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SpaceJet Programm von Mitsubishi in Gefahr

Johanna Koyser
14.05.2020
4 Minuten

Vor rund zwei Monaten konnte das WingMag noch tolle Nachrichten aus Japan verkünden. Das SpaceJet Programm von Mitsubishi trat damals in die Schlussphase des Zulassungsprogramms ein. Das Unternehmen feierte den ersten Testflug mit einer SpaceJet Maschine, die den zulassungsfähigen Basiskonfigurationen entsprach. Doch leider bleibt auch dieses richtungsweisende Vorhaben des japanischen Megakonzerns nicht von der Coronakrise verschont.

Die COVID-19-Pandemie stellt eine beispiellose Herausforderung für die Gesellschaft als Ganzes dar, und es gibt Teile des Geschäfts der MHI-Gruppe, die bereits erhebliche Auswirkungen haben, insbesondere in Branchen wie der kommerziellen Luftfahrt und der Automobilindustrie.

Mitsubishi Heavy Industries

So wurde nun bekannt, dass Teile des SpaceJet Programms von Mitsubishi auf Eis gelegt werden. Zur Erinnerung: Ziel des SpaceJet Programms ist es Flugzeuge made in Japan zu fertigen, die wegen ihrer Größe besonders für den regionalen Luftverkehr geeignet sind. Dabei stellte man zwei Modellvarianten vor namens M90 und M100. Letztere Variante und deren weitere Entwicklung soll jetzt erst einmal pausieren. Der Konzern gibt an, dass die Kosten für das SpaceJet Programm für die aktuelle wirtschaftliche Lage schlichtweg zu hoch seien. Man wolle sich ab jetzt voll und ganz auf die Finalisierung der M90 konzentrieren. Jedoch könnte es auch hier zu Problemen in nicht so ferner Zukunft kommen.

SpaceJets für den US-Markt

Mitsubishi hoffte mit ihren Flugzeugen aus dem SpaceJet Programm den US-amerikanischen Regionalverkehr zu erobern. Denn dort gibt es weltweit mit die meisten Regionalverbindungen auf denen kleinere Maschinen zum Einsatz kommen. Das nun noch verbleibende SpaceJet Modell M90 ist jedoch laut Richtlinien zu groß für diesen Markt. In den USA ist es auf Regionalstrecken verboten Flugzeuge über einem Gewicht von 39.000 kg und mit mehr als 76 Sitzplätzen zu fliegen. Beide Maße überschreitet die M90. Infolgedessen hatte schon vergangenen Oktober die Trans States Holding eine Bestellung über 50 M90 zurückgenommen. In der Hoffnung, man könne stattdessen das kleinere Modell M100 bestellen.

Insgesamt könnte sich also die Situation rund um das Mitsubishi SpaceJet Programm in den kommenden Wochen und Monaten weiter zuspitzen. Waren wir vom WingMag noch vor zwei Monaten voller Erwartungen nächstes Jahr das erste kommerzielle Flugzeug made in Japan am Himmel zu sehen, so ist die Zukunft was dies betrifft heute mehr als ungewiss.

Bild © CHIYODA I / CC BY-SA

von Johanna Koyser

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