Mad Mike Hughes - Raketenstart

Für seine Verschwörungstheorie schießt sich „Mad Mike“ Hughes 570 Meter in die Luft

Jennifer Weitbrecht
27.03.2018
5 Minuten

Er nennt sich selbst „Mad Mike“ und ist überzeugt: Die Erde ist eine Scheibe. Oder handelt es sich möglicherweise doch nur um eine schlaue Behauptung, um an finanzielle Mittel für sein großes Ziel zu kommen? Mit einer selbst erbauten Rakete bis an den Rand des Weltalls zu fliegen ist schließlich kostspielig.

Endlich ein gelungener Start

Der Verschwörungstheoretiker Mike Hughes ist entgegen aller Erwartungen mit seiner Rakete Marke Eigenbau abgehoben und weitgehend unversehrt zur Erde zurückgekehrt. Er scheut weder Risiken noch Mühen, um seine Verschwörungstheorie der flachen Erde zu beweisen.

Nachdem Hughes den Start bereits längere Zeit angekündigt hatte, konnte er nun tatsächlich einen Erfolg feiern. Am 24.03.2018, um 15 Uhr kalifornischer Ortszeit, schoss sich der 61-Jährige – ohne Countdown – mithilfe des Dampfantriebs seiner selbst erbauten Rakete rund 570 Meter in die Höhe. Sein Unterstützer bei diesem Projekt, Waldo Stakes, schätzte die Geschwindigkeit auf circa 560 Stundenkilometer.

Raketenstart in der Mojave-Wüste

Das ungewöhnliche Spektakel fand in der Mojave-Wüste bei Amboy in Kalifornien statt. Erlaubnis für den umstrittenen Versuch erteilte Albert Okura, Eigentümer des Ortes Amboy. Der Gründer der kalifornischen Restaurantkette „Juan Pollo“ hatte den rund 320 Kilometer östlich von Los Angeles gelegenen Ort im Jahr 2005 für 425.000 US-Dollar erworben. Okura freute sich über den geglückten Start: „Mike hat uns zur Raketenstadt gemacht. Es war großartig“.

So unkonventionell wie das gesamte Projekt sind auch Startrampe und Antrieb der Rakete, entstanden in mehreren Monaten Tüftelei in der eigenen Garage. Mad Mike nutzte ein blau-weißes Wohnmobil, woran er ein Gestell mit seiner Rakete befestigte. In die Luft befördert sich das Geschoss mit Wasserdampf, der aus einem 1,6 Meter hohen und 0,6 Meter breiten Zylinder aus Stahl durch eine kleine Düse austritt. „Wie eine heiße Champagnerflasche“, so Mike Hughes.

Harte Landung – egal ob Kugel oder Frisbee

Für die Rückkehr zur Erde verwendete Hughes einen Fallschirm. Doch erst das Öffnen eines zweiten rettete ihn vermutlich vor einem tödlichen Aufprall, da der Sturz Richtung Erdboden zunächst schneller verlief als geplant. Nach einer unsanften Landung berichtete er dennoch lediglich von einem schmerzenden Rücken, ansonsten gehe es ihm gut. Das Geschoss kehrte rund 460 Meter vom Startplatz entfernt wieder zurück zur Erde, wobei die Nase der Rakete zerbrach.

Kein Wunder, dass Hughes sich erleichtert zeigte, nachdem Rettungskräfte ihn untersucht hatten „Dieses Teil versucht dich auf zehn verschiedene Arten zu töten.“ Dennoch bereut er es nicht. „Bin ich froh, dass ich es gemacht habe? Ja. Denke ich.“ Er werde die Folgen am nächsten Morgen spüren und nicht aus dem Bett aufstehen können. „Aber wenigstens kann ich heute Abend nach Hause fahren, zu Abend essen und meine Katzen sehen.“

Flat Earther Mike Hughes hatte einige Widerstände zu überwinden

Der Start der Rakete war ursprünglich viel früher angekündigt – bereits für November 2017. Doch nicht alles lief nach Plan. Mehrere Einwände des Landverwaltungsamtes sowie technische Probleme verzögerten den Start. Ganz besonders ärgerten ihn Menschen, die ihm unterstellten, dass er gekniffen und keine Rakete gebaut habe. Doch er habe es getan und „seinen Mann gestanden“.

Am Tag des Starts schien es zunächst erneut so, als würde er scheitern. Dieses Mal aufgrund des starken Windes. Geplant war, die Rakete mit 350 PS anzutreiben, es konnten jedoch nur 340 PS erreicht werden. Helfer Stakes wollte den Antrieb stärker erhitzen, Mike verneinte.

Es geht erst richtig los! Mad Mike’s Ziel: Der untere Rand des Weltalls

Laut Hughes ist das Projekt mit dem geglückten Start seiner Rakete noch lange nicht beendet. Der nächste Schritt sei der Bau eines sogenannten „Rockoon“ – eine Mischung aus Rakete und Ballon, die ihn bis an den Rand des Weltalls transportieren soll. Warum das Ganze? Der Verschwörungstheoretiker möchte die – angebliche – Krümmung der Erde mit eigenen Augen sehen. „Glaube ich, dass die Erde eine Frisbee ist? Ja, das tue ich“, meint er. „Weiß ich es sicher? Nein. Deshalb möchte ich Richtung Weltraum fliegen.“

Theorie „flache Erde“ – Der Glaube an das Unglaubliche

Bereits existierende Beweise für die Kugelform der Erde, wie Satellitenbilder sowie Fotos und Berichte von Astronauten beeindrucken Mad Mike nicht. Genauso wenig die Möglichkeit, die Erdkrümmung mithilfe eines Heliumballons mit Kamera erkennen zu können. Hughes macht seine Zweifel deutlich: „Ich kann der NASA nicht glauben. Ich glaube nicht, dass es die internationale Raumstation gibt. Ich glaube nicht, dass da Leute oben sind. Ich glaube dieses Zeug nicht.“

Doch es ist nicht nur eine Glaubensfrage, schließlich geht es auch darum, Geld zu sammeln… Eine Höhe von 100 Kilometern möchte er mit seiner nächsten Rakete erreichen. Mit dem Ballon bis zur ersten Etappe von 32 bis 35 Kilometer, die restlichen 65 Kilometer sollen mit der Rakete überbrückt werden.

Mike Hughes selbst ist begeistert von seiner eigenen Story. „Es gibt viele Handlungsstränge – dass die Rakete in einer Garage gebaut wurde, ich ein älterer Typ bin, dass alles in der Mitte von Nirgendwo spielt und die flache Erde.“ Paradoxerweise stört ihn nur eine Sache: „Leute, die alles infrage stellen. Sie sind die Schattenseite des Ganzen.“ Das Projekt ziehe laut Hughes viele Irre an. Unverständlich ist für ihn die Skepsis gegenüber seinem eigenen Vorhaben.

von Jennifer Weitbrecht

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