Warum ich meinen Job liebe

Warum ich meinen Job liebe

Linda Luftikuss
31.08.2018
4 Minuten

“Choose a job you love, and you will never have to work a day in your life.” Menschen, die diesen Satz zu ihrem Lebensmotto erkoren haben, werden unter normalen Umständen von mir ignoriert und ich kündige ihnen mindestens die Facebook-Freundschaft. Und trotzdem ist es die beste Einleitung zu dem, was ich heute über meinen Beruf als Flugbegleiterin erzählen will. Weil: Mein Job ist großartig! Auch wenn ich keine mehrtägigen Layovers habe und nicht wie meine Kollegen auf der Langstrecke andauernd in den Genuss der First Class Speisen komme: Ich finde meinen Job besser, als den von vielen anderen.

Erstens, ich arbeite immer mit unterschiedlichen Kollegen und Gästen. Jede Crew-Konstellation gibt es nur einmal. Das wird übrigens gemacht, um Routine zu vermeiden und dadurch Fehlern vorzubeugen. 98 Prozent meiner Kollegen sind herzallerliebste Schmuckstücke, mit denen ich gerne arbeite. Und wenn ich dann doch mal an die restlichen zwei Prozent gerate, tröstet mich der Gedanke, dass ich im nächsten Dienst wieder einer anderen Crew zugeteilt bin. Der Arbeitstag steht und fällt mit der Crew, sagt man so schön bei uns. Die Vielfalt bei den Kollegen und unseren Passagieren macht es sehr abwechslungsreich. Wenn wir uns als Crew untereinander gut oder sogar sehr gut verstehen, wirkt sich das auch auf die Atmosphäre im Flieger aus. Ich kann nicht genau sagen, woran das liegt. Vielleicht, weil Gäste uns als Flugbegleiter stets beobachten. Klar, viele fliegen vielleicht nur ein- oder zweimal im Jahr. Da ist es natürlich spannend zu sehen, was um einen herum passiert und wie die Flugbegleiter drauf sind. Gute Laune ist für viele Passagiere wichtig, nicht alle fühlen sich an Bord wohl. Dann suchen sie in unseren Gesichtern nach Reaktionen auf das, was passiert. Bekannte und Freunde erzählen mir immer wieder, dass sie lockerer werden, wenn sie sich in einem entspannten Gesicht der Flugbegleiter rückversichern können, dass alles in Ordnung ist. Und wenn es dann noch sichtlich gut in der Crew läuft, ist die Interaktion mit den Gästen oft noch heiterer.

Zweitens, meine Arbeitszeiten variieren täglich. Mal habe ich nur zwei Legs, also zwei Flüge. Mal sind es vier an einem Tag. Wenn mein Umlauf, also mein Arbeitstag, darin besteht, einmal nach London zu fliegen, dann ist das schon großartig. Denn es bedeutet, dass es ein kurzer Arbeitstag wird. Fliege ich hingegen nach Las Palmas, sind es zwar immer noch nur zwei Legs, aber dafür zwei lange. Ich mag die Kombination aus kurzen und langen Flügen. Es sorgt für Abwechslung.

Drittens, es sind immer andere Passagiere an Board. Das ergibt sich konsequenterweise aus Punkt zwei. Nach London fliegen fühlt sich anders an als nach Lissabon zu reisen. London ist eine Mischung aus Einheimischen, Geschäftsleuten und Touristen. Nach Lissabon fliegen hauptsächlich Touristen und ein paar Einheimische. Dabei haben die meisten Destinationen auch ihre Stereotype: Engländer kommen auch im Dezember in FlipFlops in den Flieger. Südländische Nationen sind beim Boarding wuseliger und bringen gerne viel Handgepäck mit. Kroaten sind sehr gut gelaunte und freundliche Reisende. Auch mit viel Verspätung gehen sie entspannt um.

Viertens, ich arbeite im Schichtdienst. Ja, das ist vornehmlich toll an meinem Beruf. Wer zu asynchronen Arbeitszeiten unterwegs ist, kennt keinen Berufsverkehr oder überfüllte Läden. Dienstagvormittag in der Innenstadt gemütlich bummeln? Kein Problem, alle anderen sind arbeiten: Die Boutiquen sind leer. High Five! Der Platz im Lieblingscafé ist immer frei und das Fitness-Studio gehört neben ein paar Rentnern und Muttis mir alleine. Mir alleine, oh yes!

Das Beste an meinem Job ist einfach, dass kein Tag wie ein anderer ist. Durch die verschiedenen Faktoren vergeht die Zeit im wahrsten Sinne des Wortes wie im Flug. Und: Nach der Arbeit ist mein Kopf frei. Sobald ich nach dem Dienst in mein Auto steige und den Flughafen verlasse, bin ich gedanklich offen für alles, was der Nachmittag mit sich bringt. Eine Sache gibt es natürlich noch, die diesen Beruf zur 1A Wahl macht: Privates Reisen war nie günstiger und einfacher. Während ich diesen Text schreibe, sitze ich in der Business Lounge einer amerikanischen Großstadt und werde gleich in der Business Class nach Deutschland fliegen. Dafür zahle ich keine 200 Euro. Es kommt aber noch besser: Der Preis ändert sich nicht. Es ist egal, ob ich eine Reise ein paar Monate vorher plane oder zwei Stunden vor Abflug entscheide, das ich an eine bestimmte Destination möchte. Es ist ein
unglaubliches Privileg, das ich sehr zu schätzen weiß.

In der nächsten Episode werde ich von einem typischen Flug in die Türkei erzählen und ihr werdet verstehen, warum man manchmal eine Extraportion Schlaf braucht!

Always happy landings,
eure Linda Luftikuss

Titelbild Unsplash – Gerrie van der Walt

von Linda Luftikuss

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