Air Force One - Transport US-Präsident

Das Transportsystem des US-Präsidenten

Tim Takeoff
20.12.2019
2 Fotos
6 Minuten

Wenn das große, blau-weiße Flugzeug mit amerikanischer Flagge auftaucht, erkennen selbst Laien, dass es sich um die weltbekannte „Air Force One“ des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika handelt. Doch wie kommt es zu diesem Namen, und ist es das einzige Fortbewegungsmittel der Führungsspitze der Vereinigten Staaten?

Natürlich gibt es noch deutlich mehr Transportmittel des Staatsoberhauptes als nur die Air Force One. Bereits in den späten 1800er Jahren wurde der Präsident in eigens dafür bestimmten Gerätschaften transportiert. Wo damals sogar noch eigene Züge und Schiffe eingesetzt wurden, nutzt das weiße Haus heutzutage primär den Luft- und Landweg. Es setzt sich eine Planung der Superlative in Gang, sobald eine Reise des Präsidenten bevorsteht.

Zu Lande…

Auf dem Landweg setzt die US-Regierung einen Konvoi aus verschiedensten Fahrzeugen ein. Dieser bildet ein genau festgelegtes Konstrukt um das eigentliche Fahrzeug des Präsidenten. Der Cadillac, welcher den Nicknamen „The Beast“ trägt, ist ein technisches Meisterwerk: Gepanzert, Nachtsicht-System, Tränengaskanone, Runflat-Reifen, jeglicher Luxus und sogar ein eigenes Luftsystem, das im Falle eines ABC-Anschlages den Kontakt zur Außenwelt abschneidet und die Insassen versorgt. Das Auto wird bei offiziellen Einsätzen von bis zu 45 weiteren Fahrzeugen unterschiedlichster Funktionen begleitet. Polizei, Sondereinsatzkommandos, ein Störsignal-Fahrzeug, Krankenwagen und Delegierte des Weißen Hauses begleiten den US-Präsidenten nach genauen Vorgaben.

….und in der Luft

Eben diese Fahrzeuge müssen selbstverständlich vor jedem Besuch des Präsidenten an Ort und Stelle gebracht werden. Hierzu nutzt die Air Force mehrere Transportflugzeuge vom Typ C-5 Galaxy und fünf weitere umgebaute Boeing 757. Sie stehen dem Vizepräsidenten, Delegierten und Mitarbeitern des weißen Hauses zur Verfügung. Jeder Außeneinsatz wird als militärische Mission bewertet und dementsprechend geplant und umgesetzt. All das, um die Reise des Präsidenten in der Air Force One zu ermöglichen. Die Planung hierfür beginnt mehr als drei Tage im Voraus.

Air Force One

Genau genommen, gibt es „Die“ Air Force One überhaupt nicht. Jedes Flugobjekt, das vom US-Präsidenten genutzt wird, erhält die Bezeichnung „One“. Die restliche Bezeichnung richtet sich danach, welcher Streitmacht der USA dieses Vehikel angehört. Im Falle der beiden Boeing 747-200 ist dies eben die „Air Force“. Fliegt der Präsident allerdings mit dem Hubschrauber vom Weißen Haus zur Edwards Air-Force Base, um die Air Force One zu nutzen, nennt sich der Hubschrauber „Marine One“, da er von der US Marine betrieben wird. Neben Navy und Army, gibt es sogar die „Coast Guard One“. Bisher kam diese jedoch noch nie zum Einsatz.

Unglaubliche Ausrüstung der Air Force One

Am spannendsten ist die Boeing 747-200B, militärisch auch VC25-A genannt, von der es derzeit zwei Stück gibt. Die aktuellen „Air Force One“ sind bereits seit 1987 im Dienst. Sie wurden von Boeing zu einem fliegenden „Weißen Haus“ umfunktioniert und verfügen über hochspezielle Einrichtungen für bis zu 70 Gäste und 23 Crew-Mitglieder. Neben zwei Küchen (immer mit mehr als ausreichend Lebensmitteln bevorratet), zahlreichen Konferenzräumen und Zimmern für die First Family, ist die „Air Force One“ mit hochgenauen Kommunikations,- und Luftabwehrsystemen bestückt.

Ein medizinischer Bereich hält sogar einen Operationstisch samt Ärzten bereit. Die Luftbetankung gehört ebenfalls zum Repertoire, und somit kann der Flieger im Notfall auf unbestimmte Zeit am Himmel verweilen. Auch der sagenumwobene Koffer mit den US-Amerikanischen Atomwaffencode befindet sich an Bord der „Air Force One“. Von einem grandiosen WLAN ganz zu schweigen. Die Kosten des Betriebes der aktuellen Maschinen wird auf etwa 180.000 Dollar pro Stunde geschätzt.

Der Nachfolger

Bereits im Jahre 2009 begann man einen Nachfolger für die 747-200B zu finden. Zur Wahl standen neben der Boeing 747-8, auch die Boeing 787 und sogar der Airbus A380. Da Airbus für diese Zwecke jedoch sämtliche Baupläne und Informationen des A380 preisgeben müsste, zog sich der Hersteller komplett aus der Ausschreibung zurück.

Die Wahl fiel im Jahre 2017 auf die Boeing 747-8. Auch wenn der neu gewählte Präsident Donald Trump diese Bestellung zunächst aufgrund der enormen Kosten von circa 4 Milliarden USD stornieren ließ, wurde der Auftrag im Herbst 2017 neu aufgegriffen. Bereits fertiggestellte B747-8 einer insolventen russischen Airline sollten als Umbaubasis dienen. Auch sie werden die genannten Einrichtungen (und sicher vieles mehr) erhalten. Mit der Reichweite der umgebauten Boeing ist der Präsident in der Lage, das Hoheitsland von jedem Ort der Welt ohne weiteren Stopp zu erreichen. Ein bemerkenswertes Stück Technik.

In diesem Video von Galileo erfahrt ihr mehr zu den Mythen, die sich um die Air Force One ranken (aus Zeiten Obamas):


von Tim Takeoff

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