Sitzbezüge von Pautina Airtex bei gemanwings

Paustian Airtex – Über Digitalität in der Textilindustrie

Charlotte Ebert
04.05.2019
6 Fotos
5 Minuten

Seit mehr als 45 Jahren stellt die deutsche Firma Paustian Airtex Sitzbezüge, Vorhänge, Teppiche und andere Polsterprodukte für die Luftfahrtindustrie her. Seit 20 Jahren trifft man das aus Norddeutschland kommende Familienunternehmen auch auf der Aircraft Interiors Expo an. Dafür haben sie in diesem Jahr sogar einen Preis bekommen. Wir sprachen mit Geschäftsführer Kay Frahm über Firmenhighlights der vergangenen Jahrzehnte, welche Materialien in der Zukunft in die Produktion einfließen könnten und was ihn manchmal zur Verwunderung bringt.

Das Interview mit Paustian Airtex

Mit welchen Produkthighlights sind Sie auf der AIX gewesen?

Mit unseren Bezügen. Alles, was im Flieger aus Leder oder Stoff ist, kann von der Firma Paustian Airtex kommen: Bezüge, Vorhänge, Kopfstützen und auch exklusivere Wünsche, wie gepolsterte Klodeckel.

Auf Ihrer Website kann man der Timeline sehen, dass Sie 2002 Germanwings mit Lederbezügen ausgestattet haben. Warum war das ein Highlight?

Es war das erste Mal, dass wir Lederbezüge unter Serienbedingung mit großen Stückzahlen an eine Airline verkauft haben. Das war mehr als Manufaktur, das war Serie. Mittlerweile ist das für uns das ganz normale Geschäft. Aber vor 17 Jahren war das ein Highlight. Damals war alles stofflastiger, bis der Trend Richtung Leder ging.

Woran lag das?

Ich denke zunächst an das Visuelle, das Optische. Leder ist ein Naturprodukt, es lässt eine Airline hochwertiger erscheinen.

Worauf kommt es bei den Materialien an, außer natürlich den EASA Richtlinien?

Sie müssen mindestens zehn Waschzyklen aushalten, sie müssen widerstandsfähig sein, damit beispielsweise Hosennieten das Material nicht zerstören. Es muss leicht abwischbar, atmungsaktiv und von der Optik ansprechend und modern sein. Es darf natürlich auch nicht brennbar sein. Was außerdem immer wichtiger ist: Das Thema Gewicht. Das Material soll einen hohen Komfort bringen aber darf nichts wiegen. Jedes Gramm das eingespart wird, ist günstiger für die Airline.

Warum ist die AIX wichtig für Paustian Airtex?

Bei dieser Fachmesse geht es uns ums Sehen und Gesehen Werden geht. Seit zwanzig Jahren kommen wir her und stellen aus. Den Preis, den wir dafür gestern bekommen haben, haben insgesamt nur 20 Firmen erhalten.

Letztendlich ist auf der AIX alles komprimiert. Man hat in drei Tagen unglaublich viele Meetings. Das müsste man sonst über Dienstreisen oder Telefonate abwickeln. So kann man Connections wieder aufwärmen und sich über fachliche Themen austauschen. Dafür ist die Messe wirklich optimal. Wir haben auch 40 Mitarbeiter aus unserer Produktion eingeladen, damit sie einmal sehen, womit sie sich täglich beschäftigen: Was passiert hier auf der Messe? Was wird ausgestellt? Wir wollen unseren Mitarbeitern auch die Möglichkeit geben, einfach mal rauszukommen und Inspiration zu bekommen.

Was war Ihr persönliches Highlight?

Unsere Abendveranstaltung mit Kunden und Lieferanten. Wir haben mit knapp 90 Gästen gefeiert, das Feedback war positiv und wir haben gute Kundenaufträge bekommen. Die Arbeit, die wir in die Messe reingesteckt haben, hat sich gelohnt, weil wir etwas zurückbekommen haben.

Wie kann Digitalisierung im Textilbereich einziehen?

Bei uns geht es in Richtung automatische Produktion. Mittlerweile gibt es Nähfeldautomaten. Das sind elektronische Musternäher, die man programmieren kann. Sie können gewisse Nähte automatisch setzen, jedes Teil sieht dann mustergültig aus. Das geht aber nur unter Serienproduktion, da der Automat ab 100.000 Euro aufwärts kostet.

Auch Personalisierung ist ein Thema, das weiter einziehen wird. Die eigentliche Produktion bleibt ein Handwerk, gerade bei kleineren Stückzahlen. Da müssen Näher und Näherinnen per Hand ran.

Was wundert Sie manchmal in der Luftfahrtindustrie?

Schnellschüsse. Spontane Bestellungen, die sofort umgesetzt werden müssen. Ein Beispiel: Eine Airline bestellt Sitze, dann gibt es Entwicklungszeiten, die Designer toben sich aus, es gibt Vorkonstruktionen und so weiter. Irgendwann kommen wir als Produzenten mit ins Boot. Die Entwicklung geht weiter bis irgendwann die ersten Muster stehen.

Anschließend haben wir Produzenten teilweise nur ein bis zwei Wochen Zeit für die Produktion und das ist einfach zu wenig. Da frage ich mich: Was ist denn in den drei Jahren vorher passiert? Da ist ja auch unglaublich viel Zeit investiert worden. Aber für die Herstellung des eigentlichen Produktes haben wir dann kaum noch Zeit, weil der Termin für die Auslieferung bereits in Stein gemeißelt ist, obwohl andere Terminfristen immer weiter verschoben werden. Wir sind flexibel und möchten auch alles umsetzen, aber warum gibt man uns nicht vier oder fünf Wochen?

Mittlerweile werden T-Shirts aus Algen oder Eukalyptus hergestellt. Sehen Sie derartige nachhaltige Materialien auch bei Paustian Airtex?

Ja, gerade beim Thema Stoff, aber auch beim Leder. Wir haben immer einen gewissen Ausschuss, wenn wir Leder produzieren. Dieses Leder kann man schreddern und daraus Kunstleder generieren. Aus altem wird so neues Material.

Dass wir keine Abfälle mehr produzieren, sondern neue Bezüge daraus kreieren wird immer mehr kommen, denn die großen Airlines wollen mit einer grünen Produktion punkten und Werbung machen.

Danke für das Gespräch.

von Charlotte Ebert

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