Linda Luftikuss Kolumne

Teilzeit und Stewardess: Wie sich das vereinen lässt

Linda Luftikuss
23.06.2020
3 Minuten

Seit gut anderthalb Jahren habe ich meinen Arbeitsvertrag auf „Teilzeit“ reduziert. Ich habe mich zu Teilzeit entschieden, weil ich neben der Fliegerei noch meiner anderen Lieblingsbeschäftigung nachkommen möchte: Dem Schreiben. Andere gehen in Teilzeit weil sie sich um ihre Familie oder Haustiere kümmern möchten. Viele aber auch deshalb, weil sie neben der Fliegerei, wie ich, ein zweites Standbein haben: Ein kleines Reisebüro, eine Tätigkeit als Yogalehrerin, ein Studium, die Selbstständigkeit als Coach … Ich habe Kollegen mit mobilen Massagestühlen, Internetfirmen oder jene, die als Fotografen oder Tänzer arbeiten.

Meine Firma bietet für die Teilzeit unterschiedliche, und wie ich finde, sehr flexible Arbeitsmodelle an. Man kann mehr Freizeit am Stück bekommen, das nennt sich “Blockmodell”. Oder man hat mehr freie Tage auf den Monat verteilt. Man kann sogar beide Optionen kombinieren. Wer hundert Prozent fliegt, hat in der Regel Anspruch auf zehn freie Tage im Monat.

Ich bin damals zunächst auf 80 Prozent Teilzeit runtergegangen und habe mir dafür ein Kombinationsmodell ausgesucht: Einen Monat hatte ich komplett frei. Die restlichen elf Monate war ich dafür 90 Prozent Teilzeit im Einsatz. Eigentlich ist es ganz einfach: Je höher der prozentuale Beschäftigungsgrad, desto mehr Diensttage hat man im Monat.

In Teilzeit fliegen bedeutet nicht, dass man fünf Tage die Woche arbeiten geht, aber immer nur fünf Stunden am Arbeitsplatz ist. So sieht es vielleicht in klassischen Bürojobs aus. In Teilzeit fliegen bedeutet, dass man mehr freie Tage im Monat bekommt. Als ich 90 Prozent Teilzeit geflogen bin, hatte ich drei freie Tage mehr als meine Kollegen, die hundert Prozent geflogen sind. Aber an den Tagen, an denen ich im Einsatz war, war ich genauso lang wie meine Kollegen in der geliebten Blechbüchse.

Ich habe euch schon erzählt, dass ich eher zufällig in der Fliegerei gelandet bin: Nach dem Studium brauchte ich einen Job, klar. Ich wollte aber nicht den klassischen Weg gehen, sondern mein eigenes Ding durchziehen und dem Schreiben treu bleiben. Damit ich das aber machen konnte, brauchte ich einen festen Job in Teilzeit.

Heute hab ich genau die Kombination, die das möglich macht. Das Fliegen bietet Abwechslung. Gleichzeitig auch Sicherheit und Freiheit. Allerdings hat es auch einen Nachteil: Wenn man in Teilzeit arbeitet, verliert man schneller die Routine und fühlt sich in manchen Situationen etwas verloren. Ganz besonders ist das so, wenn man nur drei Stunden Schlaf bekommt. Der persönliche Autopilot ruckelt dann etwas. Aber keine Sorge, ich bin nach wie vor mit den Sicherheitsprozessen bestens vertraut und der Ausschank von Tomatensaft läuft auch wie am Schnürchen. Ihr seid bei mir nach wie vor bestens aufgehoben!

In der nächsten Episode erzähle ich von ganz alltäglichen Begegnungen mit Passagieren, die bei einem Flug auftreten können. Vielleicht erkennt ihr euch ja in einer von ihnen wieder?

Always happy landings,
eure Linda Luftikuss

Titelbild von StockSnap auf Pixabay 

von Linda Luftikuss

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