SFS Aircraft Components - Luftfahrtzulieferer - Coronakrise

Wie steuern Zulieferer von Flugzeugteilen durch die Coronakrise? Gespräch bei SFS Aircraft Components.

Esther Nestle
21.09.2020
4 Minuten

Airbus und Boeing, zwei Global Players mit medialem Dauerfokus. So wie neulich, als Airbus vermeldete, seine Produktion um 40 Prozent zu drosseln und weltweit bis zu 15.000 Stellen abzubauen. Und die Zulieferer: Welche Strategien zur Bewältigung der Coronakrise fahren die vielen, die in der Lieferkette hinter Airbus und Boeing stehen? Unser Fokus heute: SFS GmbH Aircraft Components.

Althengstett im Nordschwarzwald klingt weniger nach internationalem Drehkreuz als nach schwäbischem Schöpfergeist. In der beschaulichen 8.000 Seelen-Gemeinde ist die SFS GmbH mit ihrer Sparte Aircraft Components zu Hause. Das Unternehmen baut und entwickelt Befestigungslösungen für große Verkehrsflugzeuge. Vor Ort ist die WingMag-Autorin mit Tobias Benda verabredet. Benda verantwortet den Customer Service.

Fliegender Wechsel im Besprechungsraum

„Sorry, dass Sie etwas warten mussten. Das letzte Meeting zog sich.“ Ein Kunde hätte Bauteile geordert, erklärt Benda. Doch dessen Projektmanagement passe nicht. „Wir wissen immer noch nicht genau, was der Kunde letztlich will.“ Grund genug also, dass sich Einkauf, Entwicklung und Customer Service kurzschließen. Kritisches Nachfragen und Mitdenken sei genau das, was die Kunden an der Zusammenarbeit mit SFS Aircraft Components so schätzen würden, erfahre ich.

Tobias Benda - Leiter des Customer Service von SFS Aircraft Components - Coronakrise

Projektmanagement heißt, über den Tellerrand herausschauen

Die deutsche Tochter der SFS Group zählt mit ihren etwa 100 Mitarbeitern zu den kleineren Unternehmen in der Branche. Benda schätzt die kurzen Wege sowohl im Betrieb als auch hin zu den Kunden.

Alles was du im Flieger anfassen kannst, befestigen wir.

Tobias Benda, Leiter des Customer Service bei SFS Aircraft Components

Nichts geht bei den Flugzeug(teile)herstellern ohne Bohrschrauben, Gewindeformschrauben, Miniaturschrauben, Blindnieten, speziellen Befestigungslösungen. All das bekommen sie bei den Althengstetter Tüftlern.

  1. Neu-Entwicklung. SFS Aircraft Components entwickelt Bauteile selbst, von der Idee bis zur Serienreife.
  2. Standardbauteile, für die SFS Aircraft Components ein großes Lager unterhält.
  3. Herstellung `Build to Print´. Der Hersteller (SFS) baut Teile exakt nach den Angaben (Zeichnungen) des Kunden. So auch in dem eingangs geschilderten Fall, in dem die Kundenangaben nun dem Kunden zurückgespiegelt werden. „Schaut euch das nochmal an. Das passt so nicht.“

Die Lage vor der Coronakrise? Schnell. Nahe dran am Kunden.

Mit ihrem breit aufgestellten Angebot und ihrem weit gefächerten Sortiment kommen die Schwaben gut bei ihren Kunden an. Mit ihren Bauteilen sind sie in allen Airbus-Baureihen vertreten. Viele Standardbauteile liefern sie mittels Konsignationslagern direkt an Airbus.

Wenn Airbus in die Kiste greifen will, müssen die gewünschten Teile immer da sein.

Tobias Benda, Leiter des Customer Service bei SFS Aircraft Components

2019 wurde der Vertrieb nochmals aufgestockt. Noch schneller wollte man werden, noch näher dran am Kunden. „Bei uns anfragende Kunden wissen schon nach 24 Stunden, woran sie sind. Nicht nur, ob wir die Realisierung vornehmen, sondern auch wann.“

Die Lage heute, mit der Coronakrise? Noch schneller. Noch näher dran am Kunden.

Wie fast überall in der Branche zog auch hier die Kurzarbeit ein. Krisenmodus ja. Dennoch sieht sich SFS auch jetzt in der Lage, sich gut über Wasser zu halten. Fünf Punkte macht Benda hierfür aus:

  1. Strikte Termineinhaltung. Ein hoher Mehrwert in dieser termingetriebenen Branche ist, dass einmal gemachte Terminzusagen akribisch eingehalten werden.
  2. Gut bestücktes Lager für beste Verfügbarkeit. „Wettbewerber fahren ihre Lager runter. Wir machen das Gegenteil. Meldet ein Kunde seinen Bedarf an, soll er bekommen, was er braucht.“
  3. Volle Lager-Transparenz. Kunden können verfügbare Lagerbestände online selbst einsehen und direkt bestellen.
  4. Mix aus Zukauf und Eigenfertigung. „Wir haben keine teuren Maschinen im Keller, für die die Bank Geld sehen will.“ Was hilft, die Kosten im Zaum zu halten.
  5. Eingekauft wird größtenteils in Deutschland: Solche Kirchturmeinkäufe ermöglichen ein schnelleres und flexibleres Handeln.

Coronakrise – Unsicherheit ist das größte Problem.

Wie geht es weiter? Keiner – weder groß noch klein – kann in die Kristallkugel blicken. Also blickt man auf die nächsten Tage und Wochen: „Nimmt der Kunde die georderten Bauteile auch morgen noch ab?“ Viele verschieben ihre Aufträge weit ins nächste Jahr hinein. „Sicherheit für den Kunden trotz Krise einerseits, Effizienz mit nicht zu hohen Lagerbeständen andrerseits. In diesem Spannungsfeld bewegen wir uns.“

Die vielen Absprachen erfordern enge Verzahnungen der Abteilungen. „Wir gehen gerade einen großen Schritt weiter weg vom Abteilungsdenken, hin zu noch mehr Prozessdenken.“ Auch das eine positive Seite der Krise. Bendas Fazit:

Wir tun alles dafür, um unser Unternehmen als schnittiges, wendiges Segelschiff über die Weltmeere zu lavieren. Doch den Wind macht Airbus.

Tobias Benda, Leiter des Customer Service bei SFS Aircraft Components

Was also, wenn dauerhaft Flaute über den Aviation-Weltmeeren herrscht? Was uns zum medialen Dauer-Fokus auf die Global Players vom Anfang zurückbringt. Viel hängt daran, dass deren Konjunkturwind wieder stärker bläst. Irgendwann.

von Esther Nestle

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