Sex is in the air

Sex is in the air?

Linda Luftikuss
07.12.2018
4 Minuten

Flugbegleiter und Sex – darüber kursieren die wildesten Gerüchte in der Bevölkerung. Es wird Zeit, dass mit zwei von ihnen aufgeräumt wird: Piloten und Stewardessen schlafen andauernd miteinander und der Mile High Club ist seine Mitgliedschaft wert.

Immer wieder hört man, dass Stewardessen andauernd mit Piloten ein Stelldichein abhalten. Woran liegt das, an unserem Outfit? Klar, sowohl Männer als auch Frauen finden Berufe in Uniform anziehend. Das behaupten zumindest diverse Studien und wenn ich in meinem Freundeskreis rumfrage, dann höre ich eine ähnliche Antwort. Frauen finden Männer in Uniformen sexy, weil durch die Uniform Macht und Stärke ausgedrückt wird. Männer hingegen fühlen sich von der Stewardess angezogen, weil unser Outfit ein bisschen unschuldig wirkt und Beschützerinstinkte geweckt werden. Es scheint ein gängiges Bild entstanden zu sein: Das vom trainierten Piloten, der souverän ein Flugzeug fliegt und die entzückende Flugbegleiterin, die mit großen Augen alle um ihre Finger wickelt,

Sind wir auf der Arbeit also die ganze Zeit dauergeil und können es kaum abwarten, bis der Dienst vorbei ist, wir uns gegenseitig die Kleider vom Leib reißen können, um Zärtlichkeiten und Körperflüssigkeiten auszutauschen? Für mich ist das absoluter Quatsch. Für mich sind die Kollegen im Cockpit vor allem eins: Kollegen. Familienväter, die mir von ihren Sprösslingen erzählen oder Jungs, mit denen man Urlaubstipps austauscht. Außerdem sitzen da auch eine Menge Frauen und auf die stehe ich im allgemeinen ohnehin nicht.

Ich arbeite in einem Beruf, der sexuelle Fantasien auslöst. Das ist uns allen klar. Es gibt sogar einen Markt für gebrauchte Uniformschuhe und Strumpfhosen. Die Nachfrage ist beachtlich. Doch was passiert eigentlich, wenn man sich die Uniform wegdenkt? Wenn das Sakko vom Mann keine vier Streifen mehr trägt und die Frau Halstuch ablegt und den Lippenstift runter wischt? Dann stehen da ein 0815 Mann und eine 0815 Frau. Mal klein, mal groß, mal sportlich, mal rundlicher. Und plötzlich sind wir ganz normale Menschen. Mit ganz normalen Beziehungen oder ohne. Singles, die gerne Single sind und Singles, die die große Liebe suchen. Frauen und Männer, die verheiratet sind und Kinder haben. Frauen und Männer, die verheiratet sind und keine Kinder haben wollen. In Sachen Sex und Liebe findet sich der komplette Querschnitt der Bevölkerung, in der Kabine und im Cockpit. Klar gibt es auch Kollegen, die näher zueinander finden. Ob für eine einmalige Geschichte oder einen längeren Zeitraum. Ehepaare haben wir auch bei uns in der Firma, wie in jeder anderen auch.

Manche Kollegen bekommen öfters Zettelchen mit Telefonnummern zugesteckt oder Nachrichten bei Facebook geschrieben. Meistens die Frauen. Das ist auch manchmal der Grund, warum manch eine Kollegin kein Namensschild trägt. Es schmeichelt einerseits. Aber eins ist klar: Der Mann meint nicht unbedingt mich als Person, sondern die Vorstellung, eine Stewardess kennen zu lernen. Allerdings geht es auch anders, mindestens zwei meiner Kolleginnen haben ihren Partner oder ihr Date an Board kennengelernt. Erst vorige Woche wurde eine Kollegin von einem Mann auf Facebook angeschrieben, der zuvor bei ihr an Board gewesen war. Er schrieb: “Ich mache sowas nie, aber Deine Ausstrahlung hat es mir angetan und ich musste Dich anschreiben.” Normalerweise löscht sie solche Nachrichten direkt, doch bei diesem war es anders. Irgendwie war sie neugierig und nahm die Anfrage an. Was folgte war ein reger Austausch, erst über das soziale Netzwerk, später tauschte man Handynummern aus. Der aktuelle Stand ist: Das erste Date ist geplant! Vielleicht schreibt der Mann regelmäßig Flugbegleiterinnen an, vielleicht auch nicht. Das gilt es jetzt herauszufinden, wie im ganz normalen Leben. Ich bin gespannt, wie es bei den beiden weitergeht und drücke ihr die Daumen.

Das zweite Gerücht geht um die begehrte Mitgliedschaft des sagenumwobenen Mile High Club. Wer Sex in einem Flugzeug hat, das gerade fliegt, bekommt Einlass in den Club. Natürlich gibt es diesen Club offiziell nicht, doch im Netz gibt es seitenweise Ratgeber und Tipps. Warum sollte ich in einer Flugzeugtoilette Sex haben wollen? Es ist immer noch eine öffentliche Toilette. Ich sehe die Gesichter und Menschen, die da täglich ihr Geschäft drauf machen: Unter anderem Passagiere, die nicht in der Lage sind, die Spülung zu betätigen. Sehr fragwürdig, ob diese Menschen sich die Hände waschen. Außerdem ist es sehr eng. Wer Sex auf einer Flugzeugtoilette haben will: Das jahrelange Praktizieren von Yoga scheint bei diesem Vorhaben behilflich zu sein. Drittens: Habt ihr es geschafft, euch sämtliche Bakterien wegzudenken und seid in körperlichen Verrenkungen umschlungen, seid ihr noch lange nicht am Ziel. Denn sollten wir mitbekommen, dass sich Passagiere auf der Toilette auf diese Art und Weise vergnügen, machen wir ziemlich schnell die Toilettentür von Außen auf (kleine Superpower der Flugbegleiter) und das Tête-à-tête wird ziemlich schnell vorbei sein. Statt aufregenden Sex klingt das für mich eher nach Vaginalpilz, den man sich auf komplizierte Weise angelacht hat. Vollkommen unnötig.

In der nächsten Episode beantworte ich euch Fragen, die mir am meisten gestellt werden.

Always happy landings,
eure Linda Luftikuss

Titelbild – Pixabay Stocksnap

von Linda Luftikuss

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