Elektroflugzeug ACCEL von Rolls Royce

Rolls Royce – Schnellstes Elektroflugzeug der Welt

Jennifer Weitbrecht
11.01.2019
6 Minuten

Es geht voran im Forschungsbereich Elektroflugzeug: Im Südwesten von England entwickelt Rolls Royce gemeinsam mit Partnern ein besonderes Elektroflugzeug, das die bisherigen Geschwindigkeitsrekorde von Elektrofliegern in den Schatten stellen soll. Bereits 2020 soll das Flugzeug einsatzbereit sein.

Das Projektziel? Geschichte schreiben!

Rolls Royce beabsichtigt, mit dem Projekt „ACCEL“ – kurz für „Accelerating the Electrification of Flight“ – die Förderung der Elektrifizierung in der Luftfahrt zu unterstützen. Sofern das Projekt erfolgreich verläuft, wird es der E-Mobilität ohne Zweifel neuen Schub verleihen.

Derzeit entwickelt wird ein neuartiges und vollständig elektrisch betriebenes Flugzeug, das keinerlei Emissionen verursacht. Es sollen Geschwindigkeiten erreicht werden, die zuvor kein ausschließlich elektrisch betriebenes Flugzeug erreicht hat. Anvisiert wird eine Geschwindigkeit von mehr als 480 km/h (mehr als 300 mph). Damit würde der Flieger den bisherigen Rekord weit hinter sich zurücklassen. Verläuft alles nach Plan, soll der Rekordflug bereits 2020 angetreten werden. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich dabei lediglich um ein Zwischenziel handelt.

Der bisherige Weltrekord für Elektroflieger

Der aktuelle Rekord eines rein elektrisch betriebenen Flugzeuges wurde im März 2017 auf dem Flugplatz Dinslaken Schwarze Heide aufgestellt. Dabei handelte es sich um den Elektroflieger „Extra 330LE“. Für dieses Flugzeug lieferte Siemens den elektrischen Antriebsstrang, inklusive Leistungselektronik und Motor. Erreicht wurde damit eine Geschwindigkeit von 337,50 km/h (knapp 210 mph) über eine Distanz von drei Kilometern. Mehr dazu findet ihr in diesem Artikel und im folgenden Video.

Wer ist in das Projekt „ACCEL“ involviert?

Das innovative Projekt wird unter der Leitung des Unternehmens Rolls Royce auf dem Provinzflughafen Gloucestershire in Südwestengland durchgeführt. Ebenfalls an der Entwicklung beteiligt, sind das Luftfahrt-Startup Electroflight sowie der E-Motorenspezialist YASA. Dieses Unternehmen hat sich bereits in der Elektro-Rennserie Formel E einen Namen gemacht. Das ACCEL-Team besteht somit aus britischen Ingenieuren, Designern und Datenspezialisten aus den Reihen von Rolls Royce und darüber hinaus. Ebenfalls beteiligt ist die britische Regierung, die einen Teil der finanziellen Mittel für das Projekt zur Verfügung stellt.

Zahlen, Daten, Fakten – Einsitziges Elektroflugzeug „ACCEL“

Die Batterie

Der Lithium-Ionen-Batteriepack ist das Herzstück des Fliegers und besteht aus 6.000 Zellen. Laut Rolls Royce habe er die höchste Energiedichte, die jemals in einem Flugzeug verwendet wurde. Mit einer einzigen Aufladung liefere die Batterie genug Energie für rund 320 Kilometer (200 Meilen) – ohne Emissionen zu verursachen. Dies entspricht der Distanz von London nach Paris

Laut Rolls Royce sei die Batterie und insbesondere das Wärmemanagement der kritischste Punkt: Die Batterie müsse leistungsfähig genug sein, um eine Reihe von Geschwindigkeits- und Leistungsrekorden schlagen zu können. Dabei müsse sie resistent gegen Überhitzung sein sowie leicht und stabil gebaut werden, damit sie im knapp sieben Meter langen Kleinflugzeug Platz findet.

ACCEL-Projektmanager Matheu Parr ist überzeugt davon, dass das Team dieses Hindernis überwinden werde: „Das Flugzeug wird ein hochmodernes elektrisches System und die leistungsstärkste Batterie erhalten, die jemals für ein Luftfahrzeug gebaut wurde. Im kommenden Jahr werden wir ACCELS Fähigkeiten bei umfangreichen Tests unter Beweis stellen – und 2020 an der walisischen Küste die Goldmedaille holen!“

Motoren und Propeller

Der elektrisch verstellbare Dreiblattpropeller wird durch drei besonders leistungsfähige, von YASA in Großbritannien hergestellte Elektromotoren des Typs 750R-E angetrieben. Die Blätter drehen sich mit einer deutlich geringeren Drehzahl als bei konventionellen Flugzeugen. Dies ermöglicht einen stabileren und deutlich leiseren Flug. Mit 2.400 Umdrehungen pro Minute sorgt der Propeller für Vortrieb. Mit kontinuierlich mehr als 500 PS für den Rekordversuch.

Der Antriebsstrang

Der Antriebsstrang stammt ebenfalls von YASA. Er ist vollelektrisch und wird – analog zu einem Formel E-Auto – mit 750 Volt Spannung betrieben. Er biete eine Energieeffizienz von 90 Prozent und verursacht keinerlei Emissionen.

Big Data

Während des Fluges werden pro Sekunde an mehr als 20.000 Datenpunkten Informationen erfasst. Diese dienen zur Optimierung von Sicherheit und Leistung. Gemessen wird Batteriespannung, Temperatur sowie der Gesamtzustand des Antriebsstrangs. Dieser ist für den Antrieb der Propeller sowie die Erzeugung von Schubkraft verantwortlich.

„Wir haben bereits eine Reihe von Erkenntnissen aus den einzigartigen Design- und Integrationsherausforderungen gezogen “, sagt Parr. „Und wir gewinnen das Know-how, um nicht nur auf dem Gebiet der elektrisch betriebenen Luftfahrt ohne Emissionen Pionierarbeit zu leisten, sondern sie auch zu führen. Zu diesem Zeitpunkt ist unser Vertrauen himmelhoch. “

Eine detaillierte Ansicht des Elektrofliegers könnt ihr hier im offiziellen Sheet von Rolls Royce einsehen und visuell aufbereitet in folgendem Video:

Frühere Rekorde von Rolls Royce

Rolls Royce hat bereits in der Vergangenheit vergleichbare Siege eingefahren. Unter anderem war es maßgeblich am Sieg Großbritanniens bei der prestigeträchtigen Schneider Trophy im Jahr 1931 beteiligt. Dieser Erfolg machte das Unternehmen zu einem der führenden Unternehmen in der Luft- und Raumfahrtbranche.

Das britische Rennflugzeug „Supermarine S.6B“ stellte damals den Rekord auf. Es wurde von einem „R“-Motor von Rolls Royce angetrieben und erreichte am Rekordtag eine Höchstgeschwindigkeit von 343 Meilen pro Stunde. Parr und sein Team haben somit nicht nur die Rekordgeschwindigkeit von Siemens vor Augen, sondern auch den Supermarine-Rekord. Wir von WingMag drücken die Daumen!

Ihr wollt mehr über aktuelle Entwicklungen im Bereich elektrisches Fliegen erfahren? Wie wäre es mit diesem Artikel über Elektroflüge bei easyJet ab 2019? Oder mit den aktuellen Forschungsbemühungen des Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR) zum Thema elektrisches Bugrad?

Foto und Copyright © Rolls Royce

von Jennifer Weitbrecht

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