Oft gestellte Fragen - Linda Luftikuss

Oft gestellte Fragen – Teil 1

Linda Luftikuss
25.12.2018
5 Minuten

Wenn ich in neuen Kreisen erzähle, dass ich als Flugbegleiterin arbeite, höre ich oft die gleiche Reaktion: “Oh, wie toll! Das war immer mein Traumberuf!” Es erstaunt mich immer wieder, wie man mit einem Satz auf einmal die komplette Aufmerksamkeit auf sich zieht und die nächsten 45 Minuten als Alleinunterhalter das Abendprogramm füllt. Dabei werden natürlich auch oft viele Fragen zum Job gestellt und daher dachte ich, beantworte ich euch in zwei Teilen einmal die meist gestellten. Es ist eine Mischung aus persönlichen und praktischen Fragen und ich hoffe, ihr habt Spaß mit den Antworten.

1. Was denkst du, wenn du uns beim Boarding lächelnd begrüßt?

Je nach Tageszeit und Grad der Müdigkeit und Laune folgendes: Einfach nur “Hallo”, “Geh mal weiter”, “Schöne Bluse”, “Warum glotzt du mich so an?”, “Den würde ich aber gerne näher kennenlernen”, “Scheiß Frisur”, “Oh, niedliche Kinder!”, “Warum dauert das so lange?”, “Warum so viel Gepäck?” “Hat das Bodenpersonal mal wieder kein Handgepäck abgenommen, danke für nichts”

2. Fühlt man sich nicht unwohl, die Sicherheitsdemonstration zu machen?

Früher dachte ich auch, dieser Teil der Arbeit sei leidig: Sich vor Menschen eine gelbe Schwimmweste über den Kopf ziehen und dabei noch die Frisur zerstören. Peinlich! Heute stört es mich nicht, die Demo zu tanzen, wie wir sagen. Im Gegenteil. Ich finde es gut, über diesen persönlichen Kontakt auf die sicherheitsrelevanten Dinge wie Notausgänge und Sauerstoffmasken hinzuweisen. Man bekommt ein Gefühl für die Stimmung in der Kabine. Auch wenn viele die Demo gar nicht mehr schauen und wir nicht ihre Aufmerksamkeit haben. Manch eine Kabinenleitung macht auch sehr witzige Ansagen, da hat man die Aufmerksamkeit natürlich eher und es können Lacher entstehen. Das ist irgendwie ein schönes Gefühl, es ist wie ein Eisbrecher zwischen uns und den Gästen. Am meisten stört es mich, wenn Passagiere sich ungeniert und vielleicht noch lautstark weiter unterhalten. Das finde ich meiner Arbeit gegenüber respektlos.

3. Rammst du mein Knie mit Absicht?

Nein, natürlich nicht. Aber wenn man mit einem beladenen Trolley, der gut und gerne 80 Kilo wiegen kann, durch die Kabine eiert und man auf dem Weg von vorne nach hinten zwei spielenden Kleinkindern, einer ausgebreiteten Zeitung, vier schlafenden und in den Gang hinein hängenden Köpfen und dann noch drei lang ausgestreckten Beinen ausweichen muss, kann es leider schon mal passieren, dass wir das 27., in unseren Arbeitsbereich gesteckte Knie, zu spät oder gar nicht sehen und es rammen. Ja, ich kann mir vorstellen, dass es weh tut. Und ich entschuldige mich auch immer, ernst gemeint. Aber bevor du dich das nächste Mal freust, einen Gangplatz bekommen zu haben, um deine Beine auszustrecken, denk an meine Worte: Der Gang ist unser enger Arbeitsbereich und wir schieben auf Stöckelschuhen 80 Kilo vor uns her.

4. Warum wird so oft Tomatensaft bestellt?

Hierauf gibt es zwei Antworten. Wenn wir uns auf Reisehöhe befinden, herrscht ein anderer Luftdruck. Deshalb nehmen Geschmacksnerven und Nase weniger wahr: Salz wird bis zu 30 Prozent weniger geschmeckt, Frucht- und normaler Zucker hingegen nur 15 bis 20 Prozent weniger. Den meisten schmeckt der Saft auf einer Höhe von ca. 10.000 Metern besser, als auf dem Boden. Ich denke aber auch, dass hier das Angebot die Nachfrage bestimmt. Würden wir einen anderen Gemüsesaft anbieten, würde dieser getrunken werden. Ich glaube, im Flieger einen Tomatensaft trinken, ist für viele einfach wie im Kino Popcorn zu essen. Es gehört irgendwie dazu.

5. Habt ihr Codewörter untereinander, damit die Gäste nicht alles verstehen, was ihr sagt?

Sehr witzige Frage eigentlich. Kennt man ja vom Zahnarzt, wenn der Arzt in den Mund reinschaut und kryptische Ausdrücke von sich lässt. An Board haben wir das nicht. Wenn man seine Kollegen über einen Gast informieren will (“Stellt unrealistische Forderungen”, “hat gutes Trinkgeld gegeben”, und so weiter), dann machen wir das in der Galley und am besten im Flüsterton. Klar reden wir über Gäste!

6. Hast du manchmal Angst beim Fliegen?

Nein, habe ich nicht. Auch nicht bei Turbulenzen. Klar, man erschreckt sich schon mal, zum Beispiel bei einem unerwarteten Luftloch. Turbulenzen können das Arbeiten auch hinderlich machen, manchmal brechen wir den Service dann auch ab, weil es zu unsicher wird. Keiner möchte mit einem Trolley abheben oder damit umfallen. Aber der Technik beziehungsweise dem Flieger macht die Wackelei nichts aus. Seitdem ich in diesem Beruf arbeite und die technischen und operativen Prozesse mit seinen ganzen Standards besser kenne, bin ich meistens sehr tiefenentspannt. Viele Leute fühlen sich beim Fliegen unwohl, halten Händchen mit dem Partner oder fragen nach, ob es wackeln wird. Das finde ich gar nicht peinlich. Redet mit uns, wir freuen uns! Seitdem ich als Flugbegleiterin arbeite, hat sich mein Vertrauen in Technik stark gebessert. Ich gehe sogar wieder auf Achterbahnen, was ich lange Zeit nicht gemacht habe. Verrückt eigentlich, aber ist so.

Ich hoffe, ich konnte euch ein paar Fragen beantworten und persönliche Einblicke geben. Ein zweiter Teil mit weiteren Fragen und Antworten wird folgen, denn es gibt noch viel zu erzählen.

In der nächsten Episode widmen wir uns aber zunächst der Kommunikation und den Umgangsformen unter den Kollegen.

Always happy landings,
eure Linda Luftikuss

von Linda Luftikuss

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