Cockpit Fahrtmesser

Was passiert wenn? – Der Fahrtmesser ausfällt

Tim Takeoff
24.11.2020
3 Minuten

Ein alter Fliegerspruch besagt: Fahrt ist Leben, und Leben ist Fahrt! Damit geht es um eines der elementarsten Dinge der Fliegerei: Geschwindigkeit.

Damit sich starre Flugkörper über dem Boden halten können, müssen sie von einem Medium wie unserer Luft umströmt werden. Durch günstige Formen und Anstellwinkel, fliegt der Körper am Ende jedoch nur dann, wenn noch ein weiterer Parameter hinzukommt: Die Strömungsgeschwindigkeit. Wir reden hier von der Luft gegenüber eines umströmten Körpers, zum Beispiel der Flügel eines Flugzeuges. In der Fliegerei spricht man dabei von „Fahrt“, kommend aus der Seefahrt.

Unterschiedlichste Flugzustände

Jedes neue Flugzeug wird exakt getestet, erflogen und vermessen. Alle Geschwindigkeitsbereiche sind dabei dokumentiert und für den jeweiligen Einsatzzweck optimiert. Dabei berücksichtigt man auch sämtliche Konfigurationen, Gewichte, mit Fahrwerk, Landeklappen, bei Triebwerksausfall und auch in verschiedenen Flughöhen.

Die Kombination aus all diesen Dingen ergibt immer eine ungefähre Fluggeschwindigkeit – eine absolut lebenswichtige Erkenntnis. Sollte der Pilot keine Information über die Fahrt haben, kann er dennoch weiterarbeiten. Wie geht das?

Was ist Fahrt und wie funktioniert der Fahrtmesser?

Wie misst man Fahrt, und wie stellt man diese dar? In einem Auto kann der Tacho die Drehzahl der Räder in Geschwindigkeit umrechnen. Im Flugzeug funkioniert das nicht, es muss die Strömungsgeschwindigkeit gemessen werden. Dabei nimmt man zunächst über eine statische Druckabnahme (Static Port) den Umgebungsdruck ab. Jetzt wird über ein sogenanntes Staurohr (Pitot-Probe) der Gesamtdruck abgenommen. Dieses Rohr liegt quasi im freien Fahrtwind. Man zieht nun den statischen Druck vom Gesamtdruck ab, und erhält einen bestimmten Druckwert, der der Eigengeschwindigkeit in der Einheit „Knoten“ zugeteilt wird. 1 Knoten entspricht einer nautischen Meile (1,852 Kilometer) pro Stunde. Damit ist die Affinität der Luft- zur Seefahrt allgegenwärtig.

Fahrtmesser - Höhenmesser - Horizont
Fahrtmesser (links), künstlicher Horizont (mittig), Höhenmesser (rechts) – Boeing 737-800 (Wikimedia Commons – User Trainler – Public Domain)

Kommt es nun zu einem Problem, wie zum Beispiel der Verstopfung des Staurohrs, oder anderer Druckabnahmen, kann der Fahrtmesser falsche Werte liefern oder ganz ausfallen. Ein Verkehrsflugzeug ist jedoch auch in diesem Bereich mehrfach redundant. Da der Ausfall des Fahrtmessers aber als kritisch betrachtet wird, wurden spezielle Verfahren entwickelt, um Fehlinterpretationen zu entgehen.

Fahrtmesser – Pitch & Power

Der Hersteller hat für alle wichtigen Flugzustände sehr exakte Tabellen entwickelt, die unumgänglich für eine Zulassung sind. Sie berücksichtigen alle Parameter, wie das aktuelle Gewicht und die aktuelle Flughöhe. Will man seine Höhe halten, steigen, sinken oder eine andere Geschwindigkeit einnehmen, ohne den Fahrtmesser zur Verfügung zu haben, schaut man als Pilot in diese Tabellen. Sie sagen sehr exakt, welche Neigung (Pitch) und welchen Schub (Power) der Pilot einstellen soll. Damit generiert man die notwendige Geschwindigkeit sowie Steig-, bzw. Sinkrate. In der Fliegerei nennt man das „nach Pitch & Power fliegen“. So kann ein Flugzeug nach diesen Werten problemlos ohne Fahrtinformationen bewegt werden.

Training im Simulator & „Memory Items“

Im Flugsimulator trainieren die Crews immer wieder derartige Ereignisse. Piloten nehmen im Ernstfall zunächst eine sichere Grundfluglage aus dem Gedächtnis ein. Ein unzuverlässiger Fahrtmesser (Unreliable Airspeed) ist Teil der „Memory Items“, Dinge die zum absoluten Grundhandwerk gehören und jederzeit aus dem Kopf, ohne Checkliste, abrufbar sein müssen. Ist das Flugzeug stabilisiert, greift die Crew zu den detaillierten Tabellen und Checklisten, die es ihnen erlauben, das Flugzeug sicher an den Boden zu bringen.

von Tim Takeoff

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