Plastikmüll - Fliegen - Passagier

Plastikmüll – Flugzeugbäuche voller Müll liegen uns zunehmend schwer im Magen

Esther Nestle
10.03.2020
4 Minuten

Viele eingepferchte Leute, die über Stunden hinweg auf engstem Raum ihrem Ziel entgegenfliegen, produzieren Unmengen von Müll. Müllmassen in Massen-Verkehrsfliegern potenzieren sich, sie fokussieren das Müllproblem wie unter einem Brennglas. Die Leute? Sie verlassen den Flieger müll-los. Die Airlines? Ihr Job ist es, den Müll loswerden – irgendwie, irgendwo. Besondere Challenge? Die Entsorgung von Plastikmüll.

5,8 Milliarden Kilo Passagier-Müllklotz. Jährlich!

Unglaubliche 1,43 Kilo Abfall lässt der Durchschnitts-Passager im Flieger zurück (Quelle IATA). Hochgerechnet setzen unsere gesammelten Flugreisen Jahr für Jahr einen 5,8 Milliarden Kilo Müllklotz auf unseren Planeten, Tendenz steigend. Der Löwenanteil? Plastik. Die Becher sind aus Plastik, die Salatdeckel sind aus Plastik, die Besteckverpackungen, das Besteck selbst, die Hüllen für Decken und für Einwegkopfhörer, die „natürlich“ auch aus Plastik sind und und und …….

Dass wir uns richtig verstehen:

Plastikmüll ist ein globales Problem mit vielen Verursachern und Facetten. Mit dem Finger auf Flugzeugbetreiber zu zeigen greift viel zu kurz. Wie bereits im Intro angetippt: Der in Verkehrsflugzeugen praktizierte Lifestyle ist so etwas wie der Spiegel unserer Gesellschaft – hier zeigt sich auf engstem Raum unter „extremen“ Bedingungen, wie wir Menschen drauf sind. Von den Airlines kann niemand Müllvermeidungs-Wunder erwarten. Letztlich tun sie genau das, wofür wir Passagiere bereit sind zu zahlen. Vor allem wollen alle eins: billig.

Flugzeugkabine
© Pixabay Stocksnap 2594469

Lästig und schmerzhaft

Plastik ist verd … anhänglich, wie etwa Seeigelstacheln in der Fußsohle. Dieses ganze Plastikmüll-Thema – beileibe nicht nur der Flugpassagier-Müll!! – sticht immer tiefer in unser gesellschaftliches Gewissen. Die Airlines werden das Zeug in Deponien oder in Müllverbrennungsanlagen (hallo Luftverschmutzung …) los. Im Recycling-Kreislauf hingegen landet kaum Passagier-Müll.

Erschwerende Umstände spucken den Airlines in die Plastiksuppe.

Die Airlines sind in der Plastikvermeidungs-Pflicht, keine Frage. Sie agieren jedoch unter erschwerten Bedingungen:

  1. Hygiene in der Luft. Wo viele Menschen auf engstem Raum zusammen sind, sind Sauberkeit und Keimvermeidung oberstes Gebot (gerade in Zeiten von Pandemien wie Corona). Mit Folienversiegelungen können Airlines hygienisch einwandfreie Verpackungen gewährleisten!
  2. Plastikbecher, -teller und -besteck wiegen wenig. Seht ihr die Ambivalenz? Weniger Plastik heißt nicht automatisch mehr Umweltschutz. Je mehr Gewicht, desto höher der Kerosinverbrauch.
  3. Hygiene am Boden: Bordverpflegung aus dem interkontinentalen Ausland muss entweder verbrannt oder tief in Mülldeponien vergraben werden. Beispiel Küchenabfälle – die werden von den meisten Länder als Hochrisiko-Abfälle eingestuft. Die Länderregeln für Airlines sind da rigoros.
Mülldeponie - Plastikmüll
© Pixabay Prylarer 879437

Weniger Plastikmüll – was machen Airlines? Beispiele.

Komfortartikel ohne Plastikhülle

Immer mehr Airlines verabschieden sich vom Einschweißen diverser Komfortartikel. Slipper, Wolldecken, Kopfhörer händigen sie ohne Plastikhüllen an den Passagier aus.

Biologisch abbaubare Ess-Utensilien

Mehrweg-Geschirr

Mehrere Airlines erproben den Einsatz von Mehrweg-Kunststoffgeschirr, darunter auch die Lufthansa.

Bordverpflegung vorbestellen

An Bord kommt nur, was wirklich verzehrt wird. Ein kleiner Hebel mit großer Wirkung! Viele Airlines setzen inzwischen an diesem Hebel an.

Wie Passagiere Plastikmüll vermeiden können.

Auch Passagiere sind dem Aero-Müllberg nicht tatenlos ausgeliefert.

Wir können unsere eigene Trinkflasche mitbringen und vom Personal immer wieder nachfüllen lassen. Wir müssen nicht alles nutzen, was uns angeboten wird: Brauchen wir wirklich den eingeschweißten Toilettenbeutel und die eingeschweißten Einmal-Ohrstöpsel? Wir können uns sogar Essen von zu Hause mitbringen: Die selbst belegte Stulle schmeckt allemal besser als das in Plastik eingesperrte Pappbrötchen – und gesünder ist sie vermutlich auch …

Titelbild @ Pixabay FunFunFun 676489

von Esther Nestle

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