Perlan I

Perlan Project – Perlan I – Wie alles begann

Jennifer Weitbrecht
30.11.2018
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6 Minuten

Das Airbus Perlan Project nähert sich bereits dem Ende der zweiten Phase. Wir hatten in einem anderen Beitrag bereits über die großartigen Erfolge der Mission 2 berichtet. Doch was genau geschah während Mission 1, was waren deren Forschungsziele und welcher besondere Segelflieger ermöglichte das Erreichen ungeahnter Höhen?

Der Ursprung des Perlan Project

Bereits seit 1932 gleiten Segelflieger auf atmosphärischen Wellen dahin. Man kann sich dieses Gleiten ähnlich vorstellen wie das Surfen im Meer. Wobei der Flieger eher in der Welle als auf der Oberfläche der Welle dahingleitet.

In der Zeit von 1992 bis 1998 sammelte Perlan-Gründer und NASA Testpilot Einar Enevoldson Beweise zu einem Wetterphänomen, von dem bis dahin niemand wusste: Riesige stratosphärische Schwerewellen. Im Winter dehnen sich diese Wellen in Regionen nahe der Pole bis in die Troposphäre und sogar weit in die Stratosphäre aus. Sie entstehen vergleichbar wie riesige Meereswellen. Ursache sind starke Winde, die über die Gipfel hoher Bergketten, wie beispielsweise der Anden, hinwegwehen. Die anströmende Luft wird hierbei durch das Terrain zur Hebung gezwungen, ähnlich einem Stein im Wasser. Nach dem Stein, bzw. dem Berg, kann die Luftmasse nun wieder abfallen und beginnt zu Schwingen. Je nach atmosphärischen Gegebenheiten stärker und höher als man bisher angenommen hat.

Als erfahrener Pilot wurde es Enevoldson schnell klar, dass es möglich sein müsse, auf diesen Wellen mit einem Segelflieger bis nahe an den Rand des Weltraums zu steigen. Das zu beweisen setzt er sich zum Ziel und gründete 1999 das Perlan Project. Benannt wurde es nach den Perlglanzwolken in Skandinavien.

Dr. Elizabeth Austin schließt sich an

Bereits im Jahre 1998 schloss sich die Meteorologin Dr. Elizabeth Austin mit Enevoldson zusammen. Sie ging noch einen Schritt weiter mit ihren Behauptungen. Sie wollte beweisen, dass der stratosphärische, polare Nachtstrahl sowie der Polarwirbel diejenigen Faktoren sind, welche die Schwerewellen aufrechterhalten und darüber hinaus dazu führen, dass die Wellen Höhen von bis zu 39.624 Metern erreichen können. Mehr zu Dr. Elizabeth Austin erfahrt ihr in einem weiteren Beitrag.

Perlan Project Mission 1 – Die Forschungsziele

Die Mission 1 des Perlan Project sollte vor allem drei Fragen beantworten:

1. Bei Projektstart war bereits klar, dass die erforderlichen Bedingungen für stratosphärische Schwerewellen lediglich in sehr hohen Breitengraden entweder der nördlichen oder der südlichen Hemisphäre vorliegen würden. Ob diese Wellen überhaupt existieren und wo genau die richtigen Bedingungen vorliegen, musste erst noch festgestellt werden. Bis zu diesem Zeitpunkt bekannte Wellensysteme, bspw. in den Anden, reichten maximal bis in die Tropopause.

2. Keiner hatte es bis zu diesem Zeitpunkt gewagt, mit einem Segelflieger in derartige Höhen vorzudringen. Und es war noch nicht klar, ob es überhaupt möglich ist. Daher musste zunächst erforscht werden, ob ein Segelflieger von den niedrigeren Wellen der Oberflächenwinde zu den höheren Wellen wechseln kann, die mit dem Polarwirbel interagieren. Der Übergang findet bei ungefähr 15.240 Metern Höhe statt – eine Region, in der zuvor kein Segelflieger flog.

