Take-off, Abflug, Flugzeugstart

Was passiert bei einem Flugzeugstart?

Paola Leibbrandt
16.10.2018
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4 Minuten

Ein Moment des Nervenkitzels für viele Passagiere: Der Flugzeugstart, bei dem man in den Sitz gedrückt wird. Doch wie kann es sein, dass diese gigantische Maschine tatsächlich vom Boden abhebt? Wir zeigen euch, was alles gemacht werden muss, bis es zum Abheben kommt.

Nach der Landung ist vor dem Start

Im Flugverkehr geben sich Piloten häufig die Klinke in die Hand. Kaum ist ein Flugzeug gelandet, wird es auch schon für den nächsten Abflug vorbereitet. Doch zunächst muss es erst einmal richtig geparkt werden. Der Pilot bekommt für das Rollen und Parken genaue Anweisungen von Towerlotse und Bodenpersonal. Auf dem Weg zum Terminal helfen Leuchtsysteme dabei, die genaue Position zu finden. Anschließend wird der Jet mithilfe eines Parksystems oder Einweisers in die exakte Position dirigiert.

Nach dem Abschalten der Triebwerke übernimmt das Hilfstriebwerk APU (Auxiliary Power Unit) im Heck zu Übergangszeiten die Strom- und Klimaversorgung. Steht das Flugzeug länger, werden Klimaanlage und Stromversorgung extern angeschlossen. Damit die Passagiere aussteigen können, fährt man eine Treppe oder Gangway heran. Gleichzeitig wird das Gepäck ausgeladen und die Bordverpflegung aufgestockt, beziehungsweise komplett ausgetauscht. Das Flugzeug wird gereinigt, der Toilettentank entleert, das Frischwassersystem aufgefüllt und natürlich Kerosin getankt.

Die Vorbereitung auf den Flugzeugstart

Bevor das Flugzeug starten kann, ist Planung nötig. Diese wird seitens der Airline an die Piloten vermittelt, welche alle Informationen prüfen und den letzten Feinschliff vornehmen. Die gesamte Infrastruktur und der technische Zustand werden überprüft. Diese Überprüfung wird „Vorflugkontrolle“ oder auch „Preflight-Check“ genannt. Es werden alle wichtigen technischen Funktionen unter die Lupe genommen.

Beim sogenannten „Outside Check“ überprüft einer der Piloten bei einem obligatorischen Rundgang den äußeren Zustand des Jets. Besonderes Augenmerk liegt hier auf offensichtlichen Beschädigungen, dem Zustand der Turbinen und Steuerklappen, sowie des Fahrwerks und der Bremsen. Der andere Pilot füttert den Bordcomputer mit allen erdenklichen Daten. Aktuelle Wetterinfos für den Start werden live vom jeweiligen Flughafen bereitgestellt.

Ebenfalls notwendig ist der „Before-Taxi-Check“ (Check vor Beginn des Rollens) des Piloten. Die gesamte Prozedur ist obligatorisch und muss vor jedem Flug durchgeführt werden. Es wird unter anderem überprüft, ob die Türen verschlossen und alle Passagiere angeschnallt sind sowie die Instrumente korrekte Informationen liefern.

Gegebenenfalls wird das Flugzeug anschließend in der kalten Jahreszeit durch den Enteisungsdienst von Schnee und Frost befreit (siehe Artikel Fliegen im Winter). Welche Route geflogen wird und ob Abflugbeschränkungen existieren, wird von Flugverkehrskontrollstellen (ATC) geregelt und ist in den Navigationskarten im Cockpit hinterlegt.

Ready for Take-off: Der Start beginnt

Endlich kann es losgehen, der Flugzeugstart beginnt. Die Triebwerke heulen auf und das Flugzeug hebt sich vorne leicht an. Meistens wird die Triebwerksleistung dabei nicht voll ausgenutzt. Um die Hightech-Motoren zu entlasten, werden die Leistungsspitzen um einen genau kalkulierten Wert reduziert. Die vorhandene Bahnlänge sollte möglichst effizient ausgenutzt werden. Dies reduziert nicht nur die Lebensdauer der Triebwerke, sondern auch sonstigen Verschleiß, Lautstärke und Emissionen.

Um abheben zu können, muss bereits auf der Startbahn eine gewisse Geschwindigkeit erreicht werden, da nur so die Schwerkraft überwunden werden kann, sodass das Flugzeug abheben kann. Verkehrsflugzeuge beschleunigen dafür auf stolze 250 bis 345 km/h.

Die Höhenruder bewirken, dass der Flieger um seine Querachse rotiert. Dabei wird die Flugzeugnase angehoben und das Bugfahrwerk hebt ab. Der Punkt, bis zu dem der Pilot den Start abbrechen kann, nennt man V1. Würde er bis dahin das Gas herausnehmen, würde das Flugzeug automatisch ein Art „Vollbremsung“ durchführen. Nach Überschreiten von V1 muss es dann aber in die Luft.

Die Reifen der Flieger sind mit Stickstoff gefüllt und rollen nur mit. Das heißt, sie werden nicht, wie im Auto, selbst angetrieben. Der aerodynamische Auftrieb an den Tragflächen wird durch die Anstellwinkelerhöhung erreicht. Zuerst hebt das Bugrad ab, anschließend die Hinterräder. Das Ziehen, das man jetzt spürt, wird durch die Gravitationskraft hervorgerufen und ist nach wenigen Sekunden vorbei.

Endlich hebt der Flieger ab und der Pilot fährt das Fahrwerk ein. Für 15 bis 20 Minuten befindet sich das Flugzeug im Steigflug (Climb), bevor es in den Reiseflug (Cruising) übergeht.

Der Blick hinter die Kulissen

Welche Kommandos die Piloten mit dem Bodenpersonal, dem Tower und auch untereinander beim Flugzeugstart austauschen und wie die Vorbereitungen bis zum Start ablaufen, kannst du in folgendem Video sehen:

Während der gesamten Zeit kann man sich als Fluggast gemütlich zurücklehnen und den kompletten Flug genießen. Um den Rest kümmern sich die Profis am Boden, der Kabine, im Tower und natürlich im Cockpit.

Ihr wollt noch mehr über den Flugzeugstart aus technischer und Piloten-Sicht erfahren? Das erfahrt ihr in diesem Artikel.

Bilder Pixabay – Holgi, bernswaelz

von Paola Leibbrandt

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