-Stornierung gewisse Teile des Gesamtpreises zu erstatten. Hierzu zählen insbesondere Steuern, Gebühren und personenbezogene Zuschläge wie zum Beispiel Sitzplatzreservierungen und Zusatzgepäck. Es kann sich also lohnen zu stornieren, anstatt einfach nicht zu erscheinen.

Kommerzielle „Hilfe“ im Kampf gegen die Airlines

Bei vielen Fluggesellschaften ist es unheimlich umständlich, einen Flug zu stornieren. Viele scheuen daher davor, sich mit der Airline auseinanderzusetzen. Insbesondere da diese sehr darin geübt sind, Rückerstattungen möglichst kompliziert und langwierig verlaufen zu lassen. Mit dieser Taktik wird jeder No-Show zum guten Geschäft.

Zur Freude der Kunden entwickelt sich allerdings mittlerweile ein regelrechter Markt um potentielle No-Shows. Inzwischen bieten Start-Ups, wie beispielsweise „Geld-fuer-Flug.de“ an, sämtliche Arten von Flugtickets von Endkunden abzukaufen. Will man seinen Flug nicht antreten, scheut aber den Rechtsweg gegen die Airline, wendet man sich an diese Unternehmen. Sie bewerten die Tickets online und ermitteln den erstattungsfähigen Anteil – unter Berücksichtigung verschiedenster Faktoren wie Wert, Vorlaufzeit, enthaltene Leistungen und gebuchte Airline. Bei positiver Prüfung bieten sie dem Kunden anschließend eine sofortige Auszahlung und behalten selbst eine Provision ein. Der Kunde tritt sämtliche Ansprüche an seinem Ticket ab, bekommt aber in kürzester Zeit einen guten Teil seines Geldes zurück. Den Rechtsstreit mit der Airline übernimmt das Unternehmen, damit hat man als Kunde nichts weiter zu tun.

Natürlich könnte man diesen Weg auch selbst bestreiten, doch die meisten bezahlen gern etwas Geld, um dafür die Zeit und den Ärger abzugeben.

Bilder Pixabay – Stocksnap

von Tim Takeoff

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