3. Auf einer Höhe von 27.432 Metern sind die Bedingungen denen auf dem Mars sehr ähnlich. Der Segelflieger und seine Crew sind extrem niedrigem Luftdruck, extrem niedriger Luftdichte sowie Temperaturen um die minus 56,67 Grad Celsius ausgesetzt. Das dritte Ziel der ersten Mission war daher die Erforschung der notwendigen Systeme, welche die Crew in derartigen Höhen und unter diesen Bedingungen am Leben halten.

Die Perlan I – Ein ganz normaler Segelflieger

Der Segelflieger der Mission 1 war überraschenderweise kein besonderes Flugzeug. Es handelte sich dabei um eine umgebaute DG505m. Sprich ein Serienflugzeug, das von der DG Flugzeugbau GmbH in Bruchsal gebaut wurde. Sie verfügte ursprünglich über einen Zweitaktmotor zum Selbststart. Unter anderem um Gewicht zu sparen, wurde der Motor für die Mission durch Sauerstofftanks, wissenschaftliche Instrumente und nicht wieder aufladbare Batterien ersetzt, damit Funk, Sauerstoffregler und Fluginstrumente mit Strom versorgt werden konnten. Für den Start musste die Perlan mit einem herkömmlichen Schleppflugzeug auf die notwendige Höhe geschleppt werden.

Das breite Cockpit war für schwere Lasten zugelassen, aber dennoch recht klein für die Piloten Steve Fossett und Einar Enevoldson. Da das Flugzeug nicht über eine Druckkabine verfügte, trugen beide von der NASA geliehene Raumanzüge, die viel Platz einnahmen.

Technische Fakten zur Perlan I

EigenschaftSpezifikation
Crew2
KabinendruckKein Kabinendruck
Leergewicht390,09 kg
Gesamtgewicht630,04 kg
Spannweite17,98 m
Flügelfläche16,63 qm
Längenverhältnis19,52
Maximale Geschwindigkeit270,37 km/h
Tragflächenbelastung38,08 kg / qm

Ausrüstung der Perlan I

Für das Erreichen einer Höhe von 15.240 Metern und die Gewährung der Sicherheit der Crew gab es gewisse Anforderungen an die Ausrüstung. An Bord waren:

Fossett und Enevoldson brechen den Höhenrekord

1999 schloss sich Steve Fossett – Abenteurer, Segler und Rekordflieger – dem Projekt an. Er war der erste Mensch, der die Welt alleine und ohne Unterbrechung in einem Ballon umrundete. Fossett wurde Sponsor und Pilot der Perlan I.

Am 30. August 2006 flogen Fosset und Enevoldson die Perlan I – auf eine gewaltige Höhe von 15.460 Metern. Sie brachen damit den bisherigen Segelflieger-Rekord um lediglich 507 Meter. Durch diesen Höhenrekord war die Existenz stratosphärischer Wellen auf eindrucksvolle Weise bewiesen.

Eigentlich hätten sie sogar noch höher fliegen können! Sie bekamen jedoch Probleme mit ihren Druckanzügen. Diese blähten sich in der Kabine so weit auf, dass die Piloten sich nicht mehr genug bewegen konnten, um das Flugzeug sicher zu navigieren. Sie beschlossen daher, zum Boden zurückzukehren und für den weiteren Verlauf des Projektes einen speziellen Segelflieger mit Druckkabine zu entwickeln. Die Entwicklung dieses nächsten Fliegers – der Perlan II – war der Auftakt der Mission II.

Mysterien und Skandale rund um das Perlan Project

Rund um das Perlan Project gibt es spannende Mysterien und Skandale zu Menschen, Flugzeugen und Begebenheiten. Unter anderem ranken sich einige Mysterien um Projekt-Unterstützer und Pilot Steve Fosset. Wie kam es zu seinem überraschenden Absturz auf einem Routineflug am 3. September 2007 und was hat man inzwischen herausgefunden? In diesem Beitrag rund um Menschen und Hintergründe, zeichnen wir das „Big Picture“ des Perlan Project.

Bildmaterial © Perlan Project / Titelbild – Pixabay qimono

von Jennifer Weitbrecht

